Sorge vor Absturz von Internet und Handys Huawei darf vorerst weiter Geschäfte mit US-Firmen machen

Die US-Regierung lockert ihren harten Kurs gegen Huawei. Der chinesische Konzern darf weiter bei amerikanischen Firmen einkaufen. Gute Nachrichten für Smartphone-Nutzer - zumindest vorläufig.

Laden von Huawei in Peking
Ng Han Guan/AP

Laden von Huawei in Peking


Seit dem vergangenen Freitag steht der chinesische Telekommunikationskonzern Huawei auf einer schwarzen Liste der US-Regierung. Damit ist es Firmen aus den Vereinigten Staaten untersagt, ohne Genehmigung der Regierung Geschäfte mit dem Netzwerkausrüster und Smartphone-Hersteller zu machen. Doch nun haben die USA einige der Einschränkungen für Huawei gelockert - offenbar aus Sorge vor technischen Problemen. Huawei-Technik ist auch in vielen lokalen Mobilfunk-Netzen in den USA installiert.

Das Unternehmen darf nun 90 Tage lang US-Produkte kaufen, um seine bestehenden Netze zu unterhalten und Software-Updates für die existierenden Smartphones bereitzustellen, wie das Handelsministerium mitteilte. Das betrifft auch Nutzer von Huawei-Smartphones.

Mit dem Schritt sollten Telekommunikationsanbieter, die Huawei-Ausrüstung nutzen, Zeit erhalten, andere Vereinbarungen zu treffen, sagte Handelsminister Wilbur Ross: "Um es kurz zu machen, diese Erlaubnis bedeutet, dass die existierenden Smartphones und ländlichen Breitbandnetze weiter funktionieren."

Mit dem Schritt wolle das US-Handelsministerium vermeiden, dass der jüngste Bann unerwünschte Nebenwirkungen habe, sagte der Anwalt und Ex-Ministeriumsmitarbeiter Kevin Wolf. "Damit soll wohl verhindert werden, dass Internet, Computer und Handysysteme zusammenbrechen. Das ist keine Kapitulation, sondern es sind Aufräumarbeiten."

Aktuelle Huawei-Smartphone-Nutzer können zunächst aufatmen

Das Handelsministerium erklärte, es werde untersuchen, ob der Aufschub über 90 Tage hinaus verlängert werde. Er gilt jedoch nicht für neue Produkte: Dafür sind weiterhin Lizenzen nötig.

Der US-Bann betrifft auch Nutzer von Huawei-Smartphones. Wegen der Sanktionen wird Huawei zukünftige Smartphone-Modelle nicht mehr mit vorinstallierten Google -Diensten verkaufen können. Daran ändert auch der nun verkündete Aufschub nichts. Denn für die Verwendung von US-Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung nicht.

Doch für aktuelle Nutzer von Huawei-Smartphones bedeutet der Aufschub, dass Google in den drei Monaten die Telefone weiterhin in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann.

(Lesen Sie hier, was Googles Android-Bann gegen Huawei bedeutet.)

US-Firmen sind von Bann gegen Huawei schwer getroffen

Huawei lehnte zwar eine Stellungnahme zu dem aktuellen Aufschub ab. Huawei-Gründer Ren Zhengfei sagte in chinesischen Staatsmedien jedoch, die US-Regierung unterschätze die Fähigkeiten Huaweis: Kein Unternehmen werde in den kommenden zwei bis drei Jahren bei der 5G-Technologie zu Huawei aufschließen.

Im Handelskrieg mit China hat die US-Regierung auch Huawei im Visier. Von der Entscheidung, das Unternehmen auf eine schwarze Liste zu setzen, werden auch Lieferanten und Kunden von Huawei hart getroffen. Die Börsenkurse von Chip-Lieferanten gaben deutlich nach. Von den 70 Milliarden Dollar, die Huawei 2018 für den Kauf von Teilen ausgegeben hat, gingen etwa elf Milliarden an US-Firmen, darunter Qualcomm, Intel oder Micron.

Ren sagte, das Unternehmen sei in der Lage, seine eigenen Chips zu fertigen: "Wir können die gleichen Chips bauen wie US-Anbieter." Das bedeute jedoch nicht, dass man keine US-Chips mehr kaufen wolle. In "friedlichen Zeiten" komme die Hälfte der von Huawei verbauten Chips aus den USA, die andere Hälfte stelle man selbst her.

Huawei-Chef lobt Google

Auch versprach Ren, dass es durch die US-Sanktionen keine Verzögerungen bei der Auslieferung von Ausrüstung für den superschnellen 5G-Datenfunk geben werde.

Mit Blick auf den Android-Bann sagte der Huawei-Gründer, man sei mit Google im Gespräch über eine Lösung. Google sei ein "gutes Unternehmen", das verantwortungsvoll agiere.

Huawei ist ein führender Ausrüster von Mobilfunknetzen unter anderem in Europa. Der Konzern ist nach Samsung der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt. Apple liegt hinter Huawei auf Platz drei.

Huawei wird von den US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Die USA drängen aber auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den neuen superschnellen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten. Huawei wies die Vorwürfe stets zurück.

mmq/Reuters/dpa-AFX



insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
jujo 21.05.2019
1. .....
Wieviele US Bürger benutzen denn ein Huawei Smartphone? Vielleicht auch der master next god?
sok1950 21.05.2019
2. Wer zum Teufel braucht goggle-Dienste?
Habe bei meinem neuen OnePlus5 Smartphone ca. eine Stunde gebraucht um alle goggle-Dienste zu deinstallieren oder abzuschalten und siehe da: Es funktioniert. Ein Smartphone ohne goggle-Dienste wäre ein Kaufgrund für mich.
alt-nassauer 21.05.2019
3. Ist das die Frage?
Zitat von jujoWieviele US Bürger benutzen denn ein Huawei Smartphone? Vielleicht auch der master next god?
Wenn Huawei kein Zugriff mehr auf "neue" Android-Versionen oder sogar keine Halbleiter aus den USA beziehen kann. Betrifft es Huawei beim Verkauf ihrer Geräte im Rest der Welt. Wir kennen doch den D.T. Spruch und was interessiert es ihn ob man in der EU oder im Rest der Welt Huawei Telefone kauft. Vielleicht in Zukunft ein paar Geräte weniger... Somit hat er doch seinen Willen! Zu dem Huawei dem Big-Player Apple so einige Marktanteile abgenommen hat.
theos001 21.05.2019
4.
Ja, das war abzusehen. Trump und seine Leute haben halt keinen Plan von Lieferketten, sonst hätten sie vorher gewusst das sie ihre Chipindustrie damit verstümmeln. Firmen wie Huawei sind Großkunden. Diese zu ersetzen ist quasi nicht möglich, die Konkurrenz ist hart in der Industrie.....zumal der Marktführer unter den Auftragsfertigern eh TSMC ist - taiwanesisch. Ohne Firmen wie TSMC oder Globalfoundries, wäre jeder Liefertermin für Chipbasierte Elektronik nutzlos. Zurück zum Thema: mal schauen ob Trump demnächst realisiert, das er mit seinen Aktionen gegen Huawei an der Grundlage der digitalen Infrastruktur kratzt. In dem Feld ist alles verknüpft wie ein Spinnennetz
frenchie3 21.05.2019
5. Das es im Netzwerksektor brennen kann
liegt auf der Hand. Aber so ärgerlich wie es für Nutzer der Smartphones ist keine Updates mehr zu bekommen wird die Welt nicht untergehen wenn das unterbleibt.
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