Schleckers Zukunft Ver.di steckt in der Zwickmühle

Ein Großteil der Schlecker-Belegschaft ist gekündigt, der Rest hofft auf ein Überleben der Drogeriekette. Der Insolvenzverwalter steht unter Zeitdruck - und die Gewerkschaft Ver.di muss einen Spagat zwischen den Insolvenzopfern und den Übriggebliebenen hinlegen.

Ampel vor einer Schlecker-Filiale: Ärger in München
dapd

Ampel vor einer Schlecker-Filiale: Ärger in München

Von


Hamburg - Der Insolvenzverwalter hat ordentlich mitgemischt im Polit-Poker um die Bürgschaft für Schlecker. Die Suche nach einem Investor für die Pleite-Drogeriekette werde scheitern, wenn die geplanten Transfergesellschaften nicht zustande kommen, warnte Arndt Geiwitz. Doch seine Appelle wurden nicht erhört. Die FDP stellte sich quer, Bürgschaften gibt es nicht, 10.000 Schlecker-Beschäftigte stehen auf der Straße.

Arbeitsrechtler rechnen nun mit einer Klagewelle gekündigter Mitarbeiter gegen Schlecker. Das werde Investoren abschrecken, prophezeite Geiwitz. Er hoffe, dass die Interessenten abwarten werden, "ob im Extremfall 10.000 Klagen eingehen oder nicht", sagte er am Freitag.

Das wiederum bringt die Gewerkschaft Ver.di in ein Dilemma. Einerseits setzen die Entlassenen auf die Hilfe der Gewerkschaft, gerade auch wenn es darum geht, gegen die Kündigung gerichtlich vorzugehen. Andererseits will Ver.di den Rest von Schlecker retten - und potentielle Geldgeber nicht durch die Aussicht auf teure Rechtsstreitigkeiten und Abfindungen vergraulen. "Wir haben kein Interesse daran, Klagen zu forcieren", sagt Ver.di-Verhandlungsführer Bernhard Franke. "Aber wir werden unsere Mitglieder natürlich beraten und gegebenenfalls Rechtsschutz gewähren." Drei Wochen haben die Gekündigten Zeit, um Klage einzureichen.

Bisher waren die Schlecker-Mitarbeiter eine eingeschworene Truppe, die dafür kämpfte, das Unternehmen zu retten. Doch nun dürfte die Solidarität zwischen den Gekündigten und den verbliebenen Mitarbeitern bröckeln. "Uns ist wichtig, dass langjährige Kolleginnen nicht gegeneinander ausgespielt werden", sagte Ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Ein Investor müsste wohl eine halbe Milliarde mitbringen

"Man kann den Leuten nicht sagen: Verzichtet auf Euer Recht, weil ihr damit andere gefährdet - zumal deren Zukunftsaussichten ja auch vage sind", sagt ihr Kollege Franke. Nicht nur die Gekündigten plagen Zukunftsängste. Auch viele verbliebene Schlecker-Mitarbeiter fürchten, dass das Hickhack um die Transfergesellschaften den Ruf von Schlecker als hoffnungslosen Fall zementiert hat.

Der niedersächsische FDP-Wirtschaftsminister Jörg Bode hatte öffentlich die Umsatzprognosen des Insolvenzverwalters in Frage gestellt. Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) schrieben in einem Gutachten, es sei "nicht gewährleistet", dass sich innerhalb von sechs Monaten ein Investor für Schlecker finden lasse.

Doch so viel Zeit bleibt Geiwitz nicht einmal mehr. In spätestens drei Monaten muss die Gläubigerversammlung über den Sanierungsplan entscheiden. Der Insolvenzverwalter sagt, es gebe durchaus Interessenten für die Drogeriekette. Nach Angaben eines Sprechers hat es Gespräche mit rund zwei Dutzend möglichen Käufern gegeben. Bereits in der ersten April-Woche will Geiwitz sich mit ausgewählten Anwärtern treffen. Namen nannte er nicht.

Auf einen Investor kämen große Aufgaben zu: Schätzungen zufolge müsste ein Geldgeber zwischen 500 und 700 Millionen Euro in das Unternehmen stecken. Die dringend nötige Modernisierung der meisten der 3000 verbliebenen Filialen liegt auf Eis. Insolvenzverwalter Geiwitz verkündete, es sei bereits "ein Riesen-Projekt" im laufenden Jahr eine schwarze Null zu schreiben.

