Boomender Markt Verbraucher kaufen mehr Biolebensmittel

Bio wird immer populärer, der Markt ist im vergangenen Jahr um sechs Prozent gewachsen. Die Deutschen geben mittlerweile sieben Milliarden Euro für Ökoprodukte aus. Kehrseite: Die Bauern kommen mit der Produktion nicht nach.
Verkäufer von Bioobst und -gemüse: Jeder kauft mindestens ein Ökoprodukt im Jahr

Verkäufer von Bioobst und -gemüse: Jeder kauft mindestens ein Ökoprodukt im Jahr

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Nürnberg - Noch vor gar nicht langer Zeit waren Biolebensmittel ein Nischenprodukt. Heute sind sie aus deutschen Kühlschränken nicht mehr wegzudenken. "Im Grunde kauft fast jeder Haushalt mindestens ein Bioprodukt im Jahr", sagt Helmut Hübsch vom Marktforschungsunternehmen GfK. 30 bis 40 Prozent der Deutschen gehörten zur intensiven Käufergruppe.

Das wirkt sich auf den Markt aus: 2012 wurden nach Angaben von Branchenexperten gut sieben Milliarden Euro mit Bioprodukten umgesetzt - ein Plus von rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wächst der Biosektor zwar nicht mehr ganz so schnell, aber immer noch stärker als der konventionelle Lebensmittelbereich.

Trotz der Rekordzahlen gibt es in der Branche aber auch Unruhe. "Wir haben ein Umsatzwachstum und eine stabile Entwicklung im Fachhandel mit einer realen Zunahme der Verkaufsfläche, aber wir haben gleichzeitig fast eine Stagnation, was die Bioanbaufläche anbelangt", sagt Alexander Gerber vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Mit anderen Worten: In Deutschland werden zwar immer mehr Biolebensmittel gegessen, aber nur wenige zusätzlich produziert. Die Folge sind weiter steigende Importe.

Biobauern müssen Flächen sogar verringern

"Da merkt man einfach, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Bioproduktion zur konventionellen Landwirtschaft schwierig ist", erklärt Gerber. Vor allem die Pachtpreisentwicklung mache den Öko-Bauern schwer zu schaffen. Wegen der Förderung von Biogasanlagen und dem dadurch entstandenen Bedarf etwa an Mais sei Ackerland inzwischen vielerorts so teuer, dass die Biobauern nicht mehr konkurrieren könnten. Zum Teil müssten sie ihre Flächen sogar verringern, statt sie zu erweitern.

Dazu kommt, dass auch die konventionell wirtschaftenden Landwirte 2012 höhere Preise erzielen konnten. Das macht es vergleichsweise unattraktiv, auf Biolandbau umzustellen - zumal die Neulinge ohnehin erst mal Einbußen hinnehmen müssen. Schließlich müssen sie zwei, drei Jahre nach biologischen Kriterien produzieren, dürfen ihre Ware derweil aber nur auf dem konventionellen Markt verkaufen.

Diese Situation macht es derzeit schwierig, neue Bauern für den Bioanbau zu gewinnen. Von der Politik wünscht sich BÖLW-Geschäftsführer Gerber deshalb vor allem eines: Dass sie sich an Vereinbarungen hält. "Es ist einfach keine Verlässlichkeit in der Förderung vorhanden, weil einzelne Bundesländer, wenn das Geld weniger wird, einfach aus der Förderung aussteigen", beklagt Gerber.

cte/dpa