Energiewende Vattenfall schreibt Milliarden auf Kraftwerke ab

Die niedrige Stromnachfrage in Europa und die Energiewende in Deutschland zwingen Vattenfall zu schmerzhaften Abschreibungen. Der Konzern muss den Wert seiner Kraftwerke um mehr als drei Milliarden Euro berichtigen.

Stillgelegtes AKW Krümmel: Vattenfall kämpft mit den Folgen der Energiewende
AP

Stillgelegtes AKW Krümmel: Vattenfall kämpft mit den Folgen der Energiewende


Stockholm - Vattenfall reagiert mit radikalen Maßnahmen auf seine schwache Ertragslage. Der schwedische Energiekonzern schreibt rund 3,4 Milliarden Euro auf Kraftwerke und andere Vermögenswerte ab. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Stockholm mit.

Dazu verschärft Vattenfall sein Sparprogramm, verhängt einen Einstellungsstopp und teilt das Konzerngeschäft zu Jahresbeginn 2014 in die beiden regionalen Einheiten Skandinavien und Kontinentaleuropa/Großbritannien.

Hintergrund ist ein rapider Wandel der Energieversorgung, der für die großen Konzerne zur existentiellen Bedrohung wird: Durch die verstärkte Ökostromproduktion herrscht in der Bundesrepublik immer öfter ein Überangebot an Elektrizität. Da Ökostrom in den Netzen Vorfahrt hat, müssen Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke ihre Produktion in diesen Situationen drosseln. Hinzu kommt, dass Europas Industrie wegen der Euro-Krise weniger produziert und entsprechend weniger Strom nachfragt.

Die Abschreibungen seien die Konsequenz aus den größeren Geschäftsrisiken bei der Stromerzeugung in Europa, heißt es. Die größte Korrektur wird auf den Buchwert von Gas- und Kohlekraftwerken in den Niederlanden vorgenommen. Auch deutsche Steinkohlekraftwerke müssen im Wert berichtigt werden.

Vattenfall begründete die hohen Wertminderungen mit "zunehmend trüben Geschäftsaussichten" und geringen Ertragsmargen bei der Stromerzeugung mit Gas und Steinkohle.

"Es wiegt natürlich schwer, Abschreibungen in dieser Größenordnung vornehmen zu müssen", sagten Vorstandschef Øystein Løseth und der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Lars Nordström. "Doch sie spiegeln unsere aktuelle Realität."

Der schwedische Energieriese will auch seine Kosten schneller senken. Im kommenden Jahr sollen umgerechnet 285 Millionen Euro eingespart werden. Bereits im März hatte Vattenfall angekündigt, 2500 Arbeitsplätze bis Ende 2014 zu streichen, davon 1500 davon in Deutschland.

ssu/dpa



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Thom-d 23.07.2013
1.
Zitat von sysopddpDie niedrige Stromnachfrage in Europa und die Energiewende in Deutschland zwingen Vattenfall zu schmerzhaften Abschreibungen. Der Konzern muss den Wert seiner Kraftwerke um mehr als drei Milliarden Euro berichtigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vattenfall-schreibt-milliarden-auf-kraftwerke-ab-a-912630.html
Der Wahnsinn der Energiewende führt zu weiteren Verwerfungen. Der Staat muß diesen Energieversorgern durch Subventionen aushelfen, will man nicht bald in Dunkeldeutschland leben
thesunnysouth 23.07.2013
2. Energiewende verschlafen
Sollen mir nun die großen Energiekonzerne leidtun? Es steht doch fest, dass die Energieriesen im Vertrauen auf ihre Lobbyarbeit die Energiewende ausgeblendet haben. Dass nun durch eine dezentrale Energieerzeugung sogar ein Überangebot herrscht würde ich doch positiv bewerten. Das zeigt doch, dass es auch ohne die Atommeiler geht. Die geschürten Ängste hinsichtlich "Dunkeldeutschland" sind meines Erachtens reine Propaganda. Ob die hohen Einspeisungsvergütungen nun auf die Dauer Sinn machen oder nicht, ist natürlich ein anderes Thema. Aber als Anschub für die Energiewende ist es auf jeden Fall gut, wie man sieht.
STeinderWeisen 23.07.2013
3. Kauf schon mal nen großen Vorrat Kerzen bevor gehammstert wird.
Kauf schon mal nen großen Vorrat Kerzen bevor gehammstert wird und Dir in Dunkeldeutschland nicht angst und bange wird. Ich kann den Unsinn von Blackout nicht mehr hören. Die Stromkonzerne wurden vom Staat jahrelang gepäppelt. Und wenn Du richitig gelesen hast erfolgen die höchsten Abschreibungen in NL und da gibt es keine Energiewende. Buh, jetzt geht das Licht vermutich in NL aus.
u.loose 23.07.2013
4. Die dolle Energiewende
hinterlässt für alle Beteiligten die zahlen müssen, Verwüstung. Einzig die gepäppelten "Erneuerbaren" kassieren kräftig ab, so wie von den marktwirtschaftsfeindlichen Grünen mit den Roten im Schlepptau es sich vorstellt.
u.loose 23.07.2013
5. Nein, Holland
Zitat von STeinderWeisenKauf schon mal nen großen Vorrat Kerzen bevor gehammstert wird und Dir in Dunkeldeutschland nicht angst und bange wird. Ich kann den Unsinn von Blackout nicht mehr hören. Die Stromkonzerne wurden vom Staat jahrelang gepäppelt. Und wenn Du richitig gelesen hast erfolgen die höchsten Abschreibungen in NL und da gibt es keine Energiewende. Buh, jetzt geht das Licht vermutich in NL aus.
ist ein Opfer der bundesdeutschen Energiewende bzw. des EEG... Die dollen schon bezahlten EEG Erzeugnisse fluten den europäischen Strommarkt zu lächerlichen Preisen - aktuell weniger als 28 Euro pro MWh - dass die holländischen Gaskraftwerke genau so leiden wie die deutschen fossilen Kraftwerke. Das EEG zieht also weite Kreise und beschädigt auch europäischen Stromproduzenten.
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