Angst vor der Zerschlagung

"Wenn es kein Sterben auf Raten geben soll, muss dringend ein Investor an Bord", sagt Ver.di-Verhandlungsführer Franke. Die Hoffnung auf einen Retter hat er noch nicht aufgegeben. "Mit dem Aus für Transfergesellschaften ist es für Schlecker schwieriger geworden. Aber ich sehe eine Chance für die Fortführung des Unternehmens." Der Wandel komme voran. "Viele Protagonisten des alten Führungsstils verlassen das Unternehmen", sagt Franke. Denn auch die mittlere Führungsebene wie Bezirks- und Verkaufsleiter seien von Entlassungen betroffen.

In den kommenden Wochen wird es für die Beschäftigten darum gehen, die Zukunft von Schlecker so weit wie möglich mitzugestalten. Einige Aussagen des Insolvenzverwalters sorgen für Unruhe. "Das sind alles hart rechnende Menschen", sagte er über Interessenten. "Die einen haben schon den Verkauf vor Augen, andere setzen eher auf ein langfristiges Engagement." Es sei auch möglich, dass die Firma teilweise über einen Insolvenzplan aufgefangen und zum anderen Teil verkauft werde.

"Die Familie Schlecker wird keine Rolle mehr spielen"

Ver.di fordert nun vor allem Transparenz. "Die verbliebenen Beschäftigten müssen wissen, wo es hingeht", sagt Nutzenberger. "Die Beschäftigten wurden noch nicht in dem Maß eingebunden, wie wir uns das vorgestellt haben." Geiwitz' Konzept müsse noch auf Praxistauglichkeit überprüft werden. Ihr Kollege Franke hält das Konzept des Insolvenzverwalters grundsätzlich für schlüssig. "Aber Ansätze zum Sortiment und zur Positionierung der Marke müssen konkreter werden."

Geiwitz ist vor allem damit beschäftigt, die Altlasten der Familie Schlecker zu beseitigen. Trotz Zehntausender Mitarbeiter führte Anton Schlecker die Firma wie einen Tante-Emma-Laden als Einzelkaufmann. Diese Struktur mache die Investorensuche zur Mammutaufgabe, klagte der Insolvenzverwalter.

Für die Gewerkschafter sind der einstige Drogeriekönig und seine Erben schon Vergangenheit. Ver.di-Mann Franke sagt: "Ich denke, dass die Familie Schlecker in Zukunft keine bedeutsame Rolle mehr haben wird."

