Nach Schuldspruch vor Gericht US-Regierung will Apples E-Book-Geschäfte erschweren

Apple drohen erhebliche Einschränkungen im Geschäft mit elektronischen Büchern. Nachdem der Konzern vor Gericht wegen illegaler Preisabsprachen schuldig gesprochen wurde, hat das US-Justizministerium nun weitere Regulierungsvorschläge vorgelegt.

Apple-Store in New York: Harte Auflagen drohen
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Apple-Store in New York: Harte Auflagen drohen


New York - Anfang Juli wurde Apple wegen illegaler Preisabsprachen bei elektronischen Büchern schuldiggesprochen - nun legt das US-Justizministerium nach: Der Konzern soll seine Geschäfte mit fünf Verlagshäusern beenden.

In einem Vorschlag des US-Justizministeriums hieß es am Freitag, der US-Konzern solle fünf Jahre keine neuen Verträge über den Vertrieb von E-Books oder andere digitale Inhalte abschließen, die den Wettbewerb einschränken könnten. Gleichzeitig solle Apple es seinen Konkurrenten zwei Jahre lang ermöglichen, Bücher über iPhone- und iPad-Apps zu verkaufen.

Ein unabhängiger, aber von Apple bezahlter Kontrolleur solle über die Einhaltung der Anweisung wachen, erklärte das Ministerium. Ein Bundesrichter muss dem Vorschlag des Justizministeriums noch zustimmen.

Apple war Anfang Juli von einem New Yorker Bezirksgericht schuldiggesprochen worden, das Strafmaß war zunächst offen geblieben. Dem Konzern war vorgeworfen worden, Ende 2009 und Anfang 2010 vor der Markteinführung des iPad-Tablets mit fünf großen Verlagen Verträge für elektronische Bücher abgeschlossen zu haben, die zu Lasten der Verbraucher gingen.

Damals wurde der E-Book-Markt vom Online-Händler Amazon Chart zeigen beherrscht, der Bestseller für seine Kindle-Lesegeräte zum Missfallen der Verlage deutlich günstiger verkaufte als die gedruckten Exemplare in Buchläden.

Während Amazon selbst die Preise setzte, bot Apple den Verlagen Verträge mit einer Preisbindung an. Bei diesem Modell konnten die Verleger die Preise bestimmen, im Gegenzug erhielt Apple eine Kommission von 30 Prozent. Anschließend setzten die Verlage auch bei Amazon und anderen E-Book-Anbietern eine Preiserhöhung durch.

Die fünf Verlage Hachette, HarperCollins, Simon and Schuster, Penguin und Macmillan hatten sich zu millionenschweren Vergleichen bereiterklärt. Apple ließ es dagegen auf ein Gerichtsverfahren ankommen - und verlor.

