Opioidkrise US-Pharmahändler stimmen milliardenschwerem Vergleich zu

Trotz der großen Suchtgefahr drückten sie opioidhaltige Schmerzmittel mit Macht in den Markt. Jetzt bezahlen drei Pharmahändler einen Milliardenbetrag, um der Strafverfolgung im Bundesstaat New York zu entgehen.
Oxycontin: Verheerende Schäden

Oxycontin: Verheerende Schäden

Foto: George Frey/ REUTERS

Opioid-Überdosen sind in den USA für Hunderttausende Todesfälle verantwortlich – im Skandal um die massenhafte Verschreibung opioidhaltiger Schmerzmittel haben im Bundesstaat New York nun die drei größten Arzneimittelhändler des Landes einem milliardenschweren Vergleich zugestimmt. Wie Generalstaatsanwältin Letitia James am Dienstag mitteilte, willigten die Unternehmen McKesson, Cardinal Health und Amerisource Bergen in die Zahlung einer Summe von insgesamt 1,18 Milliarden Dollar ein.

US-Medienberichten zufolge steht außerdem eine noch weitaus umfangreichere Einigung zwischen den drei Großhändlern sowie dem Pharmariesen Johnson & Johnson mit einer Reihe weiterer Bundesstaaten und örtlichen Behörden kurz bevor. Dieser Vergleich, zu dem es bereits seit 2019 Verhandlungen gibt, könnte sich auf eine Summe von 26 Milliarden Dollar belaufen, berichtete die »New York Times« unter Berufung auf anonyme Quellen.

Freikauf aus Geschworenenprozess

Die Opioid-Krise habe mehr als zwei Jahrzehnte lang verheerende Schäden über zahlreiche Orte sowohl in New York als auch im Rest des Landes gebracht, erklärte Generalstaatsanwältin James anlässlich der Einigung für ihren Bundesstaat. Dabei seien »Hunderttausende unserer Freunde und Familienmitglieder getötet« und »Millionen weitere abhängig gemacht« worden.

Mit dem Geld von McKesson, Cardinal Health und Amerisource Berge sollen demnach unter anderem Behandlung und Präventionsmaßnahmen finanziert werden. Zugleich erlaubt der Vergleich den drei Unternehmen den Rückzug aus einem in New York gegen sie laufenden Geschworenenprozess.

Beispielloses Elend

Angesichts der Folgen der Opioid-Krise kommen die beteiligten Unternehmen allerdings noch vergleichsweise glimpflich davon. Denn Experten sehen den direkten Zusammenhang mit der übermäßigen Verschreibung von Schmerzmitteln wie Oxycontin als erwiesen an, die zu mehr als 500.000 Todesfällen seit Ende der Neunzigerjahre geführt hat. Bis Mitte der Neunzigerjahre waren diese Arzneien noch der Behandlung von Schwerstkranken vorbehalten.

Den Herstellern sowie US-Apotheken wird vorgeworfen, die Mittel trotz großer Suchtgefahr massiv beworben und auch alle Warnzeichen ignoriert zu haben. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC von vergangenem Mittwoch starben allein im Coronajahr 2020 mehr als 93.000 Menschen in den USA an einer Drogen-Überdosis, knapp 70.000 davon an Opioiden. Eine noch viel größere Zahl erlitt durch die Abhängigkeit einen dramatischen wirtschaftlichen und sozialen Absturz. Ganze Familien wurden zerstört. Die Nachwirkungen für die mittelbar betroffenen Kinder sind noch gar nicht abzusehen.

mik/AFP
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