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13. September 2012, 18:39 Uhr

Konjunkturspritze

US-Notenbank öffnet erneut die Geldschleusen

Notenbank-Chef Bernanke wagt einmal mehr einen gefährlichen Eingriff in den Geldmarkt: Die Fed kauft Schuldenpapiere im Wert von Hunderten Milliarden Dollar, um die US-Wirtschaft anzukurbeln. Das Programm soll so lange laufen, bis sich die Lage am Arbeitsmarkt bessert.

Hamburg - Die US-Notenbank startet ein aggressives Stimulusprogramm, um die schwächelnde US-Konjunktur anzuschieben. Die Fed gab bekannt, Schuldenpapiere im Wert von 40 Milliarden Dollar pro Monat aufzukaufen. Die Bank nannte für diese Maßnahme keine zeitliche Begrenzung.

Dazu wollen die Notenbanker ihren bei faktisch null Prozent liegenden Leitzins bis 2015 nicht erhöhen. Zudem will die Notenbank weiterhin US-Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten gegen US-Staatsanleihen mit langen Laufzeiten tauschen.

Es ist bereits das dritte Mal, dass die US-Zentralbank die US-Wirtschaft zu stimulieren versucht. Seit März 2009 hat sie Staatsanleihen und Wertpapiere im Gesamtwert von 2,3 Billionen Dollar erworben.

Sie kauft unter anderem US-Banken Wertpapiere ab, zum Beispiel hypothekenbesicherte Kreditpapiere, und schreibt ihnen den Kaufpreis auf ihrem Konto bei der Zentralbank gut. Die Privatbanken müssen auf ihrem Fed-Konto stets eine bestimmte Geldreserve halten - durch die Fed-Aktion erhöht sich diese nun schlagartig jeden Monat. Das zusätzliche Geld können die US-Privatbanken für andere Geschäfte nutzen - sie können zum Beispiel mehr Kredite an Firmen und Haushalte vergeben, was die Konjunktur stimulieren soll.

Nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses nannte Fed-Chef Ben Bernanke vor Pressevertretern weitere Möglichkeiten, um die US-Konjunktur noch stärker anzuschieben, sollte es notwendig werden: So könnten die jüngst beschlossenen Käufe von hypothekenbesicherten Wertpapieren ausgeweitet werden. Darüber hinaus gebe es die Option, zusätzliche Staatsanleihen zu kaufen. Auch über ihre Kommunikation könnte die Fed für weitere Stimuli sorgen, sagte Bernanke.

Die Notenbank rechtfertigte ihren neuen Eingriff unter anderem mit der Arbeitslosenquote. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit von mehr als acht Prozent sei "weiterhin eine ernste Sorge", sagte Bernanke nach der Entscheidung. Solange sich dessen Zustand nicht substantiell bessere, werde die Fed mit den Käufen neuer Schuldenpapiere fortfahren.

Die Arbeitslosenquote liegt mit 8,1 Prozent für US-Verhältnisse nach wie vor deutlich über dem langjährigen Schnitt. In einem neuen Ausblick der Fed hieß es, die Arbeitslosigkeit werde in diesem Jahr wohl nicht mehr unter acht Prozent sinken. "Wir wollen eine nachhaltige Verbesserung am Arbeitsmarkt", sagte Bernanke. "Wir haben keine bestimmte Zahl im Kopf. Aber die, die wir die letzten sechs Monate gesehen haben, ist es nicht."

Die Aktion der Notenbank hilft US-Präsident Barack Obama im Wahlkampf. 55 Tage vor der Wahl gibt es neue Hoffnung für die US-Wirtschaft. Obama hatte im September 2011 angekündigt, eine Million neue Jobs schaffen zu wollen.

Die US-Börse reagierte positiv auf das neue Fed-Programm. Der Dow-Jones-Leitindex legte mehr als 200 Punkte zu und übersprang erstmals seit Dezember 2007 die Marke von 13.500.

ssu/lgr/dpa/dapd/Reuters

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