stk/AFP



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Steve Holmes 02.08.2013
1. Eine gute Nachricht für die Verbraucher
Jetzt kann man nur hoffen, dass auch in Deutschland die Buchpreisbindung für e-Books bald fällt. Es ist schwer zu begreifen warum eine Datei soviel kosten soll wie ein gedrucktes Buch dass man körperlich herstellen und verschicken muss.
rolfmueller 02.08.2013
2. Ohne Preisbindung nicht billigere, sondern weniger Bücher
Wenn die Buchpreisbindung fällt, wird es künftig neben ein paar Bestseller-Romanen vor allem Dieter Bohlen-Machwerke und Fußballer-Biografien geben, weil die Verlage keine Luft mehr haben, durch Mischkalkulation auch anspruchsvollere Literatur zu finanzieren. Ob die Bücher nun auf Papier oder als Datei existieren, spielt keine Rolle, es geht um den Inhalt. Und Preisbindung heißt nicht teuer, sondern nur gleiche Preise für alle, die können auch gering sein.
Akkon 02.08.2013
3.
Zitat von rolfmuellerWenn die Buchpreisbindung fällt, wird es künftig neben ein paar Bestseller-Romanen vor allem Dieter Bohlen-Machwerke und Fußballer-Biografien geben, weil die Verlage keine Luft mehr haben, durch Mischkalkulation auch anspruchsvollere Literatur zu finanzieren. Ob die Bücher nun auf Papier oder als Datei existieren, spielt keine Rolle, es geht um den Inhalt. Und Preisbindung heißt nicht teuer, sondern nur gleiche Preise für alle, die können auch gering sein.
Und wenn wir keine PKW von BMW mit Basis-Ausstattung zum Luxusausstattungs-Preis kaufen, können die keine Carbon-Fahrzeuge mehr bauen - oder wie jetzt? [QUOTE=rolfmueller;13385250]Ob die Bücher nun auf Papier oder als Datei existieren, spielt keine Rolle, es geht um den Inhalt./QUOTE] ...fahren können beide Autos, die paar Unterschiede in der Ausstattung... Es mag ja durchaus sein, dass es bezüglich des Inhaltes von Papier- und elektronischen Büchern keinen Unterschied gibt, aber das Drumherum unterscheidet sich eben deutlich - versuchen Sie zum Beispiel mal, ein E-Book von einem der großen Anbieter weiterzuverkaufen, was mit Papier-Büchern bekanntermaßen problemlos funktioniert. Bei E-Books erwirbt man eben das Recht, das Buch zu lesen - während man beim Papierbuch für ein praktisch allumfassendes Eigentumsrecht bezahlt, man kann damit nahezu alles anstellen, was man möchte - warum sollten dann die Preise gleich (hoch) sein müssen, wenn sich das Nutzungsrecht doch so deutlich unterscheidet? Natürlich können die Verlage gern drauf bestehen, dass ein E-Book exakt das selbe kosten muss wie die Papier-Version, sie sollten dann allerdings auch mal einen kurzen Blick auf die Entwicklung in der Musikindustrie werfen, die ebenfalls lange meinte, die Gegebenheiten der digitalen Welt ignorieren zu können...
Steve Holmes 02.08.2013
4.
Zitat von rolfmuellerWenn die Buchpreisbindung fällt, wird es künftig neben ein paar Bestseller-Romanen vor allem Dieter Bohlen-Machwerke und Fußballer-Biografien geben, weil die Verlage keine Luft mehr haben, durch Mischkalkulation auch anspruchsvollere Literatur zu finanzieren. Ob die Bücher nun auf Papier oder als Datei existieren, spielt keine Rolle, es geht um den Inhalt. Und Preisbindung heißt nicht teuer, sondern nur gleiche Preise für alle, die können auch gering sein.
Ein e-Book verursacht keine Kosten. Jeder kann es selbst herausbringen. Man braucht keinen Verlag und keinen stationären Buchhandel mehr. Das sind aussterbende Geschäftsmodelle. Heute war ich in einer Buchhandlung. Meine Tochter ließt noch auf Papier und hat mich gebeten ihr ein Buch mitzubringen. Das gewünschte Buch war nicht auf Lager und man bot mir an es für mich zu bestellen. Was soll der Quatsch? Ich hab ein iPhone in der Tasche. Bis der Buchhändler meine Daten notiert hat, habe ich es mit wenigen Klicks selber schneller bestellt. Die Buchpreisbindung ist ein Anachronismus, genau so wie gedruckte Bücher. Ich hoffe, nicht zuletzt für die Umwelt, das beides bald verschwindet.
Yogial 03.08.2013
5. Frage der Definition
Zitat von rolfmuellerWenn die Buchpreisbindung fällt, wird es künftig neben ein paar Bestseller-Romanen vor allem Dieter Bohlen-Machwerke und Fußballer-Biografien geben, weil die Verlage keine Luft mehr haben, durch Mischkalkulation auch anspruchsvollere Literatur zu finanzieren. Ob die Bücher nun auf Papier oder als Datei existieren, spielt keine Rolle, es geht um den Inhalt. Und Preisbindung heißt nicht teuer, sondern nur gleiche Preise für alle, die können auch gering sein.
...und wer definiert was anspruchsvolle Literatur ist? Anspruchsvolle Literatur hat es über Jahrhunderte bzw. sogar über Jahrtausende gegeben, auch ohne Buchpreisbindung oder? Wenn ich mir heute häufig gerade im deutschsprachigen Sprachraum die sogenannte anspruchsvolle Literatur anschaue, die häufig nur eitle Nabelschau im Elfenbeinturm ist, dann kann ich darauf gut verzichten, da langweilig und gesellschaftlich wenig relevant. Da sich Qualität doch angeblich immer durchsetzt, sollte es doch gerade im Zeitalter der Kommunikation andere Möglichkeiten geben, "anspruchsvolle Literatur" zu verbreiten. Warum also subventionieren?
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