Kampf gegen Inflation US-Regierung knöpft sich Trumps Anti-China-Zölle vor

Mit Zöllen wollte Donald Trump den Rivalen China im Zaum halten. Doch angesichts der hohen Inflation in den USA schaut sich Finanzministerin Yellen nun einige Abgaben genauer an. Der Grund: Sie sieht eher Schaden als Nutzen.
US-Finanzministerin Janet Yellen: Zölle ohne strategischen Sinn

US-Finanzministerin Janet Yellen: Zölle ohne strategischen Sinn

Foto: MICHAEL REYNOLDS / EPA

US-Präsident Joe Biden steht vor einem Problem, das viele Regierungschefs derzeit haben: Die Teuerung droht aus dem Ruder zu laufen. Notenbanken weltweit versuchen mit Zinserhöhungen gegenzusteuern und auch die Regierungen suchen nach Wegen, um die Verbraucher zu entlasten.

US-Finanzministerin Janet Yellen hat nun bekräftigt, dass im Kampf gegen die Inflation auch einige unter Donald Trump eingeführte Zölle für Waren oder Dienstleistungen aus China zur Disposition stehen.

»Wir verstehen alle, dass China eine Reihe unfairer Handelspraktiken betreibt«, sagte Yellen dem Sender ABC News. »Es ist wichtig, darauf zu reagieren. Aber von den Zöllen, die wir geerbt haben, haben einige keinen strategischen Sinn und erhöhen die Kosten für Verbraucher.«

Biden überprüfe deshalb die Zollpolitik gegenüber China als Möglichkeit zur Senkung der Inflation. Welche Abgaben konkret betroffen sein könnten, sagte die Ministerin nicht.

Biden hat bereits über Erwägungen gesprochen, einige der milliardenschwere Zölle aufzuheben, die sein Vorgänger Trump 2018 und 2019 inmitten eines erbitterten Handelskriegs zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt auf chinesische Waren verhängt hatte.

Die Biden-Regierung und auch Wirtschaftsexperten treibt die Sorge um, dass die Vereinigten Staaten als größte Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession abrutschen  könnten.

Finanzministerin Yellen hält ein solches Szenario nicht für zwangsläufig. Sie verwies auf die positiven Faktoren: »Der Arbeitsmarkt ist sehr stark, wahrscheinlich der stärkste in der Nachkriegszeit«, sagte sie.

Yellen fügte jedoch hinzu, dass sie mit einer Verlangsamung der Wirtschaft rechne und räumte ein, dass die Inflation »inakzeptabel hoch« sei. Es brauche »Geschick und Glück«, um die Inflation zu senken und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten. »Ich glaube, dass es möglich ist«, sagte sie.

Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins zuletzt um 0,75 Prozentpunkte erhöht , so stark wie zuletzt 1994. Im Mai sind die US-Verbraucherpreise mit einer Rate von 8,6 Prozent und damit erneut dramatisch gestiegen.

Wie auch in Deutschland müssen US-Verbraucher derzeit deutlich mehr Geld fürs Tanken ausgeben. Yellen schloss deshalb auch eine bundesweite Aussetzung der Benzinsteuer nicht aus.

mmq/Reuters/AP
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