Verdacht auf Kartellverstöße EU-Ermittler durchsuchen deutsche Gasfirmen

Die wichtigsten deutschen Erdgaslieferanten geraten ins Visier der EU. Bei einer großangelegten Razzia haben Wettbewerbshüter Büros von E.on Ruhrgas, RWE und Gazprom Germania durchsucht. Der Vorwurf: Die Firmen sollen Märkte aufgeteilt, Konkurrenten behindert und Preise abgesprochen haben.

E.on Ruhrgas: Auch die Büros des Essener Unternehmens durchsuchten die Fahnder
dapd

E.on Ruhrgas: Auch die Büros des Essener Unternehmens durchsuchten die Fahnder


Berlin/Brüssel/Essen - Die Fahnder schlugen an mehreren Orten gleichzeitig zu: In einer europaweiten Razzia haben EU-Wettbewerbshüter an diesem Dienstag unangemeldet die Räume mehrerer Gasversorger in Ost- und Zentraleuropa durchsucht - darunter Deutschlands größte Ferngasgesellschaft E.on Ruhrgas, der Branchenriese RWE und das Unternehmen Gazprom Germania mit Sitz in Berlin.

Die Firmen würden des wettbewerbswidrigen Verhaltens oder des Wissens darüber verdächtigt, erklärte die EU-Kommission in Brüssel. Bei den mutmaßlichen Kartellverstößen gehe es um die "Versorgung mit Erdgas in mittel- und osteuropäischen" EU-Ländern.

Den Gasversorgern wird demnach vorgeworfen, Märkte aufgeteilt, Preise abgesprochen und Mitbewerber etwa beim Zugang zu ihren Erdgasnetzen behindert zu haben. Die Beschränkungen des Wettbewerbs können über mangelnde Auswahl und höhere Preise letztlich auch die Verbraucher schädigen. Absprachen von Marktkonditionen zum Schaden von Kunden sind in der EU streng verboten. Die Kommission stellte allerdings klar, dass bislang noch keine Beweise vorlägen.

"Unfaire Wettbewerbspraktiken"

Ein Sprecher von E.on bestätigte, dass die Büros des Essener Unternehmens durchsucht worden seien. Man werde "konstruktiv" mit der EU-Kommission zusammenarbeiten. Zu weiteren Einzelheiten wollte er keine Stellung nehmen.

Auch ein RWE-Sprecher bestätigte, dass es an den Sitzen in Deutschland und in Tschechien Durchsuchungen gegeben habe. Er erklärte, dass es "eine Nachprüfung zum Vorwurf von wettbewerbswidrigen Klauseln von Gaslieferverträgen von Gazprom" gegeben habe. Das Unternehmen kooperiere mit den Ermittlern, sagte er.

Ferner wurden nach Informationen der Online-Ausgabe des Magazins "Wirtschaftswoche" auch die Deutschland-Niederlassung des russischen Gazprom-Konzerns in Berlin durchsucht. Die EU-Behörde werfe auch Gazprom Germania Missbrauch der Marktmacht und Preisabsprachen vor, berichtete das Portal. "Gazprom hat nichts zu verbergen und sieht den Untersuchungen gelassen entgegen", sagte der Sprecher der deutschen Tochter des russischen Energiekonzerns, Burkhard Woelki, laut der Deutschen Presse-Agentur.

"Die EU-Kommission befürchtet, dass die Unternehmen unfaire Wettbewerbspraktiken anwenden", schrieb die Kommission. Falls die EU-Wettbewerbshüter später ein förmliches Kartellverfahren eröffnen sollten, drohen den beteiligten Unternehmen Bußgelder von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes - also potentiell riesige Summen.

bos/kra/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 48 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tadaa79 27.09.2011
1. Eu
Die EU ist die letzte Hoffnung. Deutschland selbst partizipiert direkt an steigenden Gas- und Ölpreisen, hat überhaupt kein Interesse dazwischen zu gehen.
Geziefer 27.09.2011
2. Anzeigen-Kampagne
Zitat von sysopDie größten deutschen Erdgaslieferanten geraten ins Visier der EU. Bei einer groß angelegten Razzia haben Wettbewerbshüter Büros von E.on Ruhrgas, RWE und Gazprom Germania durchsucht - Vorwurf: Die Firmen sollen Märkte aufgeteilt, Konkurrenten behindert und Preise abgesprochen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,788733,00.html
Aha. Und deshalb heute die großformatige E.ON-Farb-Anzeigen-Kampagne in einigen Tageszeitungen? Wie hieß es da? "Könnt Ihr mal mit kleinen Preisen Größe zeigen, E.ON?" (...) "Unser Erdgaspreis bleibt konstant - mindestens bis zum Frühling. (...) Jetzt zu E.ON wechseln."
kanadasirup 27.09.2011
3. Alle Jahre wieder
kommt die EU zu Besuch bei der Ruhrgas. Das war schon vor 15 Jahren so. Da wurde genau derselbe Quatsch verzapft wie heute. Das Resultat: Die Ruhrgas gibt es bald nicht mehr. Freut euch, ihr deutschen Nörgler! Demnächst dürft ihr dank Liberalisierung und Regulierung euer Gas direkt bei Gazprom kaufen...
br0iler 27.09.2011
4. wundert das irgendwen?
hat jetzt wirklich einer ernsthaft geglaubt, dass es beim Erdgas anders abläuft als bei Öl und Benzin? Nein, da gibts wirklich keine Absprachen. Wirklich nicht. Ehrlich! Warum sollte das so sein?
klausdieterbrandt 27.09.2011
5. Es gibt genügend Alternativen zu den Quasi-Monopolisten
Zitat von kanadasirupkommt die EU zu Besuch bei der Ruhrgas. Das war schon vor 15 Jahren so. Da wurde genau derselbe Quatsch verzapft wie heute. Das Resultat: Die Ruhrgas gibt es bald nicht mehr. Freut euch, ihr deutschen Nörgler! Demnächst dürft ihr dank Liberalisierung und Regulierung euer Gas direkt bei Gazprom kaufen...
Nein, die Verbraucher laufen der Herde hinterher und lassen sich von teurer Werbung der großen Energiekonzerne einfangen. Jeder kann bei sich anfangen. Wenn nur genügend Leute mal über ihre privaten Energie-Verträge nachdenken würden, die Preise und Lieferanten überprüfen würden, und nicht einfach immer die aktuelle Strom- und Gasabrechnung nur abheften würden und blind die Rechnung zahlen. Es gibt genügend Möglichkeiten, Preise und Anbieter zu vergleichen wie bei den Preisvergleichsseiten wie Check24 & Co. Noch besser, man organisiert sich seine Verträge gleich bei einem neutralen Vertragsoptimierer wie http://www.contractix.de - diese Seiten schaffen genügend Transparenz und keiner muss nur zu EON rennen, weil die so nette Werbung machen und mit allen Politikern kungeln. Informiert Euch, vergleicht - und überlegt dann, bei wem ihr Strom, Gas etc. kauft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.