737-Max-Desaster US-Pilotengewerkschaft klagt gegen Boeing

Boeing bemüht sich um die Wiederzulassung seiner 737 Max, die nach Abstürzen weltweit am Boden bleiben muss. Nun gehen zahlreiche Piloten gegen den Konzern vor - wegen Einkommenseinbußen und der Gefährdung ihrer Sicherheit.

Seit März 2019 muss Boeing seine 737-Max-Reihe am Boden lassen - starten dürfen sie nur zu Testflügen
Ted S. Warren/AP

Seit März 2019 muss Boeing seine 737-Max-Reihe am Boden lassen - starten dürfen sie nur zu Testflügen


Boeing steckt in der Krise: Nach zwei Abstürzen gilt nun schon seit Monaten ein Flugverbot für Maschinen des Typs 737 Max, die Geschäfte laufen mies, viele Hinterbliebene von Absturzopfern verklagen den Konzern. Nun droht weiterer rechtlicher Ärger, denn auch die Pilotengewerkschaft der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines (SWAPA) hat Klage gegen das amerikanische Unternehmen eingereicht.

Der Hersteller habe den Piloten gegenüber falsche Angaben zur Flugtauglichkeit der Maschinen gemacht, teilte die Gewerkschaft mit. Die Piloten müssten sich darauf verlassen können, dass Boeing wahrheitsgemäße Informationen liefere, so SWAPA-Präsident Jonathan L. Weaks: "Im Fall der 737 Max ist dies nicht geschehen."

Durch die Startverbote nach den Abstürzen im Oktober und März, bei denen insgesamt 346 Menschen starben, mussten laut Gewerkschaft über 30.000 Southwest-Flüge gestrichen werden. Dadurch seien den Piloten mehr als 100 Millionen Dollar an Einnahmen entgangen. Southwest ist die US-Airline mit den meisten 737-Max-Maschinen in der Flotte.

Bereits im Juni hatte ein in US-Gerichtsunterlagen anonymisierter Pilot wegen "erheblicher Einkommenseinbußen" sowie "schweren emotionalen und mentalen Leids" gegen Boeing geklagt. Er sei quasi gezwungen gewesen, die 737 Max zu fliegen und nicht nur sich selbst, sondern auch die Crew und Passagiere in Lebensgefahr zu bringen. Außerdem warf er dem Konzern "eine beispiellose Vertuschung" bekannter Fehler der 737 Max vor.

Boeing ist zudem mit zahlreichen Klagen von Angehörigen der Absturzopfer konfrontiert. Der Konzern steht nach den Unglücken, als deren Hauptursache ein Software-Fehler gilt, schwer in der Kritik. Boeing wird verdächtigt, die 737 Max überstürzt auf den Markt gebracht und Sicherheit vernachlässigt zu haben. US-Behörden prüfen, ob bei der Zulassung alles mit rechten Dingen zuging.

kko/dpa

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turiman 08.10.2019
1. Vw
musste zig Milliarden zahlen, wohl berechtigt, aber kein Auto ist gegen eine Baum gefahren und kein Mensch ist wegen der Schummel-Software gestorben, anders bei Boeing nicht nur dass eine schlechte Software hingenommen worden ist es sind auch Hunderte Menschen bei den zwei Abstürzen ums Leben gekommen. Warum ist hier der alles so unfassbar ruhig, warum treten die Europäer nicht gemeinsam auf und verklagen Boeing, absolut unverständlich
carran 08.10.2019
2. Bin sicher nicht linksliberal, aber...
... das kommt davon, wenn Profitgier der Sicherheit uebergeordnet wird. Wenn es um den (oeffentlichen) Transport geht, sollten in jedem Fall alle geltenden Standards eingehalten und konsequent staatlich ueberprueft werden. Der Aktionaer haut dem Vorstand nur dann auf die Finger, wenn der Nepp auffliegt und die Firma Geld kostet!
jujo 08.10.2019
3. ....
Zitat von carran... das kommt davon, wenn Profitgier der Sicherheit uebergeordnet wird. Wenn es um den (oeffentlichen) Transport geht, sollten in jedem Fall alle geltenden Standards eingehalten und konsequent staatlich ueberprueft werden. Der Aktionaer haut dem Vorstand nur dann auf die Finger, wenn der Nepp auffliegt und die Firma Geld kostet!
Sie müssen sich doch nicht dafür entschuldigen, das sie als nicht linksliberaler auch über ausreichend Verstand verfügen!
Arno Kling 08.10.2019
4. Das ist Kapitalismus
Zu wenig regulierter Kapitalismus ist sicherlich nicht weniger schlimm, als kommunistische Planwirtschaft. Das, was bei Boing passiert, hat es auch schon bei anderen US Unternehmen gegeben. Bei einem großen US Autohersteller war z.B. ein Problem bei einer Fahrzeugserie bekannt, das potentiell tödlich für die Insassen enden könnte. Dann hat der Hersteller einfach die Rückrufkosten mit Reparatur gegen mögliche Schadensersatzzahlungen aufgerechnet und kam zu dem Schluss, dass es günstiger für sie wäre, wenn man Geld an die Hinterbliebenen zahlen würde, wenn Menschen dann (zwangsläufig) sterben würde. Genauso funktioniert die unregulierte Pharma Industrie in den USA. Um massive Gewinne einzufahren und die Gier der Unternehmensbosse nach Millionenboni zu befriedigen werden lebenswichtige Medikamente massiv verteuert. Das funktioniert genau wie bei Drogendealern. Die Menschen brauchen das Zeug und werden im Notfall die finanzielle Sicherheit von sich und ihrer Familie opfern müssen, um zu überleben. Die USA sind für viele Menschen, die nicht von den wirtschaftlichen Verhältnissen profitieren können, oder durch einen Schicksalsschlag abstürzen zu einem furchtbaren und seelenlosen Ort geworden. Es darf nicht sein, dass die restliche Welt durch das Chaos, das in US Unternehmen existiert, ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wird. Boeing soll meinetwegen finanziell ausbluten. Das ist der Preis für menschenfeindliches Handeln und wie üblich werden die Manager mit einem goldenen Handschlag gehen und die einfachen Arbeiter mit einer Kündigung....
fred_m 08.10.2019
5. Die 737-MAX hat mehrere Probleme
MCAS ist nicht das einzige Problem der 737-MAX. Der Whistleblower, der in den vergangen Wochen in der Presse erwähnt wurde, hat zwei weitere Problembereiche gezeigt: [1] Aus Kostengründen wurde darauf verzichtet, die Sicherheit auf den jetzt üblichen Stand zu bringen: "Boeing whistleblower's complaint says 737 MAX safety upgrades were rejected over cost" https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/boeing-whistleblowers-complaint-says-737-max-safety-upgrades-were-rejected-over-cost/ [2] Einige Anforderungen bezüglich Fehleranweisungen für die Piloten wurden für den 737-MAX gestrichen: "Boeing pushed FAA to relax 737 MAX certification requirements for crew alerts" https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/boeing-pushed-faa-to-arelax-737-max-certification-requirements-for-crew-alerts/ Meines Erachtens ist die jetzige Strategie von Boeing darauf gerichtet, keine Schuld zuzugeben um die Schadensansprüche bei den anstehenden Gerichtsverfahren zu beschränken. Boeing ist anscheinend bereit, das schon schwer geschädigte Kundenvertrauen dafür aufs Spiel zu setzen.
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