Arbeitsniederlegung von Sicherheitskräften Dutzende Flüge wegen Warnstreik an Düsseldorfer Flughafen annulliert

Die Verbraucherpreise explodieren, die Lohnforderungen steigen: Ver.di hat mit einem vorübergehenden Ausstand den Betrieb des Düsseldorfer Flughafens stark beeinträchtigt. Auch in Frankfurt wird gestreikt.
Streik in Düsseldorfer Terminal-Gebäude: Erhöhungen des Stundenlohns von bis zu 40 Prozent?

Streik in Düsseldorfer Terminal-Gebäude: Erhöhungen des Stundenlohns von bis zu 40 Prozent?

Foto: David Young / dpa

Der Tarifkonflikt in der Luftsicherheitsbranche trifft nun auch Reisende. Wegen eines Warnstreiks des Sicherheitspersonals sind am Düsseldorfer Flughafen rund 80 Abflüge annulliert worden. Das teilte der Airport mit. Auch rund 60 Ankünfte seien von Airlines gestrichen worden.

»Fluggäste müssen sich seit Betriebsbeginn auf erhebliche Verzögerungen bei der Passagierkontrolle einstellen«, schrieb der Flughafen. Auf Bildern aus dem Terminal sind lange Schlangen von Wartenden zu sehen, die von den Ausfällen offenbar betroffen sind. Auch zahlreiche Streikende versammelten sich mit gelben Westen in der Schalterhalle.

Der Flughafen bat die Passagiere, sich vor der Anreise bei ihrer Fluggesellschaft oder dem Reiseveranstalter zum Stand ihres Fluges zu informieren. Zudem sollte das Handgepäck »auf ein Minimum« reduziert werden, um die Kontrollen zu beschleunigen. Am Flughafen Düsseldorf waren für heute eigentlich rund 280 Flugbewegungen geplant, mit insgesamt knapp 27.000 Passagieren.

Ver.di rechnet mit Verzögerungen in Frankfurt

Die Gewerkschaft Ver.di hatte Beschäftigte im Luftsicherheitsbereich des Airports dazu aufgerufen, am Freitag zwischen drei Uhr morgens und Mitternacht die Arbeit niederzulegen. Betroffen von dem Warnstreik sind laut Ver.di unter anderem die Fluggastkontrolle, der Rollstuhlservice sowie die Personal- und Warenkontrolle. Ein Sprecher sagte, es gebe eine »sehr hohe Streikbeteiligung«. Um sechs Uhr habe es auch eine Kundgebung gegeben.

Auch der Flughafen Frankfurt wurde von einem Warnstreik der privaten Luftsicherheitskräfte getroffen. Wie bereits ein temporärer Ausstand Mitte der Woche am Flughafen Köln/Bonn verlief dieser zunächst ohne spürbare Folgen für Passagiere. »Wir sehen keine Auswirkungen auf den Flugverkehr«, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport.

Die Gewerkschaft Verdi hat die Aktionen um sechs Uhr gestartet und auf Bereiche außerhalb der Passagierkontrollen beschränkt. Neben einem Bewachungsdienstleister sollten im Laufe des Tages auch die Frachtkontrollen bestreikt werden. Ein Ver.di-Sprecher rechnete deshalb mit verzögerten Abflügen. Das Ende der Aktionen war für Samstagmorgen geplant.

Der Warnstreik trifft die Flughäfen in einer empfindlichen Phase: Die Luftfahrt zählt zu den von der Coronakrise am härtesten getroffenen Branchen – und hatte auch 2021 noch zu kämpfen. Die Flughäfen waren im Sommer nicht mal zur Hälfte ausgelastet. Ver.di hat den jüngsten Ausstand insbesondere damit begründet, dass das bisherige Angebot die aktuelle Preisentwicklung in keiner Weise aufgreift.

In zwei Verhandlungsrunden für die bundesweit rund 25.000 Sicherheitskräfte an Flughäfen hat es auch deshalb bislang keine Einigung gegeben. Ver.di hatte in der abgelaufenen Woche an mehreren Flughäfen Warnstreiks organisiert. Die Gewerkschaft will die Verhandlungen mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) am 1. und 2. März in Berlin fortsetzen.

Ver.di fordert für die Luftsicherheitskräfte eine Lohnerhöhung von mindestens einem Euro pro Stunde bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Darüber hinaus sollen die Gehälter der Gepäck- und Personalkontrolleure auf das Niveau der Beschäftigten bei der Passagierkontrolle angehoben werden. Die Gewerkschaft verlangt außerdem ein bundesweit einheitliches Entgelt für Kräfte in der Flugzeugbewachung und Bordkartenkontrolle.

Der BDLS kritisierte, von einer angeschlagenen Branche würden nun Erhöhungen von bis zu 40 Prozent pro Stunde verlangt. Auch stehe der Luftverkehr mit dem Ukrainekrieg wahrscheinlich vor weiteren massiven Einschränkungen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.