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15. März 2017, 19:44 Uhr

Zinserhöhung in den USA

Warum Janet Yellen Donald Trump ärgert

Von und

Die US-Notenbank hat den Leitzins erhöht, Chefin Janet Yellen hat gute Gründe dafür. Dem US-Präsidenten dürfte das aber gar nicht passen - ebenso wenig wie der Türkei oder China. Das Wichtigste zum Zinsentscheid.

Janet Yellen hat Wort gehalten: Anfang März hatte die Chefin der US-Notenbank Fed in Aussicht gestellt, dass der Leitzins bereits Mitte des Monats angehoben wird. Und tatsächlich hat die Fed an diesem Mittwoch den Leitzins - den sogenannten Federal Funds Rate - um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Er liegt nun in einer Bandbreite von 0,75 bis 1,0 Prozent.

Und dabei wird es 2017 voraussichtlich nicht bleiben. Ende 2016 hatte die Fed für dieses Jahr insgesamt drei Erhöhungen in Aussicht gestellt - zwei weitere könnten also noch folgen.

Einer dürfte sich über die Verlässlichkeit der Fed und ihrer Chefin Yellen allerdings weniger freuen: der neue US-Präsident Donald Trump. Und das liegt nicht allein daran, dass Yellen noch von seinem Vorgänger Barack Obama ernannt wurde. Leitzins-Erhöhungen kommen Trump auch in der Sache ungelegen.

Weshalb missfällt dem US-Präsidenten ein höherer Leitzins? Warum erhöht ihn die Fed dennoch? Und welche Auswirkungen hat die Entscheidung der US-Notenbank auf Europa und viele Schwellenländer? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Anhebung der US-Leitzinsen:


Warum hebt die Fed jetzt die Zinsen an?

Nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und 2009 hatte die Fed den Leitzins radikal auf null Prozent gesenkt, um das Bankensystem zu stabilisieren und die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Nun läuft die US-Konjunktur wieder einigermaßen rund: Nicht nur die Wirtschaftsleistung steigt deutlich, auch die Arbeitslosigkeit ist stark zurückgegangen, zudem ziehen die Preise wieder an.

Die Pläne des neuen US-Präsidenten Donald Trump, die Steuern zu senken und ein großes, schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm aufzulegen, dürften diese Entwicklung noch einmal verstärken. Um zu verhindern, dass eine stark ausgelastete Wirtschaft überhitzt und die Inflation steigt, muss die Notenbank Kredite teurer machen - also die Zinsen erhöhen.


Warum ärgert die Zinserhöhung Donald Trump?

"Buy American" ist das von Donald Trump vorgegebene Motto: Die Menschen in den USA und im Ausland sollen wieder mehr amerikanische Produkte kaufen. Dafür ist Trump allerdings darauf angewiesen, dass der Dollar nicht zu stark ist - sonst werden in den USA produzierte Waren im Vergleich zu Waren aus Europa oder Asien zu teuer.

Wenn nun die Zinsen in den USA aber deutlich steigen, wird es für Investoren aus aller Welt attraktiver, ihr Geld in Dollar anzulegen. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Dollar - und somit der Wechselkurs. Der Dollar wird stärker: Eine Entwicklung, die den Aufschwung in den USA zumindest bremst.


Werden jetzt auch die Zinsen in Europa steigen?

Danach sieht es erst einmal nicht aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt einen völlig anderen Kurs als die Fed - was auch daran liegt, dass die Wirtschaft in der Eurozone noch deutlich schwächer ist als die in den USA.

EZB-Chef Mario Draghi hat zuletzt angekündigt, die ultralockere Geldpolitik noch länger fortzuführen. Der Leitzins in der Eurozone liegt seit Mitte März 2016 - also seit fast exakt einem Jahr - bei null Prozent. Zusätzlich kauft die EZB seit Januar 2015 Anleihen von Staaten und Unternehmen auf, derzeit noch für 80 Milliarden Euro im Monat, von April an für 60 Milliarden Euro. Insgesamt stellt die Zentralbank der Wirtschaft auf diesem Weg allein in diesem Jahr 780 Milliarden Euro zur Verfügung.

Zwar wächst der Druck auf Draghi, den Leitzins zu erhöhen - aber nicht wegen der Entscheidung der US-Notenbank. Vielmehr werden vor allem in Deutschland Stimmen lauter, die auf die zuletzt deutlich gestiegene Inflation verweisen. Sowohl in Deutschland als auch der ganzen Eurozone steigen die Preise inzwischen um rund zwei Prozent. Kapitalanlagen wie Tagesgeld werfen aber wegen der Nullzinspolitik kaum Rendite ab - viele Sparer müssen also derzeit reale Vermögensverluste hinnehmen.


Warum sind steigende US-Zinsen für andere Länder ein Problem - etwa die Türkei?

In vielen Schwellenländern wie China, Indien oder der Türkei ist die Wirtschaft in den vergangenen Jahren teilweise atemberaubend schnell gewachsen. Gerade für sie stellt ein höherer US-Leitzins eine ernsthafte Bedrohung dar, aus zwei Gründen:

Erstens haben sich diese Länder relativ hoch in Dollar verschuldet - in China haben vor allem Unternehmen und Banken Kredite in Dollar aufgenommen, in der Türkei vor allem der Staat. Steigt nun infolge der Zinserhöhung der Dollarkurs, werden die Schulden für diese Länder de facto teurer.

Zweitens könnten Investoren Geld aus diesen Ländern abziehen. In den vergangenen Jahren profitierten viele Schwellenländer von der Niedrigzinspolitik der Fed, weil sie Anlegern weit höhere Zinsen boten und damit Investoren anzogen. Locken nun auch auf den US-Märkten wieder höhere Renditen, könnte zumindest ein Teil dieses Geldes wieder in die USA zurückfließen - und der Wirtschaft in den Schwellenländern fehlen. Dadurch könnte sich das Wachstum dort abschwächen oder die Wirtschaft sogar schrumpfen.

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