Vergiftetes Angebot Gazprom will Nabucco-Konsortium sprengen

Gazprom verschärft seinen Kampf gegen die europäische Nabucco-Pipeline: Der russische Gaskonzern hat laut "Handelsblatt" dem Initiator RWE ein Angebot gemacht. Die Deutschen sollen sich an South Stream beteiligen - dem russischen Konkurrenzprojekt.
Gazprom-Zentrale in Moskau: Einladung an RWE

Gazprom-Zentrale in Moskau: Einladung an RWE

Foto: Sergei Ilnitsky / dpa

Düsseldorf - Die Verhandlungen über die Nabucco-Pipeline stocken, nun wittert Gazprom seine Chance: Der russische Gasriese hat den Essener RWE-Konzern eingeladen, sich am Konkurrenzprojekt South Stream zu beteiligen, berichtet das "Handelsblatt". Die Zeitung beruft sich auf mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen.

Die Nabucco-Pipeline würde Europas Abhängigkeit von Russland reduzieren, sie soll Gas aus Turkmenistan und Aserbaidschan nach Europa bringen. Momentan kommen 25 Prozent des europäischen Erdgases aus Russland - in Deutschland sind es sogar 37 Prozent.

Der russische Gaskonzern Gazprom will die von mehreren europäischen Energiekonzernen initiierte Pipeline unbedingt verhindern und verfolgt mit South Stream