Überhöhte EC-Gebühren US-Anwälte bereiten Milliardenklage gegen deutsche Banken vor

Deutsche Sparkassen, Volksbanken und Privatinstitute wie die Deutsche Bank müssen sich auf Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe gefasst machen. Eine US-Kanzlei wirft ihnen laut "Bild am Sonntag" Kartellabsprachen vor.

Bankenviertel in Frankfurt am Main
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Bankenviertel in Frankfurt am Main


Die US-Anwaltskanzlei Hausfeld bereitet laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe gegen deutsche Banken vor. Sparkassen, Volksbanken und Privatinstitute wie die Deutsche Bank sind betroffen. Den Geldhäusern werden demnach verbotene Kartellabsprachen vorgeworfen, die jahrelang zu überhöhten Gebühren beim Zahlen mit EC-Karten geführt haben sollen.

Ein Vertreter der Anwaltskanzlei in Deutschland, Christopher Rother, sagte laut dem Zeitungsbericht, Hausfeld vertrete "etliche namhafte Mandanten". Dazu gehören dem Bericht zufolge große Mineralölkonzerne sowie bekannte Handelsunternehmen.

Jahrelang zahlten die Händler demnach eine feste Gebühr von 0,3 Prozent des Umsatzes an die jeweiligen Banken. Erst auf Druck des Bundeskartellamtes verpflichteten sich die Geldinstitute im Jahr 2014 darauf, dass die Einzelhändler die Gebühren mit den Banken frei verhandeln dürfen.

Nach Angaben des Bundeskartellamtes fielen dadurch die Kosten um bis zu 40 Prozent. Laut Handelsverband wurden 2015 Waren im Wert von knapp 100 Milliarden Euro per EC-Karten bezahlt.

Die Anwaltskanzlei will die aus ihrer Sicht überhöhten Gebühren laut Bericht rückwirkend für zehn Jahre einfordern. Die Klagen sollen demnächst beim Landgericht Frankfurt eingereicht werden.

Ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft sagte, hier versuche "eine amerikanische Klägerkanzlei" offenbar, "einzelne deutsche Handelsunternehmen in Klageverfahren gegen die Kreditwirtschaft hineinzutreiben". Die Kreditwirtschaft sehe dafür keine Grundlage. Zuletzt hatte US-Staranwalt Michael Hausfeld Schadensersatz für VW-Kunden in der Abgasaffäre verlangt.

jus/AFP



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Solid 08.01.2017
1.
Es ist nicht "die Kreditwirtschaft", die verklagt wird, sondern "die Zahlungsabwickler". Das ist komplett verschieden, für die Zahlungsabwicklung ist kein Kreditgeschäft notwendig. Und in einem Trennbankensystem, das wir nicht haben, wäre es sogar verboten beides zu vereinen, mit der Folge dass bei einer Bankenpleite die Zahlungssysteme und Bargeldversorgung weiter funktionieren würden. Mit dieser eingeflochtenen falschen Floskel wird sehr subtil eine notwendige Verbindung und eine Systemrelevanz suggeriert, die es nicht gibt.
hugo1000 08.01.2017
2. Diese amerikanischen Anwälte,
sollen sich um Dinge kümmern, die sich in Amerika abspielen. Ich sehe darin vorangig eine Aktion durch Klagen leicht Umsatz zu machen. Da sie von den Entschädigungszahlungen ein ordentliches Stück einsacken werden.
GSYBE 08.01.2017
3. höchste Zeit
Höchste Zeit, das Geflecht zwischen dem deutschhen Staat und den deutschen Geldinstituten mal näher zu beleuchten. Selbstverständlich handelt es sich bei den Banken um ein Kartell mit einem obersten Chef, dem deutschen Staat. Konzerne, Grosslobyisten und Geldhäuser zeigen dem Bürger in Deutschland fast schon im Grundsatz die lange Nase und natürlich geht dies nicht ohne staatliche Unterstützung oder zumindest bewusstes staatliches Wegschauen.
nofreemen 08.01.2017
4. einfach Toll
Die Banken brauchen doch das Geld dringend. Wie sollen die sonst ihre Bussen bezahlen? Seit Jahren zahlen die im monststakt Bussen in Millionen- und Millliarden höhen. Geld war dafür immer da, aber irgend wann ist ja schluss. Oder liegen da immer noch Berge von Donald Ducks Schätzen. Die Banken geben mehr an Bußen aus als die Meisten Firmen Umsätze Machen, dabei zahlen sie noch hohe Löhne und Bonis aus. Irgend etwas stimmt da nicht. Anwälte haben das neueTummelfeld erkannt und wollen jetzt an den Schatz. Die Politik schweigt oder sieht das Problem wieder einmal micht. Und wenn, dann weiß man night wie es anzugehen ist oder man wird von den Lobbyisten überrannt. Zudem, wer beisst schon seinem Förderer in die Hand.Toll.
joking_hazard 08.01.2017
5. Wenn sich zwei aus Geldgier streiten...
... müssen bei Gericht natürlich 'sinnvollere' Verfahren liegen bleiben. Unsere Justiz klagt doch über Überlastung. Natürlich hat jeder das Recht einen Anwalt und die Richter zu bemühen. Aber wir hören immer wieder das Gewaltverbrecher auf freien Fuß gesetzt werden müssen weil die Fristen des Verfahrens nicht eingehalten werden können. Manchmal mit fatalen Folgen. Immer wieder bremst die Menge von Zivilverfahren wegen Geldansprüchen die Abwicklung der wichtigeren Strafprozessverfahren aus, bei denen es oft auch um öffentliche Sicherheit geht. Auch tendieren aus meiner Erfahrung 'hochmonetäre' Prozesse schneller und bevorzugt bearbeitet zu werden als 'alltägliche' Klagen des kleinen Bürgers. Der kann oft jahrelang warten bis was passiert. Sehe ich hier etwas falsch? Kann mir jemand andere Erfahrungen berichten? Ich bin stets bereit neues zu lernen.
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