Entscheidung der US-Notenbank Finanzmärkte bangen ums billige Geld

Es könnte der Anfang vom Ende der Niedrigzinsära sein: Die US-Notenbank entscheidet heute über eine mögliche Wende in der Geldpolitik. Der Kurswechsel könnte weltweit die Märkte erschüttern.

Börsianer in New York: Anfang vom Ende der Niedrigzinspolitik
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Börsianer in New York: Anfang vom Ende der Niedrigzinspolitik

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Hamburg - Ben Bernanke ist nicht zu beneiden. Wenn der Chef der US-Notenbank Fed an diesem Mittwoch vor die Öffentlichkeit tritt, wird die ganze Finanzwelt genau hinhören. Denn Bernanke hat womöglich etwas zu verkünden, das nicht nur die USA, sondern auch Europa, Asien und Südamerika in Turbulenzen stürzen könnte: den Anfang vom Ende der Niedrigzinspolitik.

Seit der Finanzkrise 2008 kannten die Zinsen in den USA nur eine Richtung: nach unten. Die Fed drückte nicht nur den Leitzins für Banken nahe an die Nulllinie, sondern legte auch milliardenschwere Kaufprogramme für Staatsanleihen und Hypothekenpapiere auf - alles mit dem Ziel, das Geld zu verbilligen und so die Wirtschaft anzukurbeln. Die Europäische Zentralbank folgte der Fed und drückte die Zinsen ebenfalls auf nie dagewesene Niedrigstände.

Nun, da die Welt sich schon an die Billigzinsen gewöhnt hat, plant die Fed die Wende. Die US-Wirtschaft wächst wieder ordentlich, die Arbeitslosigkeit sinkt. Auf ihrer Sitzung an diesem Mittwoch könnte die Notenbank deshalb erstmals eine Verringerung der aktuellen Anleiheaufkäufe beschließen. Experten erwarten, dass die Fed nicht mehr 85 Milliarden Dollar pro Monat in den Anleihekauf stecken könnte, sondern womöglich nur noch 80 oder 75 Milliarden Dollar. Was zunächst nach einem kleinen Schritt klingt, könnte gewaltige Folgen für die globale Wirtschaft haben.

Kritiker fürchten einen Schock an den Finanzmärkten

Dass die Zinsen früher oder später wieder steigen müssen, ist allen Beteiligten klar. Halten die Notenbanken das Geld zu lange zu billig, kann das gefährlich werden. Wenn eher sichere Anlagen nur noch Mini-Renditen abwerfen, investieren die Anleger lieber in hochriskante Papiere. Das Geld fließt nicht mehr unbedingt dahin, wo es gebraucht wird, sondern dahin, wo es noch Zinsen gibt. Entsprechend groß ist die Gefahr, dass sich Spekulationsblasen bilden, die irgendwann platzen. Nicht zufällig ging der Finanzkrise in den USA eine längere Niedrigzinsphase voraus, während der sich die Amerikaner massenhaft mit billigen Hypothekenkrediten eindeckten - als die Zinsen ab Ende 2004 wieder langsam stiegen, war es schon zu spät.

Der Ausstieg muss also irgendwann kommen. Doch Kritiker fragen besorgt: Warum ausgerechnet jetzt? Wenn die Zinsen in den USA stiegen, müsste auch die Euro-Zone bald nachziehen. Gerade dort hängen aber immer noch viele Banken am Tropf der Notenbank. Steigende Zinsen können sie ebenso wenig gebrauchen wie die anderen Unternehmen in den kriselnden Volkswirtschaften, die sich gerade erst auf den Weg aus der Rezession gemacht haben. Und auch den meisten Staaten käme es sehr gelegen, wenn sie noch lange möglichst wenig Rendite auf ihre Schulden zahlen müssten.

Zudem ist da noch die Angst vor dem Schock auf den Finanzmärkten. Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits im Frühjahr, als Fed-Chef Bernanke erstmals den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik in Aussicht stellte. Damals spielten die Börsen weltweit wochenlang verrückt. Die Zinsen für US-Staatsanleihen verdoppelten sich beinahe - und aus großen Schwellenländern zogen die Investoren panisch ihr Geld ab. Die Folge waren handfeste Währungskrisen.

Der Dax springt von Rekord zu Rekord

Was wird wohl erst passieren, wenn Bernanke die Wende nicht nur ankündigt, sondern wahrmacht? Ein solcher Schritt könnte vor allem die Anleihenmärkte treffen, meinen Experten. "Sobald die Fed den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik beginnt, wird das unweigerlich Folgen für die Anleihemärkte haben", sagt Aditya Khowala, Fondsmanager bei Fidelity. "Die sehr lockere Geldpolitik hat nie zuvor gesehene Zuflüsse in Anleihen begünstigt."

