Verbot ungedeckter Leerverkäufe Schäuble sagt Spekulanten den Kampf an

Die Bundesregierung will die Spekulation weiter eindämmen: Finanzminister Schäuble plant, alle ungedeckten Leerverkäufe von Aktien an deutschen Börsen zu verbieten. Doch wegen des deutschen Alleingangs drohen die Maßnahmen zu verpuffen, warnen Ökonomen.

Wolfgang Schäuble: Krisenverstärkende Transaktionen verbieten
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Wolfgang Schäuble: Krisenverstärkende Transaktionen verbieten


Berlin - Finanzminister Wolfgang Schäuble plant, das Verbot hoch riskanter Finanzgeschäfte auszuweiten. In Zukunft sollen alle ungedeckten Leerverkäufe von Aktien verboten werden, heißt es in einem Gesetzentwurf seines Ministeriums.

Mit Leerverkäufen können Investoren auf fallende Kurse wetten: Dabei leihen sie sich ein Wertpapier, verkaufen es und hoffen, es vor der fälligen Rückgabe billiger kaufen zu können. Bei ungedeckten Leerverkäufen verfügt der Spekulant noch nicht einmal über das Papier, das er verkauft.

Die Finanzaufsicht BaFin hatte in der vergangenen Woche ungedeckte Leerverkäufe von Aktien von zehn deutschen Finanzinstituten wie Allianz Chart zeigen und Deutsche Bank Chart zeigen verboten. Der Gesetzentwurf von Schäuble geht nun deutlich weiter - er sieht keine Beschränkung auf bestimmte Aktien vor, ungedeckte Leerverkäufe auf Aktien sollen generell untersagt werden.

Auch ungedeckte Leerverkäufe von Schuldtiteln der Euro in Dollar Chart zeigen-Zone und Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Staatsanleihen hatte die BaFin vergangene Woche untersagt. Diese Verbote sind nun ebenfalls Teil des Gesetzentwurfes, der kommende Woche im Kabinett beraten werden soll.

Die Finanzkrise habe eine neue Dimension erreicht, heißt es in der Begründung des Gesetzentwurfes. Es sei daher erforderlich, durch das Verbot "potentiell krisenverstärkender Transaktionen und eine verbesserte Transparenz" negative Entwicklungen der Märkte zu bekämpfen.

"Das könnte verpuffen"

Der deutsche Alleingang beim Verbot der Leerverkäufe war von mehreren EU-Ländern kritisiert worden. Auch die Privatbanken laufen dagegen Sturm. Sie kritisieren, dass das Vorpreschen der Bundesregierung das Bemühen um international abgestimmte Regeln für die Finanzbranche auf Ebene der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) erschwert.

Der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt sieht die Vorstöße ebenfalls skeptisch. "Es ist ein isolierter Schritt in einer globalisierten Welt", sagte der Chef des Essener RWI-Instituts. Deshalb könne er verpuffen.

Börsianer äußerten sich angesichts des Mangels an internationaler Abstimmung zunächst gelassen über den neuen Entwurf. Solange die Deutschen das alleine machen, sehe er das eher als sehr fraglich an, sagte ein Händler in Frankfurt. "Da müssten schon die G-20 Staaten zusammen agieren." Ein weiterer Börsianer sagte: "Solange die anderen Europäer nicht mitziehen, ist so ein Verbot recht wirkungslos."

Zumindest Österreich trägt jedoch die harte Linie der Bundesregierung mit: Die Finanzmarktaufsicht FMA hat das Verbot von ungedeckten Leerverkäufen ein weiteres Mal verlängert. Es gilt nun zunächst bis Ende November.

cte/Reuters/dpa



insgesamt 1433 Beiträge
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AndyH 23.01.2010
1.
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Ja, braucht. Und ja, Obama wird auch damit scheitern.
Klaus.G 23.01.2010
2. Nix mit Regulierung
solange die Parteien am Tropf der Banken hängen und von deren Spenden abhängig sind wird sich nie was ändern. Alle außer der Linken werden gut dotiert und darum wird sich nix ändern denn dann würde man den Banken in die Quere kommen was ja niemand will.Auch Obama wird scheiten, zu groß die Macht der Banken und deren Verflechtung mit der Politk. Glückauf.
soziale qualität 23.01.2010
3. Ein bisschen regulieren wird nicht reichen
Um aus der Boom - Krise - Falle auszubrechen wird es klare Grenzen brauchen. Ganz wichtig wäre ein Verbot der Kickbacks und Boni. Die Banker haben sich mit diesen 'Tools' eine Schmiergeldlegalisierung herausgenommen die sich zum erfolgreichen Erpressungswerkzeug entwickelt hat. Es wird auch eine Steuer auf internationalen Finanztransaktionen brauchen und einen globalen Plan zur Austrocknung der Steueroasen. Weitere wichtige Grundlagen zum Thema: www.oekonomiefueralle.blogspot.com
Adran, 23.01.2010
4.
ist nur die Rückkehr zum *Glass-Steagall Act* klick (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) also nichts neues, sondern ehr sehr altes..bewertes..
Jordan Sokoł 23.01.2010
5. Die Zerschlagung droht so oder so!
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Bezogen auf unsere bundesdeutschen Verhältnisse, muß den Bankmanagern und deren Unterstützern in der Politik klarge- macht werden, daß sie unter Umständen von einem entfessel- ten Volk (z)erschlagen werden, wenn sie sich nicht endlich vernünftigen Beschränkungen und strafbewährten Regeln unterwerfen. Unsere Bundeskanzlerin kann sich bezüglich ihrer unver- zeihlichen Zurückhaltung gegenwärtig nur auf ein einziges Argument berufen: "Ich/wir halten uns zurück, bis die Verursacher der Finanzkrise (USA, GB) regelnd in die Finanzmärkte eingreifen." Frau Merkel, die USA, England und Frankreich sind im Gegen- satz zu Ihnen sichtlich bemühter, um dem ausufernden Ge- schäftsgebaren der Finanzmanager die notwendigen Stop- zeichen vor die Nasen zu setzen. - Nun lassen Sie mal den Koch mit seinen bewußt nicht publizierten bankspezifischen Regionalinteressen rechts liegen und besinnen sich auf das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit! Jordan Sokoł
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