Überraschender Schritt Verena Bahlsen zieht sich aus Tagesgeschäft des Keksherstellers zurück

Mit unbedachten Äußerungen über Bahlsens NS-Vergangenheit machte sie einst Schlagzeilen. Später übernahm Verena Bahlsen eine führende Rolle im Familienunternehmen. Nun zieht sich die 29-Jährige überraschend zurück.
Verena Bahlsen: Überraschender Rückzug aus dem Familienunternehmen

Verena Bahlsen: Überraschender Rückzug aus dem Familienunternehmen

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Monika Skolimowska/ DPA

Umbruch in Hannover: Nach fast zehn Monaten ohne Führungsspitze gibt sich der Kekshersteller Bahlsen einen neuen Chef. Wie das Unternehmen mitteilte , übernimmt Alexander Kühnen, derzeit Geschäftsführer beim Hamburger Feinkosthersteller Carl Kühne, zum 1. Januar 2023 die Leitung bei Bahlsen. Der Kekshersteller hat seit Jahren mit einem stagnierenden Geschäft zu kämpfen, bereits im Januar 2022 hatte man sich vom damaligen Firmenchef Phil Rumbol getrennt.

Gleichzeitig mit Kühnens Einstieg verkündete das Unternehmen aus Hannover eine weitere Personalie: Verena Bahlsen werde »ihre aktive Rolle als Chief Mission Officer« zum Ende des Jahres beenden. Zwar bleibe sie dem Unternehmen als Gesellschafterin erhalten. Zukünftig wolle sie sich jedoch »neuen Projekten außerhalb von Bahlsen widmen«. Verena Bahlsen waren lange Zeit Ambitionen auf die Firmenleitung nachgesagt worden. Sie war erst nach der Trennung von Phil Rumbol in das Führungsgremium des Unternehmens aufgestiegen.

Verena Bahlsen war einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden durch umstrittene Äußerungen über die NS-Vergangenheit des Unternehmens. »Wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt«, hatte sie im Jahr 2019 gesagt. Vor Gericht seien Klagen von Zwangsarbeitern abgewiesen worden. »Bahlsen hat sich nichts zuschulden kommen lassen.« Recherchen des SPIEGEL legten damals nahe, dass die Geschichtsschreibung der Familie so nicht stimmen konnte .

Der Einstieg Verena Bahlsens in das Familienunternehmen einige Jahre später war auch deswegen überraschend gekommen, weil Werner Bahlsen sich zuvor gegen eine zu verantwortungsvolle Rolle seiner vier Kinder in dem Unternehmen ausgesprochen hatte. »Ein Unternehmen ist kein Spielfeld für Unternehmerkinder«, hatte er dem »Handelsblatt « gesagt.

sol
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