US-Schuldenkrise Volkswirte erwarten Verlust von "AAA"-Rating

Die wirtschaftliche Lage der USA verunsichert die Bürger: Mehr als 80 Prozent fürchten ein Scheitern der Verhandlungen - Republikaner und Demokraten kommen einfach nicht zu einer Einigung im Schuldenstreit. Volkswirte sagen: Egal was passiert, mit der Top-Bonität ist es ohnehin vorbei.


Washington - Ganz gleich, ob die zerstrittenen politischen Lager in den USA sich in der Schuldenkrise rechtzeitig einigen können oder nicht - nach Einschätzung von Volkswirten könnten die Vereinigten Staaten so oder so ihre Top-Bonitätsnote "AAA" einbüßen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Seit 1917 haben die USA dieses Rating ohne Unterbrechung.

Unter dem Eindruck des zunehmend erbittert geführten Schuldenstreits gaben 30 von 53 Wirtschaftsexperten an, mindestens eine der drei großen Ratingagenturen werde der weltgrößten Volkswirtschaft die "AAA"-Note entziehen. "Wir glauben zwar, dass sich der Kongress um fünf vor Zwölf einigt, allerdings steigt das Risiko eines Scheiterns jeden Tag", sagte Guy LeBas von Janney Capital Markets. "Deshalb ist die Chance für eine Abstufung höher als für eine Beibehaltung des Ratings."

Die Mehrheit (38 von 54 Befragten) gab an, das politische Gerangel habe der US-Wirtschaft bereits geschadet. Eine hohe Arbeitslosenquote belastet die Konjunktur zusätzlich. Der Wertpapier- und Investmentverband Sifma rechnete vor, eine Herunterstufung auf die Note "AA" könnte die Zinsen für die USA im Durchschnitt um 60 bis 70 Basispunkte erhöhen - und damit die Refinanzierungskosten pro Jahr um rund 100 Milliarden Dollar in die Höhe schnellen lassen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zahlungsunfähigkeit in der kommenden Woche sei aber "praktisch nicht vorhanden", weil das Finanzministerium noch über Vermögenswerte verfüge, um Verpflichtungen nachzukommen.

Republikaner und Demokraten ringen seit Wochen um eine Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar. Gelingt keine Einigung, können die USA vom kommenden Dienstag an möglicherweise ihre Rechnungen, die Gehälter der Staatsbediensteten und die Renten nicht mehr bezahlen. Bei einer vorübergehenden Zahlungsunfähigkeit der größten Volkswirtschaft der Welt drohen Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten, die USA könnten erneut in die Rezession rutschen.

Amerikaner favorisieren Obamas Vorschlag

Gespräche von Präsident Barack Obama mit Republikanern, die das Repräsentantenhaus dominieren, und der demokratischen Mehrheit im Senat blieben bisher ohne Einigung. Obama hat bereits vor der geplanten Abstimmung über einen Gesetzesentwurf der Republikaner zur Lösung der Haushaltskrise sein Veto angekündigt. Das Weiße Haus kritisierte am Dienstag vor allem, dass die Initiative eine zweite Abstimmung vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr vorsieht.

Die Bevölkerung steht einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Ipsos und Reuters auf Seiten der Demokraten. Demnach befürworten 56 Prozent der Befragten die von Obama vorgeschlagene Kombination aus Steuererhöhungen und Kürzungen bei staatlichen Programmen zur Reduzierung des Rekorddefizits. Der aktuelle Entwurf der Republikaner sieht die Anhebung der Schuldenobergrenze um eine Billion Dollar sowie zusätzlich Ausgabenkürzungen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar vor. Ein Drittel der Befragten wirft der Partei vor, mit Ideen wie dieser eine Lösung zu verhindern.

