Verdacht auf schwere Untreue Hunderte Ermittler filzen Landesbank LBBW

Großeinsatz bei der Landesbank Baden-Württemberg: 240 Ermittler haben Büros des staatseigenen Finanzinstituts in Stuttgart und zehn Privatwohnungen durchsucht. Mehrere Vorstandsmitglieder stehen im Verdacht der schweren Untreue bei riskanten Finanzgeschäften - darunter auch ein Ex-Vorstandschef.

Landesbank Baden-Württemberg: Verdacht schwerer Untreue
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Landesbank Baden-Württemberg: Verdacht schwerer Untreue


Stuttgart - Überraschungseinsatz am Montag gegen 9 Uhr: Neben Staatsanwälten haben 240 Ermittler des Landeskriminalamts und der Polizei die Zentrale der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart und zehn Privatwohnungen durchsucht.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise bei der größten deutschen Landesbank wegen des Verdachts der schweren Untreue. Die Staatsanwaltschaft wirft sieben amtierenden und ehemaligen Vorstandsmitgliedern vor, das Vermögen des Finanzinstituts pflichtwidrig durch Geschäfte mit US-Hypothekenanleihen gefährdet oder geschädigt zu haben.

Nach Angaben der Behörde besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten seit Ende 2006 unter Verletzung ihrer Pflichten Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe in hoch riskante Finanzgeschäfte tätigten oder ermöglichten, obwohl im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise der Markt für Hypothekenanleihen damals unmittelbar vor dem Zusammenbruch gestanden habe. Entsprechend hätten solche Investitionen ein unkalkulierbares Risiko geborgen.

Massive Fehlspekulationen

Die Höhe des tatsächlich entstandenen Schadens durch die Geschäfte stehe noch nicht fest, hieß es weiter. Der Staatsanwaltschaft zufolge dürfte er jedoch in Millionenhöhe liegen. Vorermittlungen zu den Geschäften mit US-Hypothekenanleihen hatte die Behörde bereits Ende 2008 aufgenommen. Vor wenigen Wochen wurde schließlich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Bei sechs der Beschuldigten handelt es sich nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp um amtierende Vorstandsmitglieder. Zudem ist der frühere Institutschef Siegfried Jaschinski betroffen, der im Frühjahr ausgeschieden war, nachdem die Gesellschafter seinen Vertrag wegen der Krise der Bank nicht mehr verlängert hatten. Haftbefehle gegen die Beschuldigten wurden nicht beantragt. Nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft befinden sich alle Betroffenen auf freiem Fuß. Gegen den LBBW-Vorstandsvorsitzenden Hans-Jörg Vetter wird dem Vernehmen nach nicht ermittelt.

Sollte sich der Verdacht der Untreue in besonders schwerem Fall erhärten, drohen den Beschuldigten bis zu zehn Jahre Haft.

Das Institut selbst wollte sich zu konkreten Fragen von SPIEGEL ONLINE zu den erhobenen Vorwürfen und dem Umfang der Durchsuchungen, die am Montagmittag noch andauerten, nicht äußern. Eine Sprecherin sagte nur, die LBBW unterstütze die Ermittlungen "vollumfänglich, um zu einer raschen Aufklärung des Sachverhaltes beizutragen".

Die LBBW hatte sich in der Finanzkrise massiv verspekuliert und musste von den Eignern - neben dem Land auch die baden-württembergischen Sparkassen und die Stadt Stuttgart - mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro und Garantien für Risikopapiere in Höhe von 12,7 Milliarden Euro gestützt werden. Daraufhin kündigte die größte deutsche Landesbank einen massiven Stellenabbau an.

Auch im laufenden Geschäftsjahr ist die größte deutsche Landesbank tief in den roten Zahlen. Nach den ersten neun Monaten steht unter dem Strich ein Minus von 620 Millionen Euro in den Büchern. Belastet hat die Bilanz vor allem die wegen der Wirtschaftskrise notwendige hohe Absicherung gegen die zunehmende Gefahr von Kreditausfällen. Außerdem schlugen sich die Kosten für den Umbau der angeschlagenen Bank nieder.

LBBW-Chef Vetter rechnet damit, dass dies dem Branchenprimus auch im Schlussquartal zusetzen wird. Für das Gesamtjahr 2009 geht er von einem deutlichen Verlust aus; nach dpa-Informationen werden es knapp zwei Milliarden Euro sein.

böl/fro/ddp/Dow Jones/AP/dpa



insgesamt 111 Beiträge
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wolfi55 07.12.2009
1. Hängt das mit dem Weggang von Oettinger zusammen?
War das der Grund dafür, dass der Oettinger so Knall auf Fall in Richtung Brüssel abgeschoben wurde? Könnte es sein, dass der da auch die Finger drin hatte? Ich halte den persönlich für zu blöde, da eine eigenen Vorteil daraus zu ziehen.
elwu, 07.12.2009
2. Ah,
Zitat von sysopHunderte Ermittler filzen die LBBW. Was ist los bei der Landesbank? Haben die Kontrolleure versagt?
mal wieder eine rhetorische Frage.
BardinoNino 07.12.2009
3. Ganz schön blöde Fragen!
Zitat von sysopHunderte Ermittler filzen die LBBW. Was ist los bei der Landesbank? Haben die Kontrolleure versagt?
Besonders, wenn sie von DEM deutschen Nachrichtenmagazin gestellt werden!
BeckerC1972, 07.12.2009
4.
Zitat von sysopHunderte Ermittler filzen die LBBW. Was ist los bei der Landesbank? Haben die Kontrolleure versagt?
Ich schaue gerade mal in meine Glaskugel... ...ernsthaft, Sysop, da rennen also jetzt Ermittler bei der LBBW rum und keiner weiß, was eigentlich los ist. Aber wir können schon mal eine Meinung abgeben? Bombenalarm? *seufz*
lomay 07.12.2009
5. Das....
Zitat von sysopHunderte Ermittler filzen die LBBW. Was ist los bei der Landesbank? Haben die Kontrolleure versagt?
...Warnsystem der Justiz zugunsten der Banker hat entweder versagt (falls relevante Daten gefunden werden) oder, wenn nichts gefunden wird, hat man die Banker früh genug gewarnt. Zeit in Fülle verging ja.
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