Opioid-Krise US-Justizministerium verklagt Walmart

In der Opioid-Krise starben bisher mehr als 450.000 Menschen nur in den USA. Die US-Regierung greift weiter durch: Walmart soll Schmerzmittel unrechtmäßig verkauft haben. Für den Konzern kommt die Klage nicht überraschend.
Der Walmart-Konzern wird von der US-Regierung verklagt

Der Walmart-Konzern wird von der US-Regierung verklagt

Foto: KAMIL KRZACZYNSKI / REUTERS

Die US-Regierung verklagt den größten amerikanischen Einzelhändler wegen seiner Rolle in der Opioid-Krise. Wie das US-Justizministerium mitteilte, werde Walmart vorgeworfen, süchtig machende Schmerzmittel unrechtmäßig verkauft und damit zur verheerenden Opioid-Epidemie in den USA beigetragen zu haben. Dem Unternehmen drohen demnach Geldstrafen in Milliardenhöhe.

Als eine der größten Apothekenketten und Großhändler für Arzneimittel hätte Walmart die Verantwortung und auch die Mittel gehabt, gegen die Verbreitung solcher Präparate anzugehen, argumentierte das Ministerium. Das Unternehmen habe jedoch das Gegenteil getan – es habe über Jahre in Tausenden Fällen Medikamente trotz ungültiger Rezepte ausgegeben und versäumt, verdächtige Bestellungen den Behörden zu melden.

Walmart hatte bereits Ende Oktober juristische Schritte gegen die US-Regierung eingeleitet, um gerichtlich klären zu lassen, ob Arzneimittelhändler zur Verantwortung gezogen werden können. Damit kam das Unternehmen der Klage der Regierung zuvor. Das Justizministerium drohe Walmart mit einem »vollkommen unberechtigten« Rechtsstreit, teilte das Unternehmen im Oktober mit.

Mitarbeiter hätten nur Pflicht erfüllt

Das Unternehmen argumentierte, dass Mitarbeiter nur ihre Pflicht erfüllt und Arzneimittel angeboten hätten, die Kunden von Ärzten mit Zulassung der US-Behörden verschrieben worden seien. »Wir beginnen diesen Rechtsstreit, weil es kein Bundesgesetz gibt, das Apothekern vorschreibt, sich in dem vom Justizministerium geforderten Maße in das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten einzumischen«, hieß es.

Opioide sind zum Teil synthetisch hergestellte Arzneimittel mit unter anderem schmerzlindernden Eigenschaften. Sie bergen jedoch auch enorme Abhängigkeitsrisiken und hohes Missbrauchspotenzial. Nach Zahlen der Gesundheitsbehörde CDC führte die Opioid-Krise in den USA seit der Jahrtausendwende zu mehr als 450.000 Toten.

Walmart zählt zwar nicht zu den Pharmakonzernen, denen häufig eine Hauptschuld an der Misere gegeben wird. Der Konzern steht als großer Medikamentenhändler mit vielen Apothekenschaltern aber ebenfalls in der Kritik. In den vergangenen Jahren waren die Bundesbehörden immer stärker gegen Pharmakonzerne vorgegangen, denen eine Mitschuld an der Opioid-Krise gegeben wird. Neben Walmart waren bereits Unternehmen wie Purdue Pharma oder Johnson & Johnson ins Visier der Fahnder geraten.

hba/dpa
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