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28. Januar 2011, 13:05 Uhr

US-Untersuchungsbericht

Hall of Shame der Finanzkrise

Von , New York

Millionen Dokumente wurden gelesen, 700 Zeugen befragt: Nach fast zwei Jahren Arbeit hat die US-Kommission zum Finanzcrash 2008 ihren Abschlussbericht vorgelegt. Beschuldigt werden Ex-Minister Paulson und viele Top-Manager - ein Überblick über das Kabinett der Krisentäter.

Selbst die Deutschen bekommen ihr Fett weg. Genauer gesagt: die Deutsche Bank. Sie sei von 2004 bis 2007 einer der "führenden Beteiligten" am gigantischen Spekulationsgeschäft mit "Collateralized Debt Obligations" (CDO) gewesen - Wertpapiere, die auf US-Hypotheken fußten (siehe Kasten). Die Rechenmodelle dieser "CDO-Maschine" hätten sich jedoch als "tragisch falsch" entpuppt. Die Folge: "CDO's erwiesen sich als einige der verhängnisvollsten Anlagen der Finanzkrise."

Diese und viele andere, vernichtende Worte finden sich im Abschlussbericht der US-Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise (FCIC). Brandneue Erkenntnisse enthält der allerdings nicht, und Demokraten und Republikaner stritten sich bei der Vorlage am Donnerstag so sehr um die Schlussfolgerungen, dass Letztere nicht mal zur Pressekonferenz an der George Washington University erschienen.

Konsequenzen dürfte der Bericht wohl keine haben. Das fürchtet selbst Kommissionschef Phil Angelides: "Einige an der Wall Street und in Washington, die ein Interesse am Status Quo haben, könnten versucht sein, diese Krise aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen." Immerhin übergab die FCIC ihre Erkenntnisse zu einigen Akteuren den Justizbehörden - "wegen potentieller Verletzungen" von Gesetzen und Vorschriften. "Das ist alles, was wir dazu sagen."

Trotzdem lesen sich die 633 Seiten, detailliert recherchiert und mit 2265 Fußnoten versehen, wie ein Krimi, in dem es von Tätern wimmelt (siehe Fotostrecke). Wall Street, Weißes Haus, Ratingagenturen, Notenbank: Der Bericht - der zeitgleich in den US-Buchhandel kam - ist ein Kompendium der Komplizenschaft, das keinen ungeschoren lässt. Resümee: "Diese Krise kam durch menschliche Taten und Tatenlosigkeit zustanden und nicht durch Mutter Natur oder verrückt spielende Computermodelle."

Aus Abermillionen Dokumenten, Interviews mit mehr als 700 Zeugen und 19-tägigen Anhörungen hat die FCIC den Verlauf der Krise rekonstruiert - und mit teils reißerischen Kapitelüberschriften versehen: "Unter unseren Augen", "Schattenbanken", "Der Irrsinn", "Der Zusammenbruch", "Krise und Panik", "Nachbeben". Herausgekommen ist die bisher umfassendste wie packendste Enzyklopädie der Krise und ihrer Ursachen.

Das Kabinett der Krisentäter enthält viele bekannte Namen - aber auch einige Überraschungen.

Alan Greenspan

Als allmächtiger Vorsitzender der Federal Reserve Bank von 1987 bis 2006 säte Alan Greenspan nach Darstellung der FCIC die Saat für die Finanzkrise mit - und ignorierte anschließend die Folgen. "Die Währungspolitik der Federal Reserve sowie Kapitalflüsse aus dem Ausland schufen Konditionen, in denen sich eine Immobilienblase entwickeln konnte", heißt es. Zugleich hätten die Notenbank und andere Aufsichtsorgane "keine nötigen Maßnahmen ergriffen, um die Kreditblase zu reduzieren", sondern diese sogar noch "gefördert".

Hinzu gekommen sei die stetige Deregulierung, die Greenspan mit betrieben habe. Etwa durch den Gramm-Leach-Bliley Act von 1999 - ein unter Bill Clinton erlassenes Gesetz, das die weitere Konsolidierung von Geschäftsbanken, Investmentbanken, Wertpapierhäusern und Versicherungen erleichterte. Das habe die Nichteinmischung der eigentlich verantwortlichen Fed verankert.

