Finanzspritze für Vapiano Gepimpte Pasta

Mit vielen Neueröffnungen hat sich die kriselnde Gastrokette Vapiano übernommen. Investoren helfen mit dringend benötigten Millionen aus. Reicht das für die Wende?

Arnulf Hettrich/ imago images

Vapiano, das stand einmal für flotte Italo-Gastro mit frischen Zutaten und offener Küche. Bei moderaten Preisen schaute die Kundin dem Koch über die Schulter und sagte, wenn sie sich die Pizza noch etwas knuspriger oder die Pasta mit mehr Basilikum wünschte.

Doch schon seit einigen Jahren leidet das Image: Die Schlange vor den Köchen sei bisweilen so lang, dass es bis zu 45 Minuten bis zum ersten Bissen dauere, beschweren sich Kunden. Es sei häufig voll und laut, das Personal hektisch, das Essen mittelmäßig. 2015 warfen Mitarbeiter einigen Filialen vor, verdorbene Pasta und übel riechendes Hähnchen serviert zu haben, Vapiano wies das zurück. Einfache Garnelen wurden in Hamburg als teurere Scampis ausgegeben, die Restaurantkette benannte sie auf der Speisekarte schließlich in "Gamberetti" um.

"Laute Kantine mit höchstens durchschnittlichem Essen", begründet etwa Nutzer Robin B. seine Ein-Stern-Bewertung auf einem Onlineportal. Viele frustrierte Kunden wendeten sich zuletzt ab. Für das Geschäftsjahr 2018 musste Vapiano seine Umsatzprognose erst deutlich nach unten korrigieren und dann eingestehen, dass auch dieses Ziel wohl verfehlt würde.

Offenbar zähe Verhandlungen

Der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Vapiano-Aktien, beim Börsengang 2017 für 23 Euro ausgegeben, dümpeln seit Monaten bei einem Wert von sechs Euro. Der Börsenwert schrumpfte von 600 Millionen auf 160 Millionen Euro, Ende 2018 musste der damalige Vorstandschef Jochen Halfmann seinen Posten räumen.

Am Donnerstagabend hat das Unternehmen nun bekannt gegeben, dass Banken und Großaktionäre eine dringend benötigte weitere Finanzspritze in Höhe von 30 Millionen Euro bereitstellen - zehn Millionen Euro erhielt Vapiano bereits Ende vergangenen Jahres. Mit dem Geld will Vorstandschef Cornelius Everke das Unternehmen umbauen - und die Gunst der Kunden zurückgewinnen.

Der für diesen Freitag geplante Jahres- und Konzernabschluss für 2018 wurde jedoch zum dritten Mal verschoben. Nach Verlusten in Höhe von 30 Millionen Euro im Jahr 2017 ist also weiter unklar, wie die Bilanz fürs Folgejahr ausfällt.

In der offiziellen Mitteilung heißt es zur Begründung der Verschiebung, es gebe weitere Anforderungen an die Dokumentation der ausgehandelten Refinanzierung, deshalb könnten die Zahlen erst am 18. Juni vorgelegt werden. "Die Gespräche waren sehr umfangreich. Es waren sechs Banken und drei Gesellschafter involviert", teilt Vapiano auf SPIEGEL-Anfrage mit. Nun seien die Weichen für die Umsetzung der neuen Strategie gelegt.

Dass Vapiano die Zusage für die Refinanzierung erst am Donnerstag erhielt und die Vorlage der Bilanz mehrmals verschieben musste, deutet auf zähe Verhandlungen hin. "Es war nicht ganz einfach", sagt Großaktionär Hans-Joachim Sander dem SPIEGEL. "Aber wir haben in gutem Einvernehmen mit allen Beteiligten eine solide Basis geschaffen, um mit Augenmaß und unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Vergangenheit zu wachsen."

Strategiewechsel: Das will Vapiano anders machen

Erfahrungen hat Vapiano Chart zeigen reichlich gesammelt, denn die Gründe für die Krise sind hausgemacht: "Dass wir unsere Erwartungen nach unten korrigieren mussten, liegt in unserer Expansionsstrategie begründet", hatte Vorstandschef Everke im Februar auf SPIEGEL-Anfrage gesagt. Seit dem Börsengang im Jahr 2017 habe man den "Fokus auf sehr schnelle Expansion und Neueröffnungen gelegt". Ende 2018 gehörten 231 Restaurants in 33 Ländern zu Vapiano, 31 mehr als zu Jahresbeginn.

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Fotostrecke: Was die Vapiano-Gründer heute machen

Das rasante Wachstum sieht auch Großaktionär Sander kritisch: "Wir waren vielleicht ein Stück weit zu euphorisch", sagt er. "Künftig werden wir uns die Standorte noch genauer ansehen müssen." Das sieht offenbar auch Konzernchef Everke so. Er plant Folgendes:

  • Durch eine Verbesserung der Arbeitsabläufe sollen die Wartezeiten für Kunden sinken.
  • Das Menü soll angepasst werden: zurück zu einfachen Gerichten und Klassikern.
  • An unprofitablen Standorten will Everke Filialen schließen. Eine Franchisefiliale in Dortmund macht zum Monatsende dicht, bestätigte Vapiano dem SPIEGEL. Das habe jedoch nichts mit einer strategischen Entscheidung der Firma zu tun. Alle Restaurants würden fortlaufend hinsichtlich ihrer Ertragskraft geprüft, hieß es. "Sobald diese vollständige Überprüfung abgeschlossen ist, können konkrete Aussagen zur weiteren Entwicklung einzelner Restaurants getroffen werden."
  • Insgesamt soll die Expansion wesentlich langsamer ablaufen. Wurden 2018 noch 32 Restaurants neu eröffnet, soll die Zahl in diesem Jahr lediglich "niedrig zweistellig" sein. Statt 70 Millionen Euro sollen nur 40 Millionen Euro investiert werden - und zwar "verstärkt in bestehende Restaurants".
  • Mehr Vapiano-Filialen sollen künftig von Franchisenehmern betrieben werden, um das Risiko für das Unternehmen zu minimieren.
  • Zudem überlegt Everke, das eingeführte Geschäft mit Lieferservices und Take-away wieder zurückzufahren.

Doch wird das reichen? Die Konkurrenz ist groß, zwischen hippen Burgerläden und veganen Restaurants sind auch zwei Vapiano-Gründer zu Wettbewerbern geworden: Friedemann Findeis und Klaus Rader leiten inzwischen die Restaurantkette L'Osteria. Seit 2011 sind vier der fünf Gründer weggegangen - nur Gregor Gerlach hält mit seiner Firma Vap Leipzig noch knapp 19 Prozent der Anteile.

Die Mehrheit der Anteile, rund 47 Prozent, gehören einem Fonds von Mayfair. Das ist die Vermögensverwaltung der Tchibo-Erben Günter Herz und seiner Schwester Daniela. Als dritter Großaktionär hält die Wella-Erbin Gisa Sander mit ihrem Mann Hans-Joachim Sander durch Exchange Bio mehr als 15 Prozent der Aktien. Mayfair wollte die Refinanzierung nicht kommentieren, Gregor Gerlach war bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht zu erreichen.

Kunden, Banken und Aktionäre überzeugen

Lange war nicht klar, ob Vapiano die gewünschten 30 Millionen Euro überhaupt erhält. Gerüchte gingen um, die Italo-Kette könnte vor dem Aus stehen. Und nach der Zusage der Finanzspritze steht Firmenchef Everke weiter unter Zeitdruck: Im Tagesgeschäft schwinden die Kunden, geplante Neueröffnungen wie die in Erfurt verzögern sich immer weiter und auch die Aktionäre wollen früher oder später profitieren.

Die Großaktionäre glauben jedoch offenbar weiter an das Geschäftsmodell. Im vergangenen Jahr hatten die Herz-Geschwister fast zehn Prozent Aktien aus Streubesitz zugekauft, die Sanders etwa drei Prozent. Hans-Joachim Sander sagt, die neue Strategie sei richtig und er vertraue dem Management. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass Vapiano wieder performen wird - aber zum Wohle des Gastes." Der müsse im Zentrum stehen, sagt Sander. "Der Gast muss sich bei Vapiano wohlfühlen und gerne wiederkommen."

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manicmecanic 25.05.2019
1. Fan Artikel ?
Anders kann ich das nicht werten wenn der Autor von " moderaten Preisen " schreibt.Für dasselbe Geld gehe ich bei meinem besten lokalen Italiener essen und sitze dann auch noch ganz bequem in Ruhe während mir das Essen serviert wird.Ich glaube nicht daß Vapiano sich halten wird bei dem Konzept.Irgendwie ist das eine Konstruktion mit allen Nachteilen diverser Fastfoodketten.
markus.pfeiffer@gmx.com 25.05.2019
2. Verlorenes Geld
Das Geschäftsmodell passt einfach nicht: Bei jedem kleinen Italiener um die Ecke bekommt man SCHNELLER und PREISGÜNSTIGER ein BESSERES ESSEN in um längen BESSEREM AMBIENTE. Am Anfang wurde Vapiano von einem Hype getragen; der ist vorbei und die 30 Millionen hätten die Investoren mal besser in vielversprechendere Projekte gesteckt, anstatt sie auf ein Pferd zu setzen, das in der nächsten Kurve tot unter seinem Reiter zusammenbrechen wird.
globaluser 25.05.2019
3. Also, ich fahre eine Expansions-Stragie und muss deshalb
die Erwartungen nach unten korrigieren. Die Expansions-Strategie wird ja wohl kaum von jetzt auf gleich beschlossen worden sein und hätte somit in die Erwartungen mit einfließen müssen. Jeder Dachdeckerbetrieb geht in simplen Szenarien von einem blendenden, normalen und einem schlechten Geschäftsjahr aus (um es vereinfacht zu sagen). Da sind nur Blender am Werk, Vapaino ist ein dead horse.
exHotelmanager 25.05.2019
4. Vapiano ist nicht zu retten
Das Konzept bietet keinerlei Sozialerlebnis, man steht nur an und hat keine Zeit mehr zu gemeinsamer Kommunikation mit den BegleiterInnen. Es fehlt also fast alles, was ein Anlass sein könnte, diese Lokale aufzusuchen. L'Osteria hingegen scheint das Erfolgsrezept zu sein.
Sibylle1969 25.05.2019
5.
Für eine Wende zur dauerhaften Profitabilität muss Vapiano dringend das Konzept ändern. Denn was einst mal cool war, nervt viele Kunden heute nur noch. Sich in eine Schlange anstellen, wobei es verschiedene Schlangen für Nudeln, Pizza, Salat und Getränke gibt, und sich erst nach der Bestellung einen Platz suchen, und alle Kollegen bekommen ihr Essen natürlich zu verschiedenen Zeiten, denn Nudeln, Pizza und Salat sind unterschiedlich schnell fertig, angelernte Billiglohnkräfte, ungemütliche Atmosphäre, und das zu Preisen wie beim Italiener um die Ecke, wo man aber am Tisch bedient wird, viel gemütlicher sitzt und sein Essen gleichzeitig bekommt wie seine Begleiter. Vapiano ist im Grunde eine überteuerte Kantine. Dann lieber zum richtigen Italiener, der kann das besser.
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