Angeschlagene Restaurantkette Vapiano muss Jahresabschluss erneut verschieben

Am kommenden Freitag wollte die Restaurantkette Vapiano ihre mit Spannung erwartete Bilanz vorlegen - nachdem sie schon einmal verschoben worden war. Doch offenbar sind Finanzierungsfragen noch immer ungeklärt.

Martin Gerten/ DPA

Im Ringen um dringend benötigtes Geld hat die Restaurantkette Vapiano erneut ihren Jahresabschluss verschoben. Die Verhandlungen über eine 30 Millionen Euro schwere Refinanzierung mit Banken und unter Beteiligung der Großaktionäre seien noch nicht abgeschlossen, teilte Vapiano am späten Dienstagabend in Köln mit. Daher werde der Jahresabschluss von diesem Freitag auf den 24. Mai verschoben. Bereits zuvor war der Termin einmal verschoben worden. Mit dem Geld soll die Firma umgebaut werden.

Vapiano steht unter Druck. 2017 ging die Kette an die Börse und trieb mit dem Geld der neuen Anteilseigner ihre Expansion voran. Dabei ging es aber zu schnell voran - einige der neu eröffneten Restaurants wurden Problemfälle statt Kassenschlager, Ende 2018 hatte der Konzern 231 Restaurants in 33 Ländern. Mancherorts sorgten lange Wartezeiten für Ärger. 2017 musste Vapiano einen Verlust von rund 30 Millionen Euro hinnehmen, 2018 soll das Nettoergebnis "deutlich" darunterliegen. Im vergangenen Jahr kam der Konzern vorläufigen Zahlen zufolge auf einen Umsatz von rund 370 Millionen Euro.

Der Aktienkurs ging in den Keller, es gab Gewinnwarnungen. Brachte es das Unternehmen anfangs auf einen Börsenwert von 600 Millionen Euro, so ist es inzwischen nur noch 160 Millionen Euro wert.

Das Unternehmen will die Abläufe effizienter machen und die Menükarte abspecken. Mit dem Umbau soll der Konzern zurück in die Gewinnzone gebracht werden - dafür braucht er Geld. Die Verhandlungen für die benötigten Finanzmittel dauern nun aber länger als geplant - daher die erneute Verschiebung des Jahresabschlusses.

Gleich mehrmals musste das Unternehmen die Geschäftserwartungen senken. Der Aktienkurs ist seit dem Börsengang im Jahr 2017 um rund 75 Prozent abgestürzt. Ende 2018 musste der damalige Vorstandschef Jochen Halfmann seinen Posten räumen. Sein Nachfolger Cornelius Everke kündigte an, womöglich einzelne Filialen zu schließen.

Vapiano wurde 2002 von Mark Korzilius, Kent Hahne, Gregor Gerlach, Friedemann Findeis und Klaus Rader gegründet. Die Kette wurde schnell bekannt und expandierte weltweit. Der Kernmarkt ist jedoch Deutschland.

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Der seit Anfang Dezember amtierende Chef hat gerade ein Maßnahmenprogramm angekündigt, um die Krise zu lindern:

  • An unprofitablen Standorten will Everke Filialen schließen.
  • Insgesamt soll die Expansion wesentlich langsamer ablaufen. Wurden 2018 noch 32 Restaurants neu eröffnet, soll die Zahl in diesem Jahr lediglich "niedrig zweistellig" sein. Statt 70 Millionen Euro sollen nur 40 Millionen Euro investiert werden - und zwar "verstärkt in bestehende Restaurants".
  • Mehr Vapiano-Filialen sollen künftig von Franchisenehmern betrieben werden, um das Risiko für das Unternehmen zu minimieren.
  • Durch eine Verbesserung der Arbeitsabläufe sollen die Wartezeiten für Kunden sinken.
  • Zudem will Everke prüfen, ob man das eingeführte Geschäft mit Lieferservices und Take-away wieder zurückfährt.