Die FCIC demontiert Greenspan mittels seines eigenen Auftritts vor der Kommission: "Die Geschichte beweist, dass die Regulatoren das Timing einer Krise nicht identifizieren können", sagte er im April 2010 aus. Das aber sei falsch: "Jeder auf der Welt wusste, dass es eine Hypothekenblase gab", zitiert die FCIC Richard Breeden, den früheren Vorsitzenden der US-Börsenaufsicht SEC. "Dies war nicht irgendein verstecktes Problem. Es war nicht auf dem Mars oder auf Pluto."

Ben Bernanke

Auch Greenspans Nachfolger Ben Bernanke kommt in dem Bericht schlecht weg. Er hatte die Finanzkrise als "perfect storm" bezeichnet - eine Verkettung unglücklicher Umstände, die keiner habe voraussehen können. Noch im März 2007 - "nachdem die Immobilienpreise schon seit mehr als einem Jahr gefallen waren" - habe Bernanke vor dem Kongress behauptet, die Kreditprobleme ließen sich "wahrscheinlich eindämmen" und würden nicht auf andere Bereiche übergreifen.

Die späte Einsicht der Fed, so die FCIC, habe der Krise nur noch weiteren Auftrieb gegeben. Erst im Juli 2008 habe die US-Zentralbank neue Regeln erlassen, um die Auswüchse auf dem Subprime-Kreditmarkt einzudämmen. Mittlerweile habe aber auch Bernanke selbst eingesehen, dass "die mangelnde Aggressivität der Fed bei der Regulierung des Hypothekenmarkts" eine Hauptursache für das Desaster gewesen sei. "Das war es, in der Tat", sagte er vor der FCIC aus. "Ich halte es für den schwerwiegendsten Fehler der Fed in dieser spezifischen Episode."

Henry Paulson

Henry Paulson war acht Jahre lang Vorstandschef der mächtigsten Wall-Street-Bank Goldman Sachs, als ihn der damalige US-Präsident George W. Bush 2006 zum Finanzminister machte. "Unter Paulsons Führung", schreibt die FCIC, "spielte Goldman Sachs eine zentrale Rolle bei der Erschaffung und dem Verkauf von Hypotheken-Kreditpapieren." Von 2004 bis 2006 habe die Firma Milliarden für Hypothekengeber zur Verfügung gestellt. "Das meiste ging an Subprime-Kreditgeber."

Auch habe Goldman unter Paulson schon 2004 seine erste synthetische CDO in den Verkehr gebracht, genannt Abacus. Dieses verhängnisvolle Kunstprodukt bescherte den Klienten später Millionenverluste - und Goldman selbst schließlich eine hochnotpeinliche Klage der US-Börsenaufsicht SEC, die erst gegen Zahlung einer Summe von mehr als einer halben Milliarde Dollar niedergelegt wurde.

Die FCIC erinnert außerdem daran, dass Henry Paulson persönlich die Folgen seines Tuns mit einem arroganten Jux umschrieben habe: Am Ende seiner Zeit bei Goldman Sachs sei leider "die meiste Zahnpasta schon aus der Tube" gewesen.

Lloyd Blankfein

Auch Lloyd Blankfein, der Paulson im Mai 2006 als Goldman-Sachs-Chef beerbte, spielte die Finanzkrise lange herunter, indem er sie mit einem "Hurrikan" verglich - also mit höherer Gewalt. Dabei profitierte Goldman Sachs selbst während der Krise noch prächtig, wie die FCIC in ihrem Bericht ausführlich und mehrfach beschreibt.

Ende 2006 sei Goldman Sachs so besorgt über die Lage am Subprime-Markt gewesen, dass die Bank begonnen habe, ihr eigenes Inventar abzustoßen. Zugleich aber habe sie die gleichen fragwürdigen Investmentvehikel weiter an Klienten verscherbelt, um Gebühren einzustreichen. Allein von Dezember 2006 bis August 2007 habe Goldman mehr als 25 Milliarden Dollar an riskanten CDO-Produkten bewegt.

