US-Notenbank Der Leitzins bleibt auf historischem Tief

Die US-Notenbank Fed hält an der Politik des billigen Geldes fest: Der Leitzins bleibt auf seinem historischen Tief von null bis 0,25 Prozent. Die Konjunkturhilfen in Form von Anleihenkäufen sollen hingegen bald enden.

Notenbank-Chefin Janet Yellen: Monatliche Anleihenkäufe weiter reduziert
AP/dpa

Notenbank-Chefin Janet Yellen: Monatliche Anleihenkäufe weiter reduziert


New York/Hamburg - Der US-Leitzins bleibt unverändert niedrig zwischen null und 0,25 Prozent. Das teilten die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nach einer zweitägigen Sitzung mit. Der Leitzins liegt seit Ende 2008 auf diesem historischen Tief.

Zugleich signalisierten sie, dass sie auch "geraume Zeit" nach dem für Ende Oktober angepeilten Ende der Konjunkturhilfen an dem sehr niedrigen Zins festhalten werden. Sie betonten, die Ressourcen am Arbeitsmarkt seien bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Die Notenbank-Chefin Janet Yellen betont stets, dass die Geldpolitik stark von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt abhängt. Die Arbeitslosenquote sank zuletzt auf 6,1 Prozent. Allerdings betrachtet Yellen eine ganze Reihe verschiedener Jobdaten. Darauf aufbauend sagte sie zuletzt häufiger, dass sich der Arbeitsmarkt noch nicht genügend erholt habe. Zinserhöhungen dürften daher nicht überstürzt werden.

Allerdings fiel die jährliche Inflationsrate in den USA von 2,0 Prozent auf 1,7 Prozent und damit wieder unter den langfristigen Zielwert der US-Notenbank. Damit sank zumindest von dieser Seite der Druck auf die Fed, verstärkt über eine Leitzinswende nachzudenken und sich von ihrer Politik des ultrabilligen Geldes zu verabschieden.

Leitzinsanhebung im kommenden Jahr erwartet

Die US-Aktienmärkte fielen nach dem Fed-Zinsentscheid in regem Handel auf den niedrigsten Stand des Tages.

Die Erwartungen über die künftige Leitzinsentwicklung hat die Fed hingegen abermals angehoben. Die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses rechnen nun für Ende 2015 im Schnitt mit einem Leitzins von 1,38 Prozent. Im Juni hatte der Wert noch bei 1,13 Prozent gelegen. Für Ende 2016 wird mit durchschnittlich 2,88 Prozent gerechnet, nach bisher 2,50 Prozent.

Die Erwartungen für Ende 2017, die erstmalig veröffentlicht wurden, liegen bei einem Leitzins von 3,75 Prozent. Die durchschnittlichen Wert ergeben sich auf den Erwartungen der einzelnen FOMC-Mitglieder.

Anleihenankäufe sollen eingestellt werden

Die monatlichen Anleihenkäufe reduziert die Fed hingegen erheblich: von 25 auf 15 Milliarden Dollar. Der für die Geldpolitik zuständige Offenmarktausschuss der Fed kündigte an, bei seinem nächsten Treffen Ende Oktober die monatlichen Anleihenkäufe ganz einzustellen, sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt wie erwartet entwickeln.

Die Fed hat seit Mitte 2008 im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise über mehrere Programme zum Anleihenkauf mehr als drei Billionen Dollar in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Damit sollten die Kredite für Unternehmen und Privatleute verbilligt werden. Angesichts der Erholung am Arbeitsmarkt begann die Notenbank im vergangenen Dezember mit dem Ausstieg aus dem aktuellen Programm, das ursprünglich ein Volumen von 85 Milliarden Dollar monatlich hatte. Schrittweise reduzierte die Fed die Käufe um zehn Milliarden Dollar, das Ende in diesem Herbst galt daher als wahrscheinlich.

