US-Tankflugzeuge Fünf Minuten zu spät - Aus im Rennen um Milliardenauftrag

Es geht um zig Milliarden Dollar - und um fünf Minuten: Die Firma U.S. Aerospace beklagt sich über den Ausschluss vom Bieterverfahren für US-Tankflugzeuge. Die Luftwaffe habe ihrem Boten gezielt eine falsche Wegbeschreibung gegeben.

Tankflugzeug (Computersimulation): Erbitterter Kampf um Jahrhundertauftrag
dpa

Tankflugzeug (Computersimulation): Erbitterter Kampf um Jahrhundertauftrag


New York - Das dritte Angebot für den Milliardenauftrag der US-Luftwaffe für den Bau von Tankflugzeugen ist fünf Minuten nach Ende der Frist eingereicht worden. Schuld daran trage allerdings die Luftwaffe selbst, beklagt der Konzern U.S. Aerospace, der das Angebot gemeinsam mit dem ukrainischen Flugzeugbauer Antonov einreichte. Die beiden Unternehmen waren vom Bieterprozess deshalb ausgeschlossen worden.

"Unser Angebot wurde am 9. Juli 2010 per Hand übergeben", schrieb U.S. Aerospace in einer Eingabe an den Rechnungshof des US-Kongresses. Der Zusteller der Bewerbung habe die Luftwaffenbasis "mehr als eine halbe Stunde vor Ende der Frist um 14 Uhr" erreicht. "Das Personal der Luftwaffe versagte dem Boten zunächst den Eintritt zur Basis und gab ihm dann eine falsche Wegbeschreibung." Auch wenn der Eingangsvermerk 14.05 Uhr ausweise, sei das Angebot "vor Ende der Frist unter Kontrolle der Luftwaffe gewesen", erklärte US Aerospace.

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Der Konzern warf der US-Armee vor, die Verspätung "als Vorwand zu nutzen", das Angebot nicht zu prüfen, "weil sie politische Schwierigkeiten mit unserem osteuropäischen Zulieferer haben". U.S. Aerospace und Antonov hatten erst kurz vor Ende der Ausschreibungsfrist bekannt gegeben, sich um den Milliardenauftrag um 179 Tankflugzeuge bewerben zu wollen. Die Unternehmen setzten dabei darauf, die beiden anderen Bewerber - den europäischen Rüstungskonzern EADS und den US-Flugzeugbauer Boeing - beim Preis unterbieten zu können. Die Teile für die Tankflugzeuge sollten in der Ukraine gefertigt und dann in den USA zusammengebaut werden.

Die 1980 gegründete Gesellschaft U.S. Aerospace liefert ihrer Internetseite zufolge Flugzeugteile an Kunden wie das US-Verteidigungsministerium, die US-Luftwaffe sowie Unternehmen wie Boeing und den US-Rüstungskonzern Lockheed Martin. Der Jahresumsatz des Unternehmens, das bis April noch New Century Companies hieß, betrug im vergangenen Geschäftsjahr 3,7 Millionen Dollar. Unterm Strich verzeichnete der Konzern einen Verlust von knapp 15 Millionen Dollar. An der Börse ist das Unternehmen ein Pennystock - ein Wert, dessen Aktie nur im Centbereich gehandelt wird.

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Die Ausschreibung für den Riesenauftrag ist bereits der dritte Versuch des Pentagon, neue Tankflugzeuge für die US-Streitkräfte zu bestellen. Eine erste Ausschreibung hatte 2003 Boeing gewonnen. Allerdings annullierte die Regierung das Verfahren, nachdem bekannt geworden war, dass eine Pentagon-Mitarbeiterin Boeing mit Informationen über das Konkurrenzangebot von EADS versorgt hatte. In einem zweiten Verfahren setzten sich EADS und Northrop Grumman im Februar 2008 durch. Boeing focht das Vergabeverfahren darauf vor dem Rechnungshof des US-Kongresses jedoch erfolgreich an. Die US-Luftwaffe soll nun bis Mitte November über die Vergabe entscheiden.

fdi/AFP



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Seite 1
ultron 05.08.2010
1. das dass
"Der Jahresumsatz des Unternehmens, dass bis April noch New Century Companies hieß, betrug im vergangenen Geschäftsjahr 3,7 Millionen Dollar. " "das - dass" nochmal überdenken
Beteigueze, 05.08.2010
2. kein titel
---Zitat--- Der *Jahresumsatz* des Unternehmens, dass bis April noch New Century Companies hieß, betrug im vergangenen Geschäftsjahr *3,7 Millionen Dollar*. Unterm Strich verzeichnete der Konzern einen *Verlust von knapp 15 Millionen Dollar* ---Zitatende--- Tja, wer seine Ausschreibungsunterlagen immer so spät abgibt... Im Ernst, ich frage mich, wie lange ein Unternehmen mit solchen Zahlen überleben kann.
sappelkopp 05.08.2010
3. Gibt es das,
Zitat von sysopEs geht um zig Milliarden Dollar - und um fünf Minuten: Die Firma U.S. Aerospace beklagt sich über den Ausschluss vom Bieterverfahren für US-Tankflugzeuge. Die Luftwaffe habe den Boten gezielt eine falsche Wegbeschreibung gegeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,710417,00.html
... dass ich mein Angebot in dem es um Milliarden Dollar geht wirklich erst Minuten vor Bieterschluss abgebe? Selbst Schuld! Irgendwo ist immer die Grenze!
nick999 05.08.2010
4. Späte Abgabe macht Sinn
Da alle annehmen, daß die Details des Angebots an Boing weitergegeben werden, macht die Abgabe in letzter Minute durchaus Sinn,
Hador, 05.08.2010
5. Nein, keinen Titel
Zitat von sappelkopp... dass ich mein Angebot in dem es um Milliarden Dollar geht wirklich erst Minuten vor Bieterschluss abgebe? Selbst Schuld! Irgendwo ist immer die Grenze!
Ob sie es glauben oder nicht, sowas ist durchaus nicht aussergewöhnlich. Oft gibt es dafür strategische Gründe, manchmal ist es aber natürlich auch einfach Dummheit. Letztendlich ists in diesem Fall aber denke ich ohnehin müßig. US Aerospace und Antonov hätten auch bei rechtzeitiger Einreichung keine Chance gehabt diesen Auftrag zu bekommen. Die US Regierung wird einen Teufel tun und einen derart wichtigen Auftrag ins Ausland vergeben und in eine ehemalige Sowjetrepublik schon mal gleich gar nicht.
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