Monopol-Untersuchung US-Finanzminister Mnuchin greift Amazon scharf an

Die US-Regierung hat kaum mit den Ermittlungen gegen die großen Internetkonzerne begonnen. Doch Finanzminister Steven Mnuchin kennt schon das Ergebnis: Zu den Bösen zählt der schärfste Kritiker Trumps.
Leeres Ladengeschäft in Manhattan:

Leeres Ladengeschäft in Manhattan:

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Was den weltgrößten Versandhändler Amazon betrifft, hat US-Finanzminister Steven Mnuchin ein klares Bild. Das Unternehmen "hat den Einzelhandel in den Vereinigten Staaten zerstört", sagte Mnuchin am Mittwochabend dem Sender CNBC und erhöhte damit gleichzeitig den Druck auf den Konzern und seinen Gründer Jeff Bezos.

Amazon dürfte zu jenen Unternehmen gehören, die das Justizministerium einer wettbewerbsrechtlichen Untersuchung unterziehen will. Geprüft werden solle, ob führende Onlineplattformen zu große Marktmacht erlangt und mit ihrer Vorgehensweise den Wettbewerb gefährdet haben könnten und der gesamten Wirtschaft und Verbrauchern damit geschadet haben.

Vorwürfe dieser Art werden aber auch in Europa erhoben. Unter anderem Google und Amazon stehen im Mittelpunkt von Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission.

"Ich habe keine andere Meinung, als dass es absolut richtig ist, dass der Justizminister diese Fragen untersucht, und ich freue mich darauf, seine Empfehlungen an den Präsidenten zu hören", sagte Mnuchin jetzt zu CNBC.

Amazon verteidigte sich mit den Worten, dass 90 Prozent aller Verkäufe in stationären Geschäften getätigt würden. "Heute machen unabhängige Verkäufer mehr als 58 Prozent der physischen Brutto-Warenverkäufe bei Amazon aus, und ihre Verkäufe sind doppelt so schnell gewachsen wie unsere eigenen und erreichten 2018 insgesamt 160 Milliarden Dollar", sagte ein Sprecher zudem.

Mildere Worte fand Mnuchin für Google. US-Präsident Donald Trump hatte eine Prüfung von Vorwürfen angekündigt, inwieweit der Suchmaschinen-Betreiber mit der chinesischen Regierung zusammenarbeitet. "Google ist ein amerikanisches Unternehmen, das den USA helfen will", sagte Mnuchin.

Mnuchins Parteinahme gegen Amazon verstärkt den Eindruck, dass dem Monopolverfahren auch politische Gründe zugrunde liegen könnten. Die Internetunternehmen im Silicon Valley haben sich in der Vergangenheit wiederholt von der Politik von US-Präsident Donald Trump distanziert. Das Weiße Haus wirft unter anderem Facebook und Google vor, Stimmen aus dem konservativen Lager zu unterdrücken, blieb aber Belege für diese Behauptung schuldig.

Bezos hat in der Vergangenheit am deutlichsten Stellung gegen Trump bezogen - und verfügt mit der Tageszeitung "Washington Post" auch über eine mächtige Stimme. Er war in der Vergangenheit auch des Öfteren von dem US-Präsidenten scharf attackiert worden.

mik/Reuters