Energiewende Vattenfall stimmt deutsche Mitarbeiter auf Kohle-Aus ein

Der Chef von Vattenfall sieht für die deutsche Kohleenergie keine Zukunft. "Die Arbeitsplätze im Tagebau werden früher oder später verschwinden", sagte Magnus Hall SPIEGEL ONLINE. Das sei "eine schmerzhafte Erkenntnis", aber man müsse sie akzeptieren.
Protest in der Lausitz: Arbeitsplätze, die "früher oder später verschwinden"

Protest in der Lausitz: Arbeitsplätze, die "früher oder später verschwinden"

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Der schwedische Energieversorger Vattenfall   baut sein Deutschlandgeschäft radikal um. Jetzt äußert sich sein Chef Magnus Hall in klaren Worten zur neuen Konzernstrategie. Der Kohletagebau in der Lausitz stehe "vor einem fundamentalen strukturellen Wandel", sagt Hall SPIEGEL ONLINE. "Es gibt in der Region auch ein wachsendes Bewusstsein, dass die Arbeitsplätze im deutschen Kohletagebau früher oder später verschwinden werden."

Er habe Verständnis, dass die Menschen in der Lausitz für ihre Jobs kämpfen, fuhr Hall fort. Für die Menschen, die lange in der Branche tätig waren, müsse es eine "schmerzhafte Erkenntnis" sein, dass die Zeit des Kohlebergbaus allmählich zu Ende gehe. "Es dauert sicher eine Weile, bis man das akzeptieren kann."

Die Kohleenergie gilt in Deutschland als Auslaufmodell. Die Bundesregierung will die CO2-intensiven Kraftwerke in den kommenden Jahrzehnten durch sauberere Technologien ersetzen. Ein geplantes Gesetz von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel könnte den Ausstieg noch einmal deutlich beschleunigen. Der SPD-Chef plant eine CO2-Strafsteuer für ältere Kohlekraftwerke, damit Deutschland seine Klimaziele bis 2020 erreichen kann. Sein Konzept war allerdings auf heftigen Widerstand gestoßen. Nun will der Minister noch einmal nachbessern.

Vattenfall ist von den Plänen der Bundesregierung unmittelbar betroffen. Der schwedische Staatskonzern will seine deutsche Braunkohlesparte bis Ende des Jahres verkaufen. Vattenfall betreibt in der Lausitz, Deutschlands zweitgrößtem Braunkohlerevier, fünf Gruben und mehrere Kraftwerke.

Hall dringt auf Regierungsstrategie

Die Ausgestaltung von Gabriels CO2-Gesetz habe "starke Effekte auf den Wert unserer Kohlesparte", sagte Hall SPIEGEL ONLINE. "Es wäre hilfreich, wenn die Bundesregierung sich bis zum Sommer auf eine Strategie für die Kohleenergie einigt." Sonst könnte es mit einem Verkauf der Sparte bis Ende des Jahres womöglich eng werden.

Die Idee einer CO2-Strafsteuer für Kohlekraftwerke lehnt der Vattenfall-Chef rundheraus ab. Er halte ein solches Gesetz "nicht für realistisch". Es würde seiner Meinung nach dazu führen, dass zu schnell zu viele Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, sodass Versorgungsengpässe in Deutschland drohten.

Gabriels Staatssekretär Rainer Baake hatte zuletzt vorgeschlagen, die Energieversorger zu entlasten, indem man die Höhe der Strafsteuer an die Höhe der Großhandelsstrompreise koppelt. Nur wenn die Firmen viel verdienen, würde die CO2-Steuer also entsprechend höher ausfallen.

Hall lehnt auch diesen Vorschlag ab. "Wir sind generell gegen eine Strafsteuer", sagte er. "Wir ziehen eine rasche Wiederbelebung des Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten vor." Er verstehe, dass eine entsprechende politische Lösung für die Bundesregierung wahrscheinlich zu spät käme, um die selbstgesteckten Klimaziele zu erfüllen. Doch dann müsse die Bundesregierung eben eine ganz andere Lösung finden.