Kriselnde Restaurantkette Vapiano verdoppelt Verlust

Verlust ausgeweitet, Eigenkapital geschrumpft: Für die kriselnde Restaurantkette Vapiano lief das erste Halbjahr mau. Die neue Chefin will nun die "Gästeloyalität" verbessern.

Vapiano-Filiale in Köln: Der Umsatz wuchs nur in neu eröffneten Filialen
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Vapiano-Filiale in Köln: Der Umsatz wuchs nur in neu eröffneten Filialen


Die angeschlagene Restaurantkette Vapiano hat ihren Verlust im ersten Halbjahr verdoppelt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Verlust auf 34,3 Millionen Euro. Das geht aus dem Halbjahresbericht der Kölner Firma hervor. Die neue Vapiano-Chefin Vanessa Hall sagte, das Unternehmen müsse nun die "Gästeloyalität" verbessern.

Der Konzernumsatz der Restaurantkette legte im Vergleich zum Vorjahr zwar um gut zwölf Prozent auf 196,6 Millionen Euro zu, dies lag aber an Neueröffnungen und Zukäufen. Zudem wuchs der Schuldenberg deutlich an. Um die Defizite auszugleichen wurde Eigenkapital eingesetzt. Das schrumpfte seit Jahresbeginn von rund 47 auf nur noch zwölf Millionen Euro. Zugleich stieg die Nettoverschuldung deutlich auf 470 Millionen Euro, weil das Unternehmen zum Teil neue Gesellschafterdarlehen in Anspruch nahm.

Vapiano kämpft schon seit Längerem mit Problemen: Eine nach dem Börsengang 2017 angekurbelte Expansion ging schief, Restaurants in Staaten wie Schweden entwickelten sich zu Verlustbringern.

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Ende 2018 wollte ein neuer Firmenchef mit einem Sanierungsprogramm das Ruder herumreißen, doch nach nur neun Monaten im Amt gab er auf. Erst vor wenigen Tagen übernahm die Britin Hall den Chefsessel, zuvor saß sie an der Spitze des Aufsichtsrats. Sie will die von ihrem Vorgänger eingeleitete Sanierung fortsetzen und die Expansion verlangsamen.

2021 soll die Firma in die Gewinnzone zurückkehren. Vapiano hat 235 Restaurants auf der Welt, etwa ein Drittel davon in Deutschland. Auch in Saudi-Arabien, Aserbaidschan, Taiwan und Australien gibt es Lokale der Kette.

Nach Ansicht von Branchenkennern hat sich das Unternehmen damit viel zu stark von seinen Kernmärkten entfernt. Die Vapiano-Führung hatte in den vergangenen Monaten klargemacht, defizitäre Lokale auch schließen zu wollen.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, schlecht laufende Geschäfte loszuwerden: So verkündete Vapiano im Januar den Verkauf seines USA-Geschäfts, musste im August aber einräumen, dass daraus doch nichts wurde - der Käufer hatte nicht bezahlt, immerhin 20 Millionen US-Dollar hätte Vapiano bekommen sollen. Nun geht die Investorensuche in den USA weiter.

Seit dem Börsengang vor gut zwei Jahren hat die Aktie rund 80 Prozent ihres Wertes eingebüßt. An diesem Mittwoch konnte das Papier leicht zulegen.

Offenbar sind einige Anleger weiter von einer positiven Zukunft bei Vapiano überzeugt. Dabei dürfte eine Rolle spielen, dass weiterhin finanzkräftige Großaktionäre an Bord sind, darunter die Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz sowie Wella-Erbin Gisa Sander. Die waren im Frühjahr bereit, einen großen Kredit zu geben und die akute Finanznot damit etwas zu lindern.

brt/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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ptb29 12.09.2019
1. Die Geldgeber und Aktionäre,
die an eine Verbesserung glauben, waren wohl noch nie bei Vapiano essen. Ander kann ich mir den Optimismus nicht erklären. Der Ruf ist versaut, da müssen erst die Medien eine Werbeoffensive starten, was ich aber nicht glaube bzw. hoffe.
forscher56 12.09.2019
2. Clickbaiting mal wieder erfolgreich
Ich gestehe: Habe den Artikel nur angeklickt, weil ich eine Erläuterung des Begriffs "Gästeloyalität" im Anreißer erhofft hatte. Ich wurde - wie so oft - enttäuscht.
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