Ratingagentur Moody's senkt Kreditwürdigkeit der Türkei

Die US-Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau herabgestuft. Die Finanzen des Landes hätten sich angesichts der politischen Turbulenzen verschlechtert, so die Einschätzung.

Türkischer Präsident Recep Erdogan
REUTERS

Türkischer Präsident Recep Erdogan


Der türkische Präsident Recep Erdogan ist bekannt für seine Geringschätzung von Ratingagenturen. Erst im Sommer warf er ihnen "Türkeifeindlichkeit" vor, weil sie Ankaras Kreditwürdigkeit schlecht einschätzten.

Jetzt gibt es erneut Grund für Unmut, denn die US-Ratingagentur Moody's hat am Freitag die Bonitätsnote des Landes um eine Stufe auf Ba1 gesenkt. Das bedeutet, dass die Türkei aus dem Investment-Bereich in den sogenannten Ramschbereich hineinrutscht.

Einer der Gründe laut Moody's: Die Reaktion der türkischen Regierung auf den Umsturzversuch behindere Reformen und Rechtsstaatlichkeit. Seit dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli geht die Regierung mit großer Härte gegen vermeintliche Gegner vor. Zehntausende Menschen wurden festgenommen, ihrer Posten enthoben oder versetzt. Zudem startete die Türkei Ende August eine Militäroffensive in Syrien, die gegen die IS-Miliz sowie gegen die Kurden gerichtet ist.

Zwar scheine die Türkei den Putschversuch in finanzieller Hinsicht gut überstanden zu haben, so die Einschätzung der Ratingagentur. Die Gefahr einer Zahlungsbilanzkrise sei aber wegen des erhöhten Finanzierungsbedarfs, höherer innenpolitischer Risiken und der anhaltenden geopolitischen Bedrohungen gestiegen.

Die Türkei bewege sich "in einem fragilen finanziellen und geopolitischen Umfeld", so Moody's weiter. Ihre "äußere Verletzbarkeit" habe zugenommen, sowohl in den vergangenen zwei Jahren als auch in jüngster Zeit wegen unvorhersehbarer politischer Entwicklungen.

Moody's verwies auch auf den starken Rückgang der Tourismuseinnahmen infolge eines russischen Embargos und zunehmender Anschläge in der Türkei. Dies habe die Zahlungsbilanz geschwächt. Der Tourismus macht 4,4 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes aus.

Für die Jahre 2016 bis 2019 erwarte man für die Türkei ein durchschnittliches Wachstum von 2,7 Prozent. Das liege deutlich unter den 5,5 Prozent, mit denen die türkische Wirtschaft im Schnitt zwischen 2010 und 2014 gewachsen sei.

Gleichzeitig seien die Auslandsschulden von Regierung, Unternehmen und Bankensektor gestiegen, in diesem Jahr seien noch Zahlungen in Höhe von rund 159 Milliarden Dollar fällig, erklärte Moody's weiter. Diesem hohen Finanzierungsbedarf stünden plötzliche Schwankungen des Vertrauens der Investoren gegenüber, das in den vergangenen 18 Monaten "schwach und unbeständig" gewesen sei. So gebe es nach dem türkischen Vorgehen gegen Privatfirmen, die Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fettullah Gülen hätten, zunehmende Sorgen mit Blick auf den Schutz privater Investments.

Fläche: 783.562 km²

Bevölkerung: 77,696 Mio.

Hauptstadt: Ankara

Staatsoberhaupt:
Recep Tayyip Erdogan

Regierungschef: Binali Yildirim

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ala/dpa/AP

insgesamt 139 Beiträge
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Seite 1
solapgir 24.09.2016
1. Gleich zu Beginn des
Artikels eine persönliche Verurteilung des Präsidenten obwohl auch hierzulande der deutsche Finanzminister sich gegen eine Vormachtstellung der Amerikaner gewehrt hat in dem er für eine europäische ratingagentur geworben hat !
vantast64 24.09.2016
2. Moody hat Recht,
in dem politischen Klima der Türkei können sich keine geistigen Fortschritte entwickeln, die Angst vor der Macht des Diktators und seiner Paladine und Unterstützer lähmt das Land. Es geht, wie in Rußland, nur noch abwärts.
frank57 24.09.2016
3. Diese Agenturen
sind unter anderem eines der größten Übel unserer Zeit!
erntehelfer53 24.09.2016
4. Ganz im Gegenteil....
Zitat von frank57sind unter anderem eines der größten Übel unserer Zeit!
.... sie geben Orientierung und sind unverzichtbar!
m.m.s. 24.09.2016
5. Diese Agenturen :-)
...sind das größte Übel aller Zeiten, weil nur sie für den wirtschaftlichen, politischen und rechtsstaatlichen Niedergang des Landes verantwortlich sind :-) . Ihre Aufgabe ist keinesfalls die Beurteilung einer Situation, nein, sie steuern alles von außen :-) . Ein Millionenheer von Agenten steuert das :-) . Das kostet Milliarden :-) . Alles finanziert von --- wem? Also, spätestens hier müßte der Verstand wieder einsetzen.
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