Zahlen des Handelsministeriums US-Konjunktur bricht ein

Unerwartet stark schwächelt die US-Wirtschaft zum Jahresbeginn. Das beeinflusst auch die jüngste Entscheidung der Notenbank - die Fed bleibt vorerst bei ihrer Politik des superbilligen Geldes.

Das Gebäude der Federal Reserve in Washington: Der Leitzins bleibt vorerst auf dem Rekordtief
REUTERS

Das Gebäude der Federal Reserve in Washington: Der Leitzins bleibt vorerst auf dem Rekordtief


Das US-Wirtschaftswachstum hat sich zum Jahresbeginn deutlich abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal aufs Jahr gerechnet lediglich um 0,2 Prozent zu, wie das Handelsministerium in Washington in einer ersten Schätzung mitteilte. Das entspricht praktisch einer Stagnation und ist der schwächste Zuwachs seit einem Jahr.

Zum Vergleich: Noch im vierten Quartal 2014 hatte die weltgrößte Volkswirtschaft aufs Jahr gerechnet um 2,2 Prozent zugelegt. Im dritten Quartal lag die Rate gar bei 5 Prozent.

Die neuesten Zahlen wurden nur Stunden vor einer Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) veröffentlicht. Im Anschluss an ihre zweitägige Sitzung in Washington hielten sich die Währungshüter ihre geldpolitischen Optionen weiter offen: Der Leitzins bleibt vorerst auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent. Dort liegt er seit Ende 2008 - konkrete Hinweise auf den Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise blieben ebenfalls aus.

Die Fed knüpfte ihren geldpolitischen Kurs an die Entwicklung der Wirtschaftsdaten. "Die Verlangsamung des Wachstums in den Wintermonaten ist teilweise vorübergehenden Faktoren geschuldet", hieß es im Statement der Notenbanker, das insgesamt etwas positiver ausfiel als beim letzten Mal. Das könnte die Chancen für eine zügige Zinserhöhung heben. Dagegen spricht allerdings, dass der starke Dollar den US-Unternehmen immer stärker zu schaffen macht.

Der Abschwung von Januar bis Ende März fiel deutlich stärker aus als erwartet. Experten hatten mit einer Wachstumsrate von 1,0 Prozent gerechnet. Grund für die schlechte Entwicklung dürften auch das schlechte Wetter und zahlreiche Hafenstreiks sein, meinten Volkswirte. In ersten Reaktionen am Mittwoch gingen die Dax-Werte deutlich zurück, der Euro legte gegenüber dem US-Dollar zu.

Die US-Wachstumszahlen nicht unmittelbar mit europäischen Angaben vergleichbar. In den USA wird auf ein Jahr hochgerechnet. Die Daten geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Tempo ein Jahr lang gehalten würde. In Europa wird auf diese sogenannte Annualisierung verzichtet, die Wachstumsraten fallen dort deshalb geringer aus als in den USA.

brk/dpa

insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
mimas101 29.04.2015
1. Hmm
tourt man durch die USA, z.B. reichen schon 3 Blocks abseits der sündhaft teuren Glitzerstraßen, dann wundert mich nicht das das Wachstum darniederliegt; im Gegenteil, es stellt sich mir die Frage wie die US-Statistikbehörde regelmäßig ein Plus vor die Zahlen zaubern kann. Letzt sah ich einen TV-Bericht, über eine größere Stadt im Herzland der USA. Ein Gönner verteilte da 100.000 US-Dollar zu je 100 US$-Gutscheinen an Passanten (nun ja, USA-typisch fährt jeder ein Auto und geht nicht), es war halt Weihnachtszeit. Wenn man dann sah wie die Leute sich über 100$ freuten die ihnen durchs Fenster ihrer Rostlauben reingesteckt wurden und viele sagte ansonsten fiele Weihnachten ganz flach... Das bestätigt denn auch SPON, der in einem Artikel schrieb das zu Weihnachten die Leute sich dieses Jahr mangels Geld Autoersatzteile schenken.
karljosef 29.04.2015
2. Es kann doch nicht sein,
dass schon wieder eine Blase aus den USA kommt?
marthaimschnee 29.04.2015
3.
Ach was? War aber ein kurzer Aufschwung, oder. Um nicht zu sagen, die Wirtschaft pendelt zwischen Krise und der Hoffnung darauf, daß es morgen besser wird. Andere Zustände gibt es nicht mehr!
Bueckstueck 29.04.2015
4.
Zitat von mimas101tourt man durch die USA, z.B. reichen schon 3 Blocks abseits der sündhaft teuren Glitzerstraßen, dann wundert mich nicht das das Wachstum darniederliegt; im Gegenteil, es stellt sich mir die Frage wie die US-Statistikbehörde regelmäßig ein Plus vor die Zahlen zaubern kann. Letzt sah ich einen TV-Bericht, über eine größere Stadt im Herzland der USA. Ein Gönner verteilte da 100.000 US-Dollar zu je 100 US$-Gutscheinen an Passanten (nun ja, USA-typisch fährt jeder ein Auto und geht nicht), es war halt Weihnachtszeit. Wenn man dann sah wie die Leute sich über 100$ freuten die ihnen durchs Fenster ihrer Rostlauben reingesteckt wurden und viele sagte ansonsten fiele Weihnachten ganz flach... Das bestätigt denn auch SPON, der in einem Artikel schrieb das zu Weihnachten die Leute sich dieses Jahr mangels Geld Autoersatzteile schenken.
30 Millionen an oder unter der Armutsgrenze - deshalb sieht man das. Es leben aber 10 mal mehr Menschen in den USA und das sieht man dann in der Statistik. Denn im Gegensatz zu Europa wird in den USA nicht gross gespart sondern die Kohle gleich ausgegeben sobald sie da ist.
decathlone 29.04.2015
5. Wohlstandsillusion auf Pump finanziert
In den USA wurde der amerikanische Traum vom stetig wachsenden Wohlstand in den letzten drei Jahrzehnten auf Pump am Leben erhalten, weil die Realeinkommen sanken und gleichzeitig die soziale Spaltung immer mehr zunahm. Das führt in immer kürzeren Abständen zu Schuldenkrise. Das Muster findet sich auch anderswo in der Welt.
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