Verdacht auf Insiderhandel Finanzaufsicht ermittelt gegen Immobilienboss

Er ist der Chef von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen, nun ermittelt die Börsenaufsicht BaFin gegen ihn: Gagfah-Boss William Brennan soll massenweise Aktien verkauft und dabei Insiderwissen genutzt haben. Der Manager weist den Vorwurf zurück.

Gagfah-Wohnblock in Dresden: Droht ein Milliardenstreit mit der Stadt?
dapd

Gagfah-Wohnblock in Dresden: Droht ein Milliardenstreit mit der Stadt?


Düsseldorf - Der Wohnungskonzern Gagfah ist ein Gigant auf dem deutschen Immobilienmarkt, mit 160.000 Wohnungen ist er das größte börsennotierte Unternehmen der Branche. Doch nun gerät sein Chef William Brennan ins Visier der Finanzaufsicht BaFin: Laut einem Zeitungsbericht ermittelt die Behörde gegen den Geschäftsführer wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Dies bestätigte die BaFin dem "Handelsblatt".

Brennan hatte am 3. Februar Gagfah-Aktien im Wert von 4,7 Millionen Euro verkauft. Vier Wochen später wurde bekannt, dass die Stadt Dresden eine Milliardenklage gegen die Gagfah erwägt. Bei dem Streit geht es um mögliche Pflichtverletzungen beim Kauf von Dresdener Wohnungen.

Brennan lässt die Vorwürfe dem Bericht zufolge bestreiten. Eine Gagfah-Sprecherin bestätigte dem "Handelsblatt" zwar, dass Brennan seit längerem von den Recherchen der Stadt Dresden zu diesem Thema weiß. Die Stadt habe jedoch nicht erkennen lassen, dass sie Forderungen in erheblicher Größenordnung geltend machen würde, sagte sie. Davon habe das Unternehmen erst kurz vor dem 4. März erfahren.

Brennan, der 2009 von Fortress zur Gagfah kam, verkaufte seine Aktien zum Kurs von 7,50 Euro, aktuell steht er bei knapp unter fünf Euro. Eine Milliardenklage der Stadt Dresden gegen die Gagfah würde den Kurs extrem drücken. In Erwartung einer möglichen Klage verkauften viele Anleger schon am Mittwoch massenweise Gagfah-Aktien Chart zeigen, der Kurs fiel bis zum Nachmittag um 8,7 Prozent. Damit war das Papier mit Abstand das Schlusslicht im MDax Chart zeigen.

Mieteinnahmen runter, Gewinn rauf

Der Gagfah wurde in verschiedenen Medienberichten vorgeworfen, ihre mehr als 160.000 Wohnungen in ganz Deutschland verkommen zu lassen. Das Unternehmen, das 2004 vom US-Hedgefonds Fortress für 3,5 Milliarden Euro übernommen wurde, bestreitet die Vorwürfe.

Die Gagfah konnte ihren Betriebsgewinn im abgelaufenen Jahr steigern - dank einer Reihe von Verkäufen. Die Mieteinnahmen hingegen gingen zurück. Wie das im MDax notierte Unternehmen mit Sitz in Luxemburg am Mittwoch mitteilte, sanken die Mieteinnahmen von 486,3 Millionen Euro auf 460,1 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg hingegen von 237 Millionen Euro im Vorjahr auf 348 Millionen Euro.

Anleger fürchten nun eine drohende Milliardenklage der Stadt Dresden. Diese hatte 2006 rund 48.000 Wohnungen an den Immobilienkonzern verkauft und mit dem Erlös Schulden abgebaut. Dabei wurde eine Sozialcharta für die Mieter vereinbart, gegen die Gagfah aus Sicht der Stadt aber verstoßen hat. Die Gagfah weist die Vorwürfe zurück. Wegen angeblichen Vertragsbruchs könnte Dresden nun auf bis zu 1,06 Milliarden Euro klagen. Eine endgültige Entscheidung will der Stadtrat an diesem Donnerstag fällen.

wal/dpa-AFX



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diwoka1 23.03.2011
1. Keinen Titelschutz
Zitat von sysopEr ist der Chef von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen, nun ermittelt die Börsenaufsicht BaFin gegen ihn: Gagfah-Boss William Brennan soll massenweise Aktien verkauft und dabei Insiderwissen genutzt haben. Der Manager weist den Vorwurf zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,752635,00.html
Wäre er nicht schön blöd, wenn er die sich bietenden Gelegenheiten (wie zu vermuten alle Anderen der Fettschicht)nicht ergreifen würde?? By the way, was ist eigentlich aus den Freunderl Geschäften bei AlpeAdria geworden, sind die schon aufgeklärt und staatsanwaltlich gewürdigt??
RaMaDa 23.03.2011
2. Verdacht?
Ein schönes Wort, wenn man eine Tatsache umschreiben will...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.