Ver.di-Chef Bsirske wird Aufseher der Deutschen Bank

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank wird durchgemischt: Unter anderem soll künftig Gewerkschaftsboss Frank Bsirske dem Vorstand auf die Finger schauen. Auch zwei Frauen sollen neu in das Kontrollgremium einziehen.
Gewerkschaftsboss Bsirske:

Gewerkschaftsboss Bsirske:

Foto: Marc Tirl/ dpa

Frankfurt am Main/Berlin - Ver.di-Chef Frank Bsirske gehört künftig zu den Kontrolleuren der Deutschen-Bank-Spitze. Bsirske wurde am Dienstag als Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat des Frankfurter Dax-Konzerns gewählt, wie die Gewerkschaft mitteilte.

Die Dienstleistungsgewerkschaft bekommt sechs der zehn Mandate, die die Arbeitnehmerseite besetzt. Bislang stellte die Gewerkschaft nur vier Vertreter, aber durch den Zukauf der Postbank ist der Einfluss Ver.dis bei der Deutschen Bank gestiegen. Ein großer Teil der Postbank-Mitarbeiter ist Mitglied der Gewerkschaft, die schon häufiger auf Konfliktkurs mit der Bank gegangen ist. Als Aufsichtsrat wiedergewählt wurden der Konzernbetriebsratsvorsitzende Alfred Herling sowie Gabriele Platscher und Rolf Stockem. Neu für Ver.di im Kontrollgremium sind Timo Heider und Bernd Rose.

Arbeitnehmervertreter stellen die Hälfte des 20-köpfigen Aufsichtsrats, der vom früheren Allianz -Vorstand Paul Achleitner geleitet wird. Um die Besetzung der Posten war vor den Wahlen heftig gerungen worden, da sie für die Machtverhältnisse der Gewerkschaften sehr wichtig sind. Die kleinere Gewerkschaft DBV, die bislang mit Karin Ruck Achleitners Stellvertreterin stellte, machte gemeinsame Sache mit unabhängigen Kandidaten und konnte zwei Mandate gewinnen. Gewerkschaftschef Stephan Szukalski zieht neu in das Gremium ein, Ruck war nicht mehr angetreten.

Als Favorit für die Wahl zum Vize-Vorsitzenden des Aufsichtsrats gilt Konzernbetriebsratschef Herling, der seit vielen Jahren in dem Gremium sitzt. "Es gilt jetzt, den Blick nach vorn zu richten und den anstehenden Kulturwandel im Interesse aller Konzernbeschäftigten konstruktiv zu begleiten und mitzugestalten", erklärte Herling nach der Wahl. Das seit Juni 2012 amtierende Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen hat Deutschlands größtem Geldhaus einen Imagewandel verordnet und fährt zudem einen scharfen Sparkurs.

Auch auf der Kapitalseite stehen personelle Änderungen an: Nach der Hauptversammlung am 23. Mai sollen drei neue Aufsichtsräte einziehen, darunter die die frühere Finanzchefin der US-Großbank JP Morgan Chase, Dina Dublon. Auch der Jurist Georg Thoma und der ehemalige UBS-Finanzvorstand John Cryan gewählt werden. Damit erhalten Vertreter der Finanzbranche ein stärkeres Gewicht in dem Aufsichtsgremium, das unter anderem den Vorstandschef bestimmt.

Die von der Politik geforderte Frauenquote würde die Deutsche Bank schon jetzt erfüllen. Fast die Hälfte der Aufsichtsräte ist bereits weiblich. Die CDU/CSU strebt eine Quote von mindestens 30 Prozent an, die SPD möchte 40 Prozent.

stk/Reuters/dpa