Handelsstreit US-Techkonzerne wollen offenbar weniger in China produzieren

Neue Provokation im Handelsstreit: Laut einem Medienbericht planen zahlreiche US-Techkonzerne, Teile ihrer Produktion aus China zu verlagern.

Notebook-Produktion in China
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Notebook-Produktion in China


Mitten im Handelsstreit planen zahlreiche US-Technologiekonzerne einem Zeitungsbericht zufolge, Teile ihrer Produktion aus China zu verlagern. Laut der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" erwägen etwa die US-Computerhersteller HP und Dell, bis zu 30 Prozent ihrer Notebook-Produktion auf andere Länder aufzuteilen. Microsoft, Google, Amazon, Sony und Nintendo prüfen laut Insidern ebenfalls, Teile ihrer Produktionsstätten für Spielekonsolen und intelligente Lautsprecher aus dem Land zu verlegen. Die Unternehmen waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Die japanische Zeitung hatte bereits im Juni berichtet, Apple lasse seine Hauptzulieferer durchrechnen, was es kosten würde, Produktionskapazitäten nach Südostasien zu verlagern. Der iPhone-Hersteller bereite sich damit offenbar auf eine Umstrukturierung seiner Lieferkette vor.

Jüngst hatte Apple US-Präsident Donald Trump laut einem Bericht des "Wall Street Journal" noch brüskiert, als der Konzern entschied, die Produktion seines Desktop-Computers Mac Pro aus den USA nach China auszulagern.

Sollten nun US-Konzerne tatsächlich Teile ihrer Produktion aus China abziehen, könnte das den Handelskonflikt wieder verschärfen. Auf dem G20-Gipfel in Osaka hatten sich beide Seiten gerade erst darauf geeinigt, wieder zu verhandeln - und der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge auch darauf, auf weitere Exportzölle zu verzichten.

Von einer wirklichen Lösung ist der Handelsstreit zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt noch weit entfernt. Das von Trump kritisierte Defizit im Warenhandel mit China ist im Mai weiter angestiegen. Es vergrößerte um 12,2 Prozent auf 30,2 Milliarden Dollar, teilte das Handelsministerium an diesem Mittwoch mit. Insgesamt weitete sich das US-Defizit im Handel mit dem Ausland um 8,4 Prozent auf 55,5 Milliarden Dollar aus - der höchste Wert binnen fünf Monaten. Trump kritisierte mehrfach, sein Land werde von wichtigen Handelspartnern wie China über den Tisch gezogen.

hej/Reuters



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danmage 03.07.2019
1.
Das hat jetzt eigentlich nicht unbedingt etwas mit dem Handelskrieg von Trump direkt zu tun. "...Die japanische Zeitung hatte bereits im Juni berichtet, Apple lasse seine Hauptzulieferer durchrechnen, was es kosten würde, Produktionskapazitäten nach Südostasien zu verlagern. ..." Denn die Produktionskosten werden auch in China immer höher. Deswegen lassen inzwischen auch einige chinesische Firmen in verschiedenen südostasiatischen Ländern produzieren, wo es noch billiger geht.
Andraax 03.07.2019
2. Trump's Phyrrussiege
Na da hat Trump aber viel für Amerika erreicht, die Produktion geht aus China nach Südostasien. Sollte die nicht nach "Amerika first" gehen?
s.l.bln 03.07.2019
3. Ich bin gespannt...
...wie lange es dauert, bis Trump versucht, seinen Wählern die mögliche Verlagerung der Produktion auf noch preisgünstigere Standorte als Erfolg im Handelskonflikt zu verkaufen. Leider bleibt der Artikel die Motive hinter dieser Verlagerung schuldig.
ayee 03.07.2019
4. Und was ändert sich konkret?
Die Produktion wandert von einem Billiglohnland ins nächste. Für Amerika ändert das nichts. Zudem, die Techkonzerne machen das wahrscheinlich nur, weil China ihnen schon zu teuer geworden ist. Und erreichen wird man damit vor allem, dass China noch mehr bestrebt sein wird, in der Wertschöpfungskette nach oben zu kommen. Und das wird für Amerika einiges ändern.... nicht zum Guten.
udo46 03.07.2019
5.
Dass die Produktionskosten in China nicht auf dem Niveau eines Entwicklungslandes stehen bleiben würden, gehört zum kleinen Einmaleins der BWL und VWL. Nur verliert China dadurch offensichtlich nicht an Attraktivität, weil mittlerweile nämlich der Slogan "made in China" einen recht guten Klang hat, ausser natürlich bei den ausgewiesenen China-Hassern. Auf der anderen Seite haben die USA ihre Schwierigkeiten, ihre Produkte im Ausland an den Mann zu bringen, ausser bei der Rüstung, da sind sie Spitze. Aber das ist auf Dauer sehr ungesund.
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