mit Material von Reuters und dpa

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eulenspiegel_neu 30.03.2012
1. Schleckers Zukunft
Zitat von sysopdapdEin Großteil der Schlecker-Belegschaft ist gekündigt, der Rest hofft auf ein Überleben der Drogeriekette. Der Insolvenzverwalter steht unter Zeitdruck - und die Gewerkschaft Ver.di muss einen Spagat zwischen den Insolvenzopfern und den Übriggebliebenen hinlegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824876,00.html
Es geistert doch die Summe von 300 Mio. EUR durch den Raum, den das Auslandsvermögen der Fam. Schlecker ausmachen soll. Hier muss man ansetzen und eventuelle Prozesse gegen Schlecker könnten Erfolg zeigen. Falls dieses Vermögen besteht, sollte der Staat seine Aufwendungen von Schlecker herausklagen. Diese Familien-Nieten im Nadelstreifen sollten möglichst enteignet werden wegen Unfähigkeit in der Unternehmensführung. Zudem sond doch die Filialen IHR PLATZ ebenfalls einiges Wert, die Fam. Schlecker wird ihr Vermögen schon in Sicherheit gebracht haben. Zur Aufklärung gegenüber der Regierung könnte das zuständige FA beitragen.
weißbrot 30.03.2012
2. weißbrot
Zitat von eulenspiegel_neuEs geistert doch die Summe von 300 Mio. EUR durch den Raum, den das Auslandsvermögen der Fam. Schlecker ausmachen soll. Hier muss man ansetzen und eventuelle Prozesse gegen Schlecker könnten Erfolg zeigen. Falls dieses Vermögen besteht, sollte der Staat seine Aufwendungen von Schlecker herausklagen. Diese Familien-Nieten im Nadelstreifen sollten möglichst enteignet werden wegen Unfähigkeit in der Unternehmensführung. Zudem sond doch die Filialen IHR PLATZ ebenfalls einiges Wert, die Fam. Schlecker wird ihr Vermögen schon in Sicherheit gebracht haben. Zur Aufklärung gegenüber der Regierung könnte das zuständige FA beitragen.
1. Auslandsvermögen ist nicht strafbar 2. Die Haftung beschränkt sich nur auf das Vermögen Anton Schleckers, nicht auf das seiner Frau und seiner Kinder. Zu überprüfen ist, ob es illegale Eigentumsübertragungen gab. Falls ja, wird auch damit gehaftet, falls nein kann man da nichts machen. 3. Eine Enteignung kann nur durch eine Entschädigung erfolgen. Wollen Sie allen Ernstes Anton Schlecker auch noch das Geld hinterher werfen? 4. Ihr Platz ist ebenfalls insolvent. 5. Nieten in Nadelstreifen? Da haben Sie recht.
lalale 30.03.2012
3.
nieten in nadelstreifen hin oder her... ein schlechter geschäftsmann zu sein ist kein verbrechen... ob da noch irgendwo restvermögen da ist sehe ich nicht als relevant... auch verstehe ich die hetzjagd auf die familie schlecker jetzt auch nicht ganz... die pleite kam nicht durch irgendwelche wilden spekulationen oder übernahmen zu stande sondern einfach durch fehlerhaftes management... was man auch sehen muss... er hatte all die jahre den arsch in der hose mit privatvermögen zu haften... er hätte auch eine gesellschaftsform wählen können bei der er sich die gewinn abzweigt und dann die schulden komplett leigen bleiben... was ja auch die meisten geschäftsmänner machen... wer haftet denn heutzutage noch privat für unternehmen dieser größe... er mag ein despot gewesen sein... aber hatte in meinen augen immer noch mehr verantwortungsgefühl als der großteil der unternehmer und manager heutzutage... dieses unternehmen war sein lebenswerk... hab ich mitleid mit ihm... nein nicht wirklich... aber gestraft ist der mann genug... da muss man auch nicht noch grenzenlos hetzen und nachtreten...
irobot 30.03.2012
4.
---Zitat--- Arbeitsrechtler rechnen nun mit einer Klagewelle gekündigter Mitarbeiter gegen Schlecker. ---Zitatende--- Wieso Klagewelle? Bei einer Insolvenz gibt doch keinen Kündigungsschutz. Da kann man auch nicht klagen. Das war zumindest bei der Pleite der Firma so, wo ich 2004 beschäftigt war.
Dr. Fuzzi 30.03.2012
5.
Zitat von eulenspiegel_neuEs geistert doch die Summe von 300 Mio. EUR durch den Raum, den das Auslandsvermögen der Fam. Schlecker ausmachen soll. Hier muss man ansetzen und eventuelle Prozesse gegen Schlecker könnten Erfolg zeigen. Falls dieses Vermögen besteht, sollte der Staat seine Aufwendungen von Schlecker herausklagen. Diese Familien-Nieten im Nadelstreifen sollten möglichst enteignet werden wegen Unfähigkeit in der Unternehmensführung. Zudem sond doch die Filialen IHR PLATZ ebenfalls einiges Wert, die Fam. Schlecker wird ihr Vermögen schon in Sicherheit gebracht haben. Zur Aufklärung gegenüber der Regierung könnte das zuständige FA beitragen.
Was sind Sie eigentlich für ein selbstgerechter Sesselpfurzer? Anton Schlecker hat immerhin über mehr als 30 Jahre 10.000den Mitarbeitern ein Auskommen gewährleistet. Wem haben Sie ein Auskommen gewährleistet, das Sie sich derart dämliche Polemik erlauben? Schlecker ist das einzige Unternehmen, das in ländlichen Gebieten investiert hat. Wo sind all die anderen so tollen Unternehmen wie DM, Rossmann und Co.? Was Sie vorbringen, ist doch lediglich gequirlte Hirnwichse vom Stammtisch!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.