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14. Januar 2010, 11:32 Uhr

Verdacht auf Preisabsprachen

Kartellamt durchsucht Handelskonzerne

Schwere Zeiten für den deutschen Einzelhandel: Das Bundeskartellamt hat die Räume mehrerer Branchenriesen durchforstet - unter anderem von Metro, Edeka, Rewe und Rossmann. Auch Hersteller von Markenartikeln, wie zum Beispiel Mars, sind von der Großrazzia betroffen. Die Unternehmen werden illegaler Preisabsprachen verdächtigt.

Bonn - Das Bundeskartellamt greift durch: Die Behörde hat die Geschäftsräume von elf deutschen Einzelhandelsunternehmen und vier Markenartikelherstellern durchsuchen lassen. Es bestehe der Verdacht, dass sich die Markenartikler mit den Einzelhändlern in den Produktbereichen Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung über die Gestaltung der Endverbraucherpreise abgestimmt haben.

Zudem seien gegen weitere Handelsunternehmen Verfahren schriftlich eingeleitet worden, teilte das Kartellamt am Donnerstag mit. An der Durchsuchung beteiligten sich 56 Mitarbeiter des Bundeskartellamts und 62 Polizeibeamte.

Im Visier der Ermittler waren dabei neben einigen Markenartikelherstellern aus dem Konsumgüterbereich vor allem Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, Drogeriewarenmärkte und Tierbedarfshändler. Namen nannte das Bundeskartellamt zunächst nicht. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ist unter anderem der größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler Edeka von der Durchsuchung betroffen, der Konkurrent Kaiser's Tengelmann dagegen nicht. Auch bei Rewe und dem größten deutschen Handelskonzern Metro erschienen die Ermittler.

Auch bei der Drogeriemarktkette Rossmann standen die Kartellwächter vor der Tür. Seit Donnerstag vormittag seien Beamte des Kartellamtes und der Kriminalpolizei im Haus, bestätigte ein Sprecher des Unternehmens in Großburgwedel bei Hannover.

Unternehmen wollen sich Strafnachlass sichern

Inzwischen bestätigte ein Sprecher der Mars Holding GmbH auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass die Büros von Mars Chocolate in Viersen durchsucht worden seien. "Wir arbeiten vollständig mit dem Bundeskartellamt zusammen", so der Sprecher. Weitere Angaben wollte das Unternehmen nicht machen.

Der Verdacht der Behörde: Die Markenartikelhersteller sollen sich mit den Händlern über die Gestaltung der Endverbraucherpreise abgestimmt haben. Dies wäre der Wettbewerbsbehörde zufolge ebenso verboten wie etwa Herstellerkartelle. Den Unternehmen drohen Geldbußen.

Bereits im Dezember hatte das Kartellamt eine Strafe von 160 Millionen Euro gegen die Kaffeehersteller Tchibo, Melitta und Dallmayr verhängt. Die Konzerne sollen über Jahre Preise abgesprochen haben. Wahrscheinlich sind die Durchsuchungen vom Donnerstag eine Folge der Ermittlungen zum Kaffeekartell.

Dass immer mehr Kartelle auffliegen, hat nach Meinung vieler Experten einen einfachen Grund: Es melden sich zunehmend Kronzeugen beim Kartellamt, die Sorge vor einer Aufdeckung der Absprachen haben und sich zumindest einen Strafnachlass sichern wollen.

böl/APN/Reuters/ddp/Dow Jones/dpa-AFX

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