Wochenende wird um einen Tag verschoben Vereinigte Arabische Emirate führen Viereinhalbtagewoche ein

Als erstes Land der Welt rücken die Emirate von der Fünftage-Arbeitswoche ab. Das Land passt sich außerdem dem westlichen Wochenendrhythmus an – anders als alle seine Nachbarstaaten.
Straßenarbeiter in den Emiraten: Bekommen sie am Samstag und am Sonntag Wochenende?

Straßenarbeiter in den Emiraten: Bekommen sie am Samstag und am Sonntag Wochenende?

Foto: Kamran Jebreili / AP

Erst inszenierten sich die Vereinigten Arabischen Emirate als Sehnsuchtsort für Influencer, nun wagt das Land auch außerhalb der Stadt Dubai einen westlicheren Stil – in Sachen Arbeitszeit und Wochenrhythmus.

Konkret kürzt das Land die Arbeitswoche um einen halben Tag auf viereinhalb Tage pro Woche. Das Wochenende soll außerdem von Freitag und Samstag auf Samstag und Sonntag verschoben werden, wie die staatliche Nachrichtenagentur WAM berichtete . Zuvor galt in dem muslimisch geprägten Golfstaat eine Arbeitswoche von Sonntag bis Donnerstag.

Die neuen Arbeitszeiten werden ab Januar Pflicht für Regierungseinrichtungen und sollen die Balance zwischen Arbeits- und Privatleben sowie die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessern, hieß es laut WAM zur Begründung. Und: »Die Vereinigten Arabischen Emirate sind die erste Nation der Welt, die eine nationale Arbeitswoche von weniger als der üblichen Fünftagewoche einführt.« Die neue Regelung gilt demnach auch für Schulen.

Firmen können Geschäftszeiten selbst festlegen

Die Emirate werden so zum ersten Golfstaat mit einem Wochenende am Samstag und am Sonntag. Das verlängerte Wochenende soll dann am Freitagmittag beginnen, damit Muslime das Freitagsgebet wahrnehmen können. Der Schritt werde die Emirate »besser mit globalen Märkten in Einklang bringen und den Status des Landes auf der globalen wirtschaftlichen Landkarte widerspiegeln.«

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Mit der Verschiebung des Wochenendes distanzieren sich die Emirate weiter von anderen Ländern in der Region, darunter auch von dem Nachbarland Saudi-Arabien. Im vergangenen Jahr hatte die Regierung zudem mit einem jahrzehntealten Konsens der arabischen Staaten gebrochen und die Beziehungen zu Israel entspannt. Auf diese Weise normalisierte sich auch der Handel.

Privatfirmen können laut dem leitenden Ökonomen der Beratungsfirma Oxford Economics Middle East, Scott Livermore, indes selbst entscheiden, nach welcher Arbeitswoche sie ihre Geschäftszeiten richten. Livermore hält es jedoch für wahrscheinlich, dass sie sich am öffentlichen Sektor und somit an der neuen Viereinhalbtagewoche und dem neuen Wochenende orientieren werden.

Höhere Produktivität durch kürzere Arbeitszeit?

Die Neuausrichtung der Arbeitszeit an den in Europa und Asien gängigen Modellen werde »international orientierten Unternehmen helfen, die ein wichtiges Standbein der Wirtschaft sind und Investitionen anlocken könnten«, sagte Livermore der Nachrichtenagentur AFP. Gleichzeitig könne eine kürzere Arbeitswoche auch zu höheren Kosten führen. Es gebe jedoch auch Hinweise darauf, dass eine kürzere Arbeitswoche die Produktivität in der erwerbstätigen Bevölkerung steigere.

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam im Mai zu dem Schluss, dass Wochenarbeitszeiten von 55 Stunden oder mehr mit einem deutlich höheren Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko einhergehen. Demnach stieg die Zahl der Todesfälle durch Herzerkrankungen im Zusammenhang mit langen Arbeitszeiten zwischen 2000 und 2016 um 42 Prozent. In vielen Ländern ist eine Wochenarbeitszeit von 35 bis 40 Stunden die Norm. Doch vor allem in Südostasien und im Westpazifik-Raum liegt sie laut der Studie oft deutlich höher.

apr/AFP