Die FCIC zitiert Sylvain Raynes, einen Finanzexperten von der New Yorker Consultingfirma R&R: Goldmans Geschäftspraktiken seien "der zynischste Einsatz von Kreditinformation, den ich je gesehen habe". Es sei, "als kauft man eine Feuerversicherung für das Haus eines anderen und begehe dann Brandstiftung".

Die FCIC erhebt noch eine andere Anschuldigung gegen Blankfein und Goldman Sachs, die in den USA sofort Schlagzeilen produzierte: Goldman habe - bisher unbekannt - 2,9 Milliarden Dollar an Steuergeldern kassiert, welche die US-Regierung eigentlich dem maroden Versicherungskonzern AIG gezahlt habe. Diese Gelder habe AIG an seinen Geschäftspartner Goldman weitergereicht.

Charles Prince

Charles Prince, der damalige Chairman und Vorstandschef des seinerzeit weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup, geistert wie ein böses Phantom durch den Bericht. So habe er den Kollaps des US-Immobilienmarkts als "völlig unerwartet" bezeichnet - obwohl andere Experten längst von einem Crash ausgingen.

Citi habe sich selbst voll ins Subprime- und CDO-Geschäft gestürzt - "mit schlimmen Konsequenzen". Der Moloch habe sich immer mehr aufgeblasen, habe immer mehr kleinere Finanzfirmen geschluckt. Als die Citigroup Associates First kaufte, die zweitgrößte Subprime-Bank der USA, protestierte Martin Eakes, der Gründer der Kommunalsparkasse Self-Help Credit Union: "Es ist einfach inakzeptabel, dass die größte Bank Amerikas die Ikone der räuberischen Kreditvergabe übernimmt."

Das Geschäftsgebahren von Citi sei so dubios gewesen, so die FCIC, dass Prince "mehr als die Hälfte seiner Zeit" damit verbracht hätte, die argwöhnischen Aufsichtsbehörden zu beschwichtigen. Trotzdem habe sein Kollege Robert Rubin - Ex-Finanzminister unter Bill Clinton, Ex-Chef von Goldman Sachs und inzwischen Leiter des Citi-Aufsichtsrats - dazu gedrängt, "noch mehr Risiken einzugehen".

Auch Citi sei sich der Gefahren bewusst gewesen. Ein internes Memo habe schon 2006 die eigenen Praktiken "in Frage gestellt" und vor Interessenskonflikten gewarnt, wenn CDO's nur gehandelt würden, um "Gebühren zu generieren", ohne die Risiken zu beachten. "Das Ergebnis", schreibt die FCIC, "waren so hohe Verluste, dass sie mithalfen, das riesige Finanzkonglomerat bis an den Rande des Scheiterns zu bringen."

Bill Clinton

Die FCIC macht sogar Bill Clinton für die Krise mitverantwortlich. Als Präsident hatte er 1995 eine Initiative gestartet, um auch Käufern mit schlechter Bonität Hauseigentum zu ermöglichen. Dies habe das Fundament gelegt für die spätere Manie auf dem Immobilienmarkt, heißt es in dem Bericht. Das "aggressive Ziel" - Grundbesitz für alle - sei "ein Hauptgrund der Krise" gewesen. Das gelte auch für Clintons Nachfolger George W. Bush. So habe Bush eine neue Initiative angestrengt, wonach Hauskäufer in bestimmten Fällen noch nicht mal eine Anzahlung leisten mussten.

1999 habe Clinton dann den Gramm-Leach-Bliley Act unterzeichnet, der die Konsolidierung von Geschäftsbanken und Investmentbanken förderte. Ein Jahr später sei der Commodity Futures Modernization Act gefolgt, der den Derivative-Markt deregulierte und diese Risiko-Investments "vor so gut wie aller Regulierung und Aufsicht schützte". Der Markt sei explodiert - eine Ouvertüre zur Finanzkrise.

Ralph Cioffi

Ralph Cioffi war ein der breiten Öffentlichkeit kaum bekannter Hedgefondsmanager bei der Investmentbank Bear Stearns. Seine Abteilung Bear Stearns Asset Management (BSAM) "spielte eine prominente Rolle im CDO-Geschäft", schreibt die FCIC. Ende 2006 habe Cioffi CDO's im Wert von mehr als 18 Milliarden Dollar und zwei Hedgefonds im Wert von ebenfalls 18 Milliarden Dollar verwaltet.