Die sonstigen Prognosen der Fed zu Wachstum, Inflation und Beschäftigung wurden überwiegend nur leicht angepasst. Nennenswert ist jedoch der Wachstumsausblick für das kommende Jahr, der nach unten gesetzt wurde. Ging die Fed für 2015 bisher von einem Wirtschaftswachstum um 3,1 Prozent aus, wird nun ein Zuwachs um 2,8 Prozent erwartet.

vks/sun/AFP/dpa-AFX

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
warlock2 18.09.2014
1. Der Leitzins bleibt auf historischem Tief!
Immer wieder die gleiche Leier! und vor dem nächsten Meeting wird die Presse die Aktienmärkte wieder verrückt machen, mit dem Spruch, es könne sich etwas ändern. - Es wird aber nichts passieren.
wibo2 18.09.2014
2. Wann wird die FED die Zinsen erhöhen?
Zitat von warlock2Immer wieder die gleiche Leier! und vor dem nächsten Meeting wird die Presse die Aktienmärkte wieder verrückt machen, mit dem Spruch, es könne sich etwas ändern. - Es wird aber nichts passieren.
Nein, die FED wird die Zinssätze demnächst doch erhöhen, weil nur das den Großbanken helfen wird, mehr Geld zu machen. "There's nothing else that matters." Die Fed kann die US Wirtschaft nicht wiederbeleben, das glaubt heute keiner mehr. Weder mit niedrigen Zinsen noch mit Geldschöpfung. Aber die Banker können noch eine ganze Menge mehr an Volksvermögen herausholen. Und für diesen Zweck brauchen sie einfach ein höheres Zinsniveau. Und das möglichst bald.
ebehrens 19.09.2014
3. Fed hat Erfolge, EZB zögert immer noch
Die Entwicklung der Notenbankzinsen für den Euro und den US-Dollar seit 2008 zeigt ganz klar, dass die EZB mit mehr als fünf Jahren Verspätung jetzt endlich dort angekommen ist, wo die Federal Reserve schon Ende 2008 war, nämlich bei nahe null Prozent. Die gegenläufigen Entwicklungen der Arbeitslosenzahlen in den USA und im Euroraum sind die Folge. Für die USA kann ein Kurswechsel der Notenbankpolitik diskutiert werden, während die EZB die massiven Mittel, die die Federal Reserve zusätzlich zu den Leitzinssenkungen angewandt hat und nun schon wieder zurückfahren kann, noch gar nicht angewendet hat. Auch diese Mittel brauchten sehr lange, bis sie wirkten. Was lernen wir daraus? Das Sinken der europäischen Inflationsraten weit unter den von der EZB schon 2003 geplanten "Sicherheitsabstand von der Deflation" ist noch nicht gestoppt. Die Senkung der nominalen Leitzinsen hat in den letzten Jahren das Sinken der Inflationsraten bei Weitem nicht ausgleichen können. Die kurzfristigen Realzinsen sind daher entgegen den konjunkturellen Erfordernissen in den letzten Jahren des europäischen Nachhinkens deutlich gestiegen. Wen wundert da noch die hohe Arbeitslosigkeit im Euroraum und die hiesige Konjunkturschwäche? Die neuesten Schritte der EZB, für die sie in Deutschland immer noch nicht ausreichend Zustimmung findet, sind noch nicht radikal genug, um eine Trendwende herbeizuführen. Wer wie ich schuldenfinanzierter staatlicher Konjunkturpolitik sehr skeptisch gegenübersteht, der muss alle Hebel der Geldpolitik rechtzeitig in Bewegung setzen, um die Inflationsraten auf einem ausreichend hohen Niveau fest zu verankern. Der von der EZB eingeplante Sicherheitsabstand von der Deflation hat offensichtlich nicht ausgereicht, um die Gefahr eines Absturzes in die Deflation wirksam zu bannen. Die Inflationsraten sind schon nahe null; der Sicherheitsabstand ist weg. Aber eine Diskussion über die von Nobelpreisträgern wie Paul Krugman empfohlenen Inflationsziele von 4 Prozent findet bei uns immer noch nicht statt. Wir brauchen jetzt kurzfristige Realzinsen im negativen Bereich – wahrscheinlich mindestens minus drei Prozent. Wer nicht hören will, muss fühlen, sagt die Volksweisheit. Eckhard Behrens, Heidelberg
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.