US-Starökonom Paul Krugman befürwortet Sanktionen gegen Deutschland

Paul Krugman provoziert gern. Doch dieses Mal teilt er richtig aus: Der US-Starökonom sieht in Bundesbankpräsident Weber ein "Risiko für den Euro", sollte der Deutsche neuer EZB-Chef werden. Und der Bundesrepublik droht der Nobelpreisträger gleich noch mit Sanktionen. Der Grund: zu hohe Exporte.

US-Starökonom Krugman: Warnung vor einer Rezession
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US-Starökonom Krugman: Warnung vor einer Rezession


Düsseldorf - Diese Worte sind alles andere als eine Empfehlung für Axel Weber: Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman hat den Bundesbank-Chef scharf angegriffen. Weber sei "ein Risiko für das Schicksal des Euro", sollte er im kommenden Jahr Jean-Claude Trichet als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) beerben. Das sagte der renommierte US-Ökonom dem Handelsblatt.

Krugman, der für klare Worte bekannt ist, begründet seine Meinung mit der harten Haltung Webers in der Euro-Schuldenkrise. "Die Gefahr, dass es zu einem Dominoeffekt von Griechenland über Spanien und Portugal bis nach Italien kommt, ist viel größer, wenn die EZB einen so konservativen Präsidenten hat. Das wäre ein Desaster für alle."

Weber läuft derzeit Sturm gegen die Entscheidung des EZB-Rats von Anfang Mai, Staatsanleihen von Problemländern wie Griechenland zu kaufen. Er sieht im Vorgehen der Notenbank erhebliche "stabilitätspolitische Risiken", konnte sich aber bei der entscheidenden Abstimmung nicht gegen Notenbankchef Trichet durchsetzen. Weber gilt neben dem Chef der italienischen Zentralbank, Mario Draghi, als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Trichet, dessen achtjährige Amtszeit im Herbst 2011 endet.

Krugman warnte in dem Interview zudem vor einem Rückfall in die Rezession. Die Welt brauche im Moment nicht weniger, sondern mehr schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme, lautet sein Credo. "Die Deutschen und Franzosen hassen es, auch nur kurzfristig Defizite hinzunehmen, sie hassen eine lockere Geldpolitik, klammern sich an jeden Vorwand, um dagegen zu sein. Wir Amerikaner sehen das ganz anders", sagte Krugman.

Der Princeton-Professor will auch Sanktionen gegen Deutschland nicht ausschließen, wenn die Bundesregierung weiterhin versuchen sollte, sich über einen schwachen Euro Exportvorteile zu verschaffen. "Wenn der Euro auf eine Parität zum Dollar fällt, werden sich die Europäer noch wundern, welche Forderungen aus dem US-Kongress kommen. Und ich würde das unterstützen", drohte Krugman. Die USA würden es nicht dulden, dass einige Länder ihre Sparpolitik exportierten und damit in den USA die Arbeitslosigkeit erhöhten.

böl/Reuters/dpa-AFX



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nixkapital 21.06.2010
1. Oh ha...
Zitat von sysopPaul Krugman provoziert gern. Doch dieses Mal teilt er richtig aus: Der US-Starökonom sieht in Bundesbankpräsident Weber ein "Risiko für den Euro", sollte der Deutsche neuer EZB-Chef werden. Und der Bundesrepublik droht der Nobelpreisträger gleich noch mit Sanktionen. Der Grund: zu hohe Exporte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,701943,00.html
Ob das in Berlin verstanden wird?
stanis laus 21.06.2010
2. Spinner? So hiess doch auch einmal ein Nobelpreisträger
"der Bundesrepublik droht der Nobelpreisträger gleich noch mit Sanktionen." Seine Sanktion: er wird Deutschland nicht besuchen. Das geht den 7 Mrd. Menschen der Welt aber sowas am Rücken vorbei.
inci 21.06.2010
3. oooo
da wird aber heulen- und zähneklappern bei deutschlands eliten ausbrechen........... die meisten haben gar nicht mehr genug personal, daß sie gewinneffizient reduzieren können.
kabian 21.06.2010
4. Wieder mal ein Amerikaner
Die USA wissen schon wie Sie ihre eigene Wirtschaft schützen können. Sind wir immer noch die "Freunde unseres großen Bruders"? Oder dürfen wir endlich selbständig, frei und unabhängig für die Bedürfnisse eines einigen Europas kämpfen?
rkinfo 21.06.2010
5. Fern der Realität ...
Zitat von sysopPaul Krugman provoziert gern. Doch dieses Mal teilt er richtig aus: Der US-Starökonom sieht in Bundesbankpräsident Weber ein "Risiko für den Euro", sollte der Deutsche neuer EZB-Chef werden. Und der Bundesrepublik droht der Nobelpreisträger gleich noch mit Sanktionen. Der Grund: zu hohe Exporte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,701943,00.html
Wenn wir heute nach China teure Autos exportieren dann ist dies sinnvoller als sich zu verschulden. Die USA leben vom privaten Konsum und einer Volkwirtschaft die eher Investment als solide Handwerksarbeit im Fokus hat. Und dort gibt es heute viel zuviel Ökonomen incl. Krugmann ... und zu wenige, die wirklich hochwertig arbeiten können. Wie http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a07/anhoerungen/2010/014/Stellungnahmen/29-TAX.pdf zeigt ist Krugmann im eigenen Land auf verlorenen Posten bei einer Finanztransaktionssteuer. Jenes Fehlen ist viel destruktuver als jede ESB-Geldpolitik. Und nachdem die ganze Euro-Rettung eh nur 1:1 eine Banken- und Vermögensrettung repräsentiert (welche einfache Grieche hatte denn davon etwas ?) wird die Sache schon konfus. Solange eine 'Apple' ihre Produkte billig in China fertigt und in die Staaten importiert sollte man über Exportüberschüsse der Deutschen nicht lästern. Hätte US-Manager vor Jahren bei uns regiert würde heute Daimler, BASF und Bosch in Asien fertigen und der Hälfte der Deutschen wäre zu Finanzberatern geworden. Und jeder Klein-Schrebergarten in Frankfurt/Oder wäre mit 100.000€ als Sicherheit für Konsumkredite bei der bank belastet. Unser Exportüberschuß zeigt das Infrastrukturversagen Anderer an. Bei uns wird echte Arbeit noch gewürdigt ... in den USA schon lange nicht mehr.
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