83 Prozent der Befragten sagten, sie machten sich Sorgen, dass die Gespräche zwischen beiden Seiten scheitern könnten. Sollte es dazu kommen, sind die USA ab dem 2. August zahlungsunfähig - so jedenfalls die offizielle Angabe. Laut der US-Beratungsfirma Wrightson ICAP allerdings gibt es eine Schonfrist bis zum 15. August. Dies sei das "kritische Datum" für eine mögliche Zahlungsunfähigkeit. Analysten des Bankhauses Barclays nennen den 10. August, das Weiße Haus hält am 2. August als Stichtag fest.

can/Reuters/AFP



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hopalonghorus 26.07.2011
1. War ja zu erwarten.
Also: erstens: ohne die Staatsanleihen im allgemeinen und den Staatsanleihen der USA im besonderen fände das Kapital gar nicht genug Anlagemöglichkeiten. zweitens: eine Staatsanleihe ist eine Steuervermeidung für Reiche. Denn: man kann den Staat auch ohne Schulden finanzieren. Mit Steuern. drittens: die USA haben keine Schuldenkrise. Das Kapital steht doch Schlange sein Geld in Staatsanleihen der USA anzulegen. Es geht momentan doch nur um eine Schuldenobergrenze. viertens: das Rating der Agenturen hat einen direkten Effekt auf die zu zahlenden Zinsen nichts anderes! Und das Kapital würde halt gerne mehr Zinsen von den USA sehen.
waldgeist, 26.07.2011
2. .
Zitat von sysopDie wirtschaftliche Lage der USA verunsichert die Bürger: Mehr als 80 Prozent fürchten ein Scheitern der Verhandlungen - Republikaner und Demokraten kommen einfach nicht zu einer Einigung im Schuldenstreit. Volkswirte sagen: Egal was passiert, mit*der*Top-Bonität*ist es ohnehin vorbei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,776819,00.html
Ein Wunder, dass die Bonität der USA noch nicht auf "Ramsch"-Ebene verbucht wird. Triple-A ist auf jeden Fall ein Witz, bei dieser Situation.
karmamarga 26.07.2011
3. Wo ist das Problem
Zitat von sysopDie wirtschaftliche Lage der USA verunsichert die Bürger: Mehr als 80 Prozent fürchten ein Scheitern der Verhandlungen - Republikaner und Demokraten kommen einfach nicht zu einer Einigung im Schuldenstreit. Volkswirte sagen: Egal was passiert, mit*der*Top-Bonität*ist es ohnehin vorbei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,776819,00.html
Man lässt den Dollar so weit runter, dass aus dem Ratingzinsverlust ein Gewinn wird.
otto huebner 27.07.2011
4. das gibt es nur fuer die usa ...........
Zitat von sysopDie wirtschaftliche Lage der USA verunsichert die Bürger: Mehr als 80 Prozent fürchten ein Scheitern der Verhandlungen - Republikaner und Demokraten kommen einfach nicht zu einer Einigung im Schuldenstreit. Volkswirte sagen: Egal was passiert, mit*der*Top-Bonität*ist es ohnehin vorbei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,776819,00.html
pleite mit einem rating von AA. wenn es ueberhaupt dazu kommt.
Dreirund 27.07.2011
5. Usa
Zitat von sysopDie wirtschaftliche Lage der USA verunsichert die Bürger: Mehr als 80 Prozent fürchten ein Scheitern der Verhandlungen - Republikaner und Demokraten kommen einfach nicht zu einer Einigung im Schuldenstreit. Volkswirte sagen: Egal was passiert, mit*der*Top-Bonität*ist es ohnehin vorbei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,776819,00.html
Welch neue Erkenntnis, viel wichtiger ist doch, schaffen wir es unseren Arsch von der Titanic zu bekommen oder nicht. Ich verspüre wenig Lust, wegen ein paaar engaierten USA Deppen die Zeche zahlen zu müssen. Ala BMW, Daimler, wir haben aber Werke in den USA, wer hilft. Keiner, hättest schon lange zumachen können. Ich habe immer noch den superschlauen Maxwell Chef, Pooth oder so ähnlich, der von Talkshow zu Talkshow lief und den deutschen Auslagerungen in "Fernost" als alternativlos erklärte. Diesselben Trottel erwarte ich nach einem finaziellen Ableben in den USA. Keine Hilfe, dass hätten die schon Jahrzehnte wissen müssen!
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