Tatsächlich hat das billige Geld viele Anleger in den vergangenen Jahren dazu verleitet, in Anleihen zu investieren - vor allem in hoch verzinste Papiere aus Schwellenländern wie Indien oder Brasilien. Auf der Suche nach Rendite trieben sie auch die Aktienmärkte weltweit nach oben. Nun fürchten viele Experten, ein Ende der Niedrigzinsen könnte die Anleger schlagartig zum Rückzug animieren.

In Deutschland ist von Panik allerdings noch keine Spur. Im Gegenteil: Am Mittwoch trieben die Anleger den Aktienindex Dax mal wieder auf ein neues Rekordhoch - 8645 Punkte waren es diesmal. Die Investoren rechnen offenbar damit, dass die Fed behutsam vorgehen wird. Gestützt wird dieser Glaube von einer Personalie: Bernanke wird Ende des Jahres sein Amt als Fed-Chef aufgeben. Seine Nachfolgerin dürfte Janet Yellen werden. Die bisherige Vize-Chefin der Fed gilt als Befürworterin einer lockeren Geldpolitik.

Entsprechend entspannt geben sich die meisten Experten. "Es geht um eine Reduzierung der Anleihekäufe, das ist noch keine Zinswende", sagt Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Er fände es sogar gut, wenn Bernanke jetzt verkünden würde, wie stark sie ihre Käufe zurückfahren will. "Dann würde die Unsicherheit endlich verschwinden."



insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
krasmatthias 18.09.2013
1.
Zitat von sysopAFPEs könnte der Anfang vom Ende der Niedrigzinsära sein: Die US-Notenbank entscheidet heute über eine mögliche Wende in der Geldpolitik. Der Kurswechsel könnte weltweit die Märkte erschüttern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/usa-notenbank-fed-koennte-anleihekaeufe-reduzieren-a-923040.html
Die Welt liegt in den Händen weniger, welche die Zinsen festlegen oder über den Einsatz von millitärischen Mitteln befehlen. Es ist eine stürmische Zeit und das Ende wird eines mit Schrecken sein. Der Tornado entsteht gerade erst.
idealist100 18.09.2013
2. Ah ha
Zitat von sysopAFPEs könnte der Anfang vom Ende der Niedrigzinsära sein: Die US-Notenbank entscheidet heute über eine mögliche Wende in der Geldpolitik. Der Kurswechsel könnte weltweit die Märkte erschüttern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/usa-notenbank-fed-koennte-anleihekaeufe-reduzieren-a-923040.html
An Stelle von 970 Milliarden $ in den Markt zu pumpen sollen es nur noch 950 oder noch gefährlicher 850 Milliarden in die $ Inflation zu pumpen. Schrecklich ist das, das Geld wird weniger schnell nichts mehr WERT. So eine Millisekunde langsamer werden wir enteignet zur Gesundung der Zocker und Banken.
exkoelner 18.09.2013
3. 60 Bill. € zu 600 Bill. €
Solange die an den Finanzmärkten gehandelten "Werte" das 10-fache des real existierenden Wertes übersteigen, wird jedes Jahr irgendwo auf der Welt eine Blase platzen. Und es ist eine gute Frage, zu fragen ob diese virtuellen Dollars, Euros, Schweizer Franken überhaupt "Werte" sind? Die Illusion, dass sie es sind kann sicher noch eine Weile andauern mit billigen Zentralbankgeld, aber wenn der zyklische und häufig künstlich herbeigeführte Zusammenbruch der Finanzmärkte durch sie selbst uns belehrt, dass sind gar keine Werte, zumindest keine realwirtschaftlich gedeckten - dann ist das Gejammer wieder groß
nopolemik 18.09.2013
4. Entscheidungegewalt
Zitat von sysopAFPEs könnte der Anfang vom Ende der Niedrigzinsära sein: Die US-Notenbank entscheidet heute über eine mögliche Wende in der Geldpolitik. Der Kurswechsel könnte weltweit die Märkte erschüttern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/usa-notenbank-fed-koennte-anleihekaeufe-reduzieren-a-923040.html
Ich muss mich an der Stelle fragen, wieso eine private Bank so einfach entscheiden kann, wie sich anhand ihrer Leitzinsen das Wohl und Wehe der gesammten Weltwirtschaft entschieden werden kann. So gesehen nützt ja alle Demokratie überhaupt nichts.
eisbaerchen 18.09.2013
5. Es ist doch völlig schnuppe,
Zitat von sysopAFPEs könnte der Anfang vom Ende der Niedrigzinsära sein: Die US-Notenbank entscheidet heute über eine mögliche Wende in der Geldpolitik. Der Kurswechsel könnte weltweit die Märkte erschüttern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/usa-notenbank-fed-koennte-anleihekaeufe-reduzieren-a-923040.html
was auch immer beschlossen wird, es gibt immer Gewinner und Verlierer. Also was soll diese Panikmache?
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