Zinserhöhung später US-Notenbanker beruhigen Märkte

Die US-Notenbank Fed wird die Zinsen offenbar später und weniger stark erhöhen als erwartet. Nachdem Fed-Protokolle veröffentlicht wurden, in denen Notenbanker sich entsprechend äußern, sprangen die Börsenkurse auf Höchststände.

US-Notenbank Federal Reserve: Zinserhöhung verschoben
DPA

US-Notenbank Federal Reserve: Zinserhöhung verschoben


Washington - Die US-Notenbank Fed fürchtet offenbar, dass ihre eigenen Aussagen falsch ausgelegt werden. In den am Mittwochabend veröffentlichten Protokollen der jüngsten Zinssitzung von Mitte März äußern mehrere Notenbanker die Sorge, dass die Märkte aus den aktuellen Projektionen für den Zeitpunkt von Zinserhöhungen die falschen Schlüsse ziehen könnten. Daraus könnte ein aggressiverer Kurs herauslesen werden als ihn die Fed tatsächlich plane, mahnten die Fed-Vertreter. Die Finanzmärkte legten das Protokoll nun so aus, dass die Fed die Zinsen voraussichtlich nicht so früh und kräftig erhöhen wird, wie gedacht.

Die US-Aktienmärkte stiegen nach der Veröffentlichung der Protokolle auf Tageshöchststände. Der Kurs des Dollar bröckelte. Händler erwarten nun, dass eine erste Zinserhöhung noch nicht im ersten Halbjahr 2015, sondern frühestens im Juli nächsten Jahres ansteht. In den im März veröffentlichten Projektionen war im Mittel ein Zinsniveau von 2,25 Prozent für Ende 2016 veranschlagt worden. Dies ist ein halber Prozentpunkt mehr als in der Dezember-Prognose.

Aus dem Fed-Protokoll wird deutlich, dass mehrere Notenbanker diese Veränderung für "überzogen" halten. Sie zeigten sich besorgt, dass den Märkten damit ein falsches Bild von der Zinsstrategie vermittelt werde.

Fed-Chefin Janet Yellen war in der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid überraschend konkret geworden und hatte eine Zinswende für das erste Halbjahr 2015 in Aussicht gestellt. Nach dem für den Herbst erwarteten Ende des Anleihenkaufprogramms dürften "rund sechs Monate" bis zu einer Straffung der Geldpolitik vergehen, sagte sie seinerzeit.

Der US-Notenbanker Charles Evans schließt nicht aus, dass deutlich mehr Zeit ins Land gehen könnte, bis die Zinswende eingeleitet wird: "Es könnten sechs, es könnten aber auch sechzehn Monate werden", sagte der Chef der Fed von Chicago vor Journalisten. Die Fed hält den Leitzins bereits seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Derzeit heizt die Notenbank die Wirtschaft zusätzlich noch mit monatlichen Wertpapierkäufen in Höhe von 55 Milliarden Dollar an. Das Programm soll aber Ende des Jahres auslaufen, wenn sich der Aufschwung gefestigt hat.

nck/dpa/Reuters

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Seite 1
the_secret62 10.04.2014
1. Beruhigt die Märkte?
Wer zum Teufel sind sind die "Märkte"? Das sind wohl die Investmentbanken und Hedgefonds die mit billigem Geld rumzocken! Privatanleger sind nicht "die Märkte" welch krankes Spiel! Keine fundamentale Erholung der Weltwirtschaft - Hauptsache billiges Geld und die Kurse steigen. Welch kranke Welt!
curti 10.04.2014
2. Oh, ein.....
Zitat von sysopDPADie US-Notenbank Fed wird die Zinsen offenbar später und weniger stark erhöhen, als erwartet. Nachdem Fed-Protokolle veröffentlicht wurden, in denen Notenbanker sich entsprechend äußern, die sprangen die Börsenkurse auf Höchststände. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-notenbank-fed-zinserhoehung-verschoben-boersenkurse-steigen-a-963569.html
.....wiederholter Versuch den nimmersatten Götzen Markt (Kapital) zu besänftigen. Man darf gespannt sein wie lange das vorhält - 1 Tag, 1 Woche, vielleicht sogar 1 Monat? Ohne ein großes event der Zerstörung wird die Bestie nicht klein beigeben, für ein paar Jahre jedenfalls!
pepe_sargnagel 10.04.2014
3.
Zitat von the_secret62Wer zum Teufel sind sind die "Märkte"? Das sind wohl die Investmentbanken und Hedgefonds die mit billigem Geld rumzocken! Privatanleger sind nicht "die Märkte" welch krankes Spiel! Keine fundamentale Erholung der Weltwirtschaft - Hauptsache billiges Geld und die Kurse steigen. Welch kranke Welt!
Ihre Frage "Wer sind die Märkte" kann man nicht oft genug wiederholen. Evtl. nimmt sich dann auch mal einer die Zeit das zu recherchieren und die Dinge beim Namen zu nennen. Diese ständigen Verschleierungen der Sachverhalte sind auch für mich unerträglich, weil die Finanzkrise (von "den Märkten" ausgelöst) schon im Jahr 2009 begann.
daddycooldown 10.04.2014
4. Märkte sind in diesem Fall die Zockerplattformen der Großbanken
und Fonds. Treffenderweise auch "darkpools" genannt. Die müssen immer schön mit billigem Zockergeld gefüllt werden, damit die Hochfrequenz- und andere Abzockspielchen weitergehen können. Wenn im irren Kasino der Derivate mal die Roulettescheibe knirscht, dann - so die nicht unbegründete Furcht der Zocker - fällt der ganze Budenzauber zusammen. In den USA hängen ja außerdem - in viel größerem Umfang als bei uns - auch Renten und Altersversorgung an den Kapitalmärkten, da muss die Wohlstandsillusion aufrechterhalten werden. Bei einer Halbierung des S+P würden noch mehr Rentner verarmen. Um also die Geldpumpe weiterlaufen lassen zu können, ist der an der Leine des Großkapitals trottenden FED jede krause Begründung recht. Mit Realwirtschaft und realen Märkten hat das ganze kranke Spiel nichts zu tun. Oder würde die Bundesbank einem Kleinsparer marode Rentenpapiere zum abkaufen und einstampfen, oder der Staat mir eine Rostlaube zum Mondpreis - wie es die FED mit dem Rückkaufprogramm macht?
rabenkrähe 10.04.2014
5. nene
Zitat von sysopDPADie US-Notenbank Fed wird die Zinsen offenbar später und weniger stark erhöhen, als erwartet. Nachdem Fed-Protokolle veröffentlicht wurden, in denen Notenbanker sich entsprechend äußern, die sprangen die Börsenkurse auf Höchststände. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-notenbank-fed-zinserhoehung-verschoben-boersenkurse-steigen-a-963569.html
.......... Was für eine Farce. Sieben Jahre geht nun diese unverantwortliche Geldschwemmenpolitik schon und jedenfalls in den USA signalisieren die Wirtschaftsdaten schon lange die Umkehr. Aber ganz im Gegensatz zu den lauten und entschlossenen Worten, mit denen die Geldschwemme seinerzeit eingeleitet wurde, herrscht jetzt Duckmäuserei, wenn es um die überfällige Umkehr geht. Was doppelt dumm ist, denn mit ihrer Verzagtheit signalisieren die Notenbanker ja so ganz nebenbei, daß sie keinerlei Vertrauen in die Wirtschaft haben! rabenkrähe
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