Ob das alles reichen wird, um auch das Image von Vapiano bei den Kunden wieder zu verbessern, ist offen.

jat/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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Draw2001 01.05.2019
1. Gehen Sie mal zu VAPPIANO.......
Betrachten Sie selbst die Menge der Unzulänglichkeiten. Und eines werden Sie nie sehen: Einen lächelnden Mitarbeiter. In so einer Atmosphäre ißt man nicht gerne.
klaus. 01.05.2019
2. Jahresabschluss 2018,Finanzierung 2019
ich verstehe nicht, warum für letztes Jahr kein Jahresabschluss gemacht werden kann. Soll rückwirkend in 2018 finanziert werden?
Gluehweintrinker 01.05.2019
3. Der Zauber blieb mir verborgen
Wo soll denn das Erfolgskonzept sein? Zwei mal war ich in einer Filiale von Vapiano zur Nahrungsaufnahme. Einmal in Oslo, weil es dort preislich noch zu verkraften war und einige Jahre später in Düsseldorf, weil es mein Mitesser so gerne wollte. Beide Male bescherten mir ein zwiespältiges Gastronomieerlebnis. Was soll diese seltsame Verzehrkarte, die mir von einer verdächtig gut gelaunten Rezeptionistin gereicht wurde? Dazu die Frage, ob ich mich auskenne. Falls nicht, wurde ich gnädig in den inneren Zirkel der Fanschaft aufgenommen durch Erklärung der speziellen Bestellrituale. Aha. Ich muss also vor der jeweiligen Küche anstehen, wo mir von sicher sehr motivierten Köchen Nahrungsmittel nach exakt vorgegebenen Rezpturen zubereitet werden. Die Pasta war beide Male grauenvoll. Fettig. Klebrig. Und sie lag im Magen wie Spritzbeton. Nein, ich würde nichts vermissen, wenn dieses "Systemrestaurant" bald verschwände. Es ist McDonalds in italienischer Verkleidung.
mghi 01.05.2019
4. Mehr Schein als Sein
dem Kommentar #1 ist nicht viel hinzuzufügen. Gute Idee mit den frischen mediterranem Dingen. Umsetzung, d.h. Service im Vergleich zum Preis, Umgang mit Mitarbeitern etc. : ungenügend. Es ist letztlich genauso eine Abzockerbude wie nahezu alle sog. Systemgastronomen. Ich habe mich letztens mit ein paar Studenten, die dort gearbeitet haben unterhalten: unterirdisch. Es ist kein Verlust für unsere Essenskultur, wenn dieser Laden von der Bildfläche verschwindet.
kai_lambeet 01.05.2019
5.
Zitat von GluehweintrinkerWo soll denn das Erfolgskonzept sein? Zwei mal war ich in einer Filiale von Vapiano zur Nahrungsaufnahme. Einmal in Oslo, weil es dort preislich noch zu verkraften war und einige Jahre später in Düsseldorf, weil es mein Mitesser so gerne wollte. Beide Male bescherten mir ein zwiespältiges Gastronomieerlebnis. Was soll diese seltsame Verzehrkarte, die mir von einer verdächtig gut gelaunten Rezeptionistin gereicht wurde? Dazu die Frage, ob ich mich auskenne. Falls nicht, wurde ich gnädig in den inneren Zirkel der Fanschaft aufgenommen durch Erklärung der speziellen Bestellrituale. Aha. Ich muss also vor der jeweiligen Küche anstehen, wo mir von sicher sehr motivierten Köchen Nahrungsmittel nach exakt vorgegebenen Rezpturen zubereitet werden. Die Pasta war beide Male grauenvoll. Fettig. Klebrig. Und sie lag im Magen wie Spritzbeton. Nein, ich würde nichts vermissen, wenn dieses "Systemrestaurant" bald verschwände. Es ist McDonalds in italienischer Verkleidung.
Ohja, ich war letztes Jahr auch zum ersten mal dort. Die Pasta war grausam, kurz in warmes Wasser getunkt, noch mehr als halb roh (sollte bestimmt al dente darstellen?) und zu einem fetten Klumpen verklebt. Nein, nie wieder.
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