BSAM habe bei seinen Investoren unentwegt für die CDO-Holdings geworben: Sie böten "eine Marktchance, da sie komplex seien und deshalb unterbewertet". Cioffi sei zugleich auf "beiden Seiten der Transaktion positioniert" gewesen, um so oder so zu profitieren. Er habe Millionen kassiert, bevor die Hedgefonds Mitte 2007 kollabiert seien. Im selben Jahr habe Cioffi trotzdem noch "mehr als 17,6 Millionen Dollar verdient".

Das Scheitern der BSAM-Fonds sei "ein wichtiges Ereignis zu Anfang der Finanzkrise" gewesen, schreibt die FCIC. Acht Monate später kollabierte Bear Stearns selbst. Cioffi wurde wegen Investorenbetrugs und Insiderhandels angeklagt, im November 2009 aber freigesprochen.

Richard Fuld

Richard Fuld war Vorstandschef der Investmentbank Lehman Brothers - von 1994 bis zu ihrem Untergang im September 2008, dem zweiten großen Paukenschlag der Finanzkrise nach dem Ende von Bear Stearns. Unter Fuld, berichtet die FCIC, habe Lehman im März 2006 eine "aggressive Wachstumsstrategie" eingeschlagen, "inklusive höherer Risiken und mehr Verschuldung". Noch im April 2008 habe er seinen Aktionären versichert: "Das Schlimmste ist hinter uns."

Trotzdem habe Fuld auch nach dem Scheitern von Lehman als Zeuge vor der Kommission darauf bestanden, nichts falsch gemacht zu haben. Stattdessen, so seine Klage, sei Lehman das Opfer gieriger Spekulanten und Gerüchtetreiber gewesen. "Es gab kein Kapitalloch bei Lehman Brothers", zitiert ihn der Bericht. Fed-Chef Bernanke habe dieser Aussage direkt widersprochen.

Der Bericht schildert auch eine dramatische Episode aus den letzten Tagen von Lehman Brothers. Die Verhandlungspartner, die die US-Regierung zu einem Krisenrat versammelt hatte, um Lehman doch noch zu retten, hätten das Vertrauen in Fuld verloren und ihn schließlich nicht mehr eingeweiht. Daraufhin habe er versucht, Ken Lewis, den Chef der Bank of America und einen möglichen Kaufinteressenten für Lehman, zu Hause anzurufen. Dessen Ehefrau habe Fuld jedoch abgewimmelt: Lewis werde nicht ans Telefon kommen, "er solle aufhören, anzurufen".

Warren Buffet

Selbst Investorenlegende Warren Buffett, der drittreichste Mensch der Welt, findet sich in der "Hall of Shame" der Finanzkrise wieder. Seine Investmentgruppe Berkshire Hathaway war bis 2009 der größte Einzelaktionär der Ratingagentur Moody's. Trotzdem habe er nichts über die inneren Vorgänge bei Moody's gewusst - oder sich dafür interessiert. "Ich hatte keine Ahnung", zitiert die FCIC ihn. "Ich bin nie bei Moody's gewesen, ich weiß nicht mal, wo sie ihren Firmensitz haben."

Fannie & Freddie

Den mittlerweile verstaatlichten US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac widmet der FCIC-Bericht weite Strecken. Sie hätten ein "mangelhaftes Geschäftsmodell" gehabt - börsennotierte Unternehmen, doch von der Regierung subventioniert und mit öffentlichem Auftrag. "Über Jahrzehnte hinweg nutzten sie ihre politische Macht, um effektive Regulierung und Aufsicht abzuwehren", schreibt die FCIC. So hätten sie allein von 1999 bis 2008 rund 164 Millionen Dollar für Lobbyarbeit in Washington bezahlt.

Ab 2004 hätten die beiden Firmen versucht, ihre Vormachtstellung auf dem immer heißeren Kreditverbriefungsmarkt zu verteidigen - koste es, was es wolle. "Sie lockerten ihre Underwriting-Standards, erwarben und gewährleisteten riskantere Darlehen und steigerten ihren Ankauf von Wertpapieren", schreibt die FCIC. So hätten sie sich immer mehr an Subprime-Hypotheken gekoppelte Finanzprodukte zugelegt. "Die Resultate sollten für die Unternehmen, ihre Aktionäre und Amerikas Steuerzahler desaströs werden."

Bis Oktober 2010 hat das US-Finanzministerium insgesamt mehr als 151 Milliarden Dollar investiert, um Fannie Mae und Freddie Mac am Leben zu erhalten.

Die Ratingagenturen

Besonderes Augenmerk widmet die FCIC auch den drei großen US-Ratingagenturen Moody's, S&P und Fitch: Sie seien "Schlüsselfiguren" der Krise gewesen. Ohne deren "Gütesiegel" hätte die fatale "CDO-Maschine" nie funktioniert. Die Rechenmodelle für die Bewertung von Hypotheken-Wertpapieren seien teils "frei erfunden" gewesen.

Die Agenturen hätten sich von den Investmentbanken "prächtige Gebühren" zahlen lassen, um im Gegenzug "die erwünschten Ratings" für Produkte auszusprechen, die diese Bewertung nicht verdienten. Bewusst habe zum Beispiel Moody's den dramatischen Verfall des Immobilienmarkts "nicht ausreichend in Betracht gezogen". Erst Ende 2006 habe es ein Modell für den Subprime-Markt entwickelt - habe aber schon zuvor fast 19.000 Subprime-Produkte bewertet. Zwei Jahre später habe die Agentur 73 Prozent ihrer AAA-Ratings für Subprime-Wertpapiere zu "Junk" herabgestuft. "Die Konsequenzen", schreibt die FCIC, "sollten durch die Finanzwelt widerhallen."

AIG

Der Beinahe-Untergang des Versicherungsgiganten AIG war eine Folge der Finanzkrise - aber nicht nur. Das Unternehmen war selbst auch eine Ursache derselben. Die FCIC präzisiert nun die Vorwürfe gegen den globalen Konzern, der 2008 nur dank einer Staatsspritze von insgesamt 182 Milliarden Dollar überlebte und bis heute zu 92,1 Prozent der US-Regierung gehört.

AIG habe ein "enormes Geschäft" mit Credit Default Swaps (CDS) gemacht - virtuelle Versicherungsverträge, mit denen sich die Banken gegen Verluste auf dem Immobilienmarkt absichern konnten. Damit habe das Unternehmen die Spekulationen erst ermöglicht, den nötigen Kapitalbedarf der Banken gesenkt und das Feuer so richtig angeheizt. "Die Gebühren", schreibt die Kommission, "schienen AIG das Risiko wert."

Im Frühjahr 2005 habe AIG sein AAA-Rating verloren. Doch statt sich von seiner Rolle im Subprime-Markt zurückzuziehen, habe es damit bis 2006 weitergemacht.

Deutsche Bank

Neben Goldman Sachs, Merrill Lynch, Citigroup und UBS war die Deutsche Bank dem Bericht zufolge ein Hauptakteur im CDO-Markt - und sei sich dessen Brisanz durchaus bewusst gewesen: "Unser Geschäft war es, Gebühren zu verdienen und sicherzustellen, dass wir irgendwie abgesichert waren, falls der Markt einen Abschwung erlebte", zitiert die FCIC Michael Lamont, damals bei der Deutschen Bank für CDOs verantwortlich und seit 2008 Portfolio-Manager bei der Investmentfirma Seers Capital. Trotzdem, so die FCIC, habe die Deutsche Bank nur "ein kleines Team" für sogenannte Due-Diligence-Prüfungen gehabt.

Was die Sorgfaltspflicht angeht, seien andere Banken freilich noch schlimmer gewesen. So habe der Leiter der Abteilung Due Diligence von Morgan Stanley nicht in New York gesessen, sondern in Boca Raton im sonnigen Florida. "Er hatte zwei bis fünf Leute, die ihm direkt unterstanden - in Wirklichkeit waren sie aber Angestellte eines Personalberaters."

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