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10. November 2011, 13:43 Uhr

Verdacht auf illegale Geschäfte

Razzia bei Waffenhersteller Heckler & Koch

Die deutsche Waffenschmiede Heckler & Koch ist erneut ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Rund 300 Polizisten haben Büros und Privaträume von Firmenmitarbeitern durchsucht. Der Verdacht: Das Unternehmen soll Beamte in Mexiko bestochen haben. 

Stuttgart - Der Name Heckler & Koch ist weltbekannt - die Firma aber heftig umstritten. Immer wieder muss sich der deutsche Waffenhersteller gegen Vorwürfe wehren. Mal geht es um die Lieferung von Sturmgewehren nach Libyen, mal um angebliche Bestechung in Mexiko. In diesem Fall macht die Staatsanwaltschaft Stuttgart nun offenbar ernst: Am Donnerstag durchsuchten rund 300 Polizisten den Firmensitz im schwäbischen Oberndorf.

Auch Privaträume seien durchsucht worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es gehe um den Verdacht der langjährigen Bestechung inländischer und ausländischer Amtsträger. Demnach soll das Unternehmen in Mexiko Beamte mit Bargeldzahlungen bestochen haben, um Lieferaufträge für Waffen zu erlangen. Auch in Deutschland könnte in diesem Zusammenhang Geld geflossen sein, wegen Bestechlichkeit von Amtsträgern werde aber nicht ermittelt.

Der für seine Schnellfeuerwaffen bekannte Hersteller Heckler & Koch hatte in den Jahren 2005 bis 2010 Waffen nach Mexiko geliefert. Bereits Ende 2010 hatte die Staatsanwaltschaft wegen dieser Geschäfte das Unternehmen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Außenwirtschafts- und das Kriegswaffenkontrollgesetz durchsucht. Diese Ermittlungen dauerten an, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Firma weist die Vorwürfe zurück

Die Ermittlungen hatte ein Buchautor und Rüstungsgegner im Frühjahr 2010 mit einer Anzeige ins Rollen gebracht. Das Unternehmen hatte damals die Vorwürfe zurückgewiesen: Heckler & Koch halte sich an Recht und Gesetz der Bundesrepublik Deutschland. Zu den neuen Durchsuchungen war am Donnerstag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die nach Mexiko gelieferten Waffen tauchten nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch in Unruheprovinzen des mittelamerikanischen Landes auf, wofür keine Genehmigung bestanden habe. In Mexiko herrscht seit Jahren ein erbitterter Drogenkrieg, der schon mehr als 40.000 Menschen das Leben gekostet hat. Experten gehen davon aus, dass die Drogenbanden ihre Waffen vor allem aus den USA, zum Teil aber auch aus anderen Ländern beziehen.

Auch wegen anderer Geschäfte steht Heckler & Koch in der Kritik. Im Sommer ermittelte die Staatsanwaltschaft, weil Truppen des libyschen Ex-Diktators Gaddafi Sturmgewehre der Firma vom Typ G 36 benutzt hatten.

stk/Reuters

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