US-Insider-Skandal Hedgefonds versprechen Kooperation mit FBI

Im vermutlich größten Insider-Skandal der USA werden neue Details bekannt: Laut "Wall Street Journal" führte die Bundespolizei FBI koordinierte Razzien bei mehreren Hedgefonds in New York, Connecticut und Massachusetts durch. Mehrere der Firmen kündigten ihre Zusammenarbeit mit den Behörden an.

Straßenschild an der Wall Street: Noch mehr Geld machen
AP

Straßenschild an der Wall Street: Noch mehr Geld machen


Washington - Die US-Staatsanwaltschaft steht unter Zeitdruck. Bis Ende des Jahres sollen erste handfeste Ergebnisse im vermutlich größten Insider-Skandal der Geschichte vorliegen, die Behörde verschärft daher in diesen Tagen ihre Ermittlungen: Laut "Wall Street Journal" hat die Bundespolizei FBI bei einer groß angelegten Razzia die Büros von drei Hedgefonds an der Ostküste der USA durchsucht.

Nach Angaben des FBI richtete sich die Aktion am Montagabend gegen die Hedgefonds Level Global in New York, Loch Capital in Boston und Diamondback Capital in Connecticut. An den drei Standorten seien Durchsuchungsbefehle vollstreckt worden, weitere Angaben zur Aktion wollte die Behörde mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht machen.

Laut "Wall Street Journal" bestätigten Diamondback und Level Global die Durchsuchungen. Sie kündigten an, mit den Behörden zu kooperieren. Loch-Capital-Anwalt Leonard Pierce lehnte einen Kommentar ab.

Am Wochenende hatte die Zeitung berichtet, das FBI untersuche zusammen mit anderen Behörden Fälle von Insider-Handel durch Hedge-, Anlage- und Investmentfonds. Auch die Großbank Goldman Sachs Chart zeigen und die Deutsche Bank Chart zeigen werden genannt, jedoch ohne konkretere Angaben. Die Straf- und Zivilverfahren seien das Ergebnis dreijähriger Ermittlungen, heißt es.

Den Recherchen zufolge zielen die Anklagen auf ein gigantisches, weitverzweigtes Netzwerk aus "mehreren Insider-Handel-Ringen", die Millionensummen erschwindelt hätten - zu Lasten von Laien-Investoren. Im Mittelpunkt dieses Netzwerks stehe die 1,7 Billionen Dollar schwere Hegdefonds-Branche. "Falls sich die Ermittlungen bestätigen, könnten sie eine Kultur des tiefgreifenden Insider-Handels an den US-Finanzmärkten enthüllen", so das "WSJ".

Anleger reagierten am Montagabend umgehend auf die Durchsuchungen: Aktien von Goldman Sachs und der Bank of America Chart zeigen fielen um mehr als drei Prozent. Die Telefone von Wirtschaftsanwälten liefen den Angaben zufolge heiß. Zahlreiche Händler baten um rechtliche Vertretung.

Kampf der Raffgier

Bereits vor einem Monat hatte US-Staatsanwalt Preet Bharara die Schlacht um die Hoheit über das Finanzgewerbe eröffnet, als er sich bei einer Rede vor der Rechtsanwaltskammer in Manhattan über die grassierende Wirtschaftskriminalität beklagte. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das FBI hätten dementsprechend ihre Ressourcen und Truppen aufgestockt.

Gegner seien die Schwergewichte der Wall-Street-Szene, die Insiderinformationen als eine Art "leistungsteigernde Droge ansehen, die ihnen den extra Vorteil verschafft, um ihre Rivalen auszustechen und noch mehr Geld zu machen", erklärte Bharara.

Nach Aussage mehrerer Anwälte wollen die Ermittler noch in diesem Jahr mehrere Fälle offenlegen. Auch erste Klagen soll es geben.

yes/dapd

insgesamt 2 Beiträge
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lisa_p 23.11.2010
1. Steuerfahndung
Das wäre hier in Deutschland nicht möglich gewesen. Hier werden Steuerfahnder (siehe Hessen) für verrückt erklärt und ab geht es in Pension, egal ob Steuerfahndung oder Insidertipps.
CHANGE-WECHSEL 24.11.2010
2. nennen Sie die Dinge endlich beim Namen
Zitat von sysopIm vermutlich größten Insider-Skandal der USA werden neue Details bekannt: Laut "Wall Street Journal" führte die Bundespolizei*FBI koordinierte Razzien bei*mehreren Hedgefonds in New York, Connecticut und Massachusetts durch. Mehrere der Firmen kündigten ihre Zusammenarbeit mit den Behörden an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,730713,00.html
Sehr geehrte Journalistinnen und Journalisten vom Spiegel und Spiegel.Online und anderen Medien. Benennen Sie die Dinge endlich beim Namen, damit sich auch etwas in der Gesellschaft ändert. Wir reden hier nicht von Affären oder Skandalen. Das FBI und die Staatsanwaltschaft werden tätig, weil es sich hier um Straftaten, um kriminelle Machenschaften handelt. Hören Sie endlich damit auf hier immer im verharmlosenden Stil von Affären und Skandalen zu schreiben. Dies stimmt so nicht und ist faktisch auch so nicht richtig. Es geht um Betrug, Straftaten und somit um Kriminelle. Auch wenn diese Nadelstreifenanzüge tragen und sich ihre Büros in irgendwelchen Wolkenkratzern befinden. Sei es nun in New York oder Frankfurt. Es sind Kriminelle. Etwas anderes zu schreiben entspricht nicht der Tatsache und wäre Volksverdummung. Diese Aufgabe fällt dann aber eigentlich der BILDzeitung zu.
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