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01. Oktober 2013, 15:59 Uhr

Nach 125 Jahren

Vatikanbank veröffentlicht erstmals Geschäftszahlen

125 Jahre legte die Vatikanbank nur dem lieben Gott Rechenschaft über ihre Geschäfte ab. Nun hat das skandalumwitterte Geldhaus erstmals in seiner 125-jährigen Geschichte eine Bilanz veröffentlicht. Im Vergleich zu anderen Branchengrößen fiel der Gewinn eher mickrig aus.

Vatikan-Stadt - Die Vatikanbank hat erstmals in ihrer 125-jährigen Geschichte einen Geschäftsbericht veröffentlicht. Es sei der Versuch, die Transparenz herzustellen, die die Katholiken in aller Welt erwarteten, sagte der Präsident des Instituts, Ernst von Freyberg, am Dienstag.

Dem Institut werden seit Jahrzehnten Geldwäsche und andere undurchsichtige Geschäfte nachgesagt. Die Bank habe ihre Vorschriften im Umgang mit Kunden überarbeitet, um zu verhindern, dass es zu Geldwäsche kommen könne, sagte Freyberg.

Für 2012 wies das Geldhaus einen Nettogewinn von 86,6 Millionen Euro aus, im Jahr zuvor waren es 20,2 Millionen. Der Zuwachs gehe vor allem auf bessere Handelsergebnisse zurück, hieß es. Im Vergleich zu den Milliardengewinnen der internationalen Großbanken wirkt das Ergebnis trotz Steigerung eher bescheiden: Das US-Institut Bank of America etwa braucht nicht einmal drei Tage, um den Jahresgewinn der Vatikanbank zu verdienen.

Freyberg, der sein Amt in diesem Jahr antrat, hat die US-Beratungsgesellschaft Promontory Financial unter anderem damit beauftragt, alle Konten der 19.000 Kunden zu untersuchen und die Regelungen zur Verhinderung von Geldwäsche zu verschärfen.

Zuletzt war die Bank Ziel italienischer Geldwäsche-Ermittlungen - ein Vorwurf, den sie zurückweist. Ein Prälat des Vatikan wurde wegen Geldschmuggels angeklagt. Bereits 1985 geriet das Institut im Zusammenhang mit der betrügerischen Pleite der Banco Ambrosiano in die Schlagzeilen. Deren Präsident wurde erhängt unter einer Brücke in London aufgefunden.

ssu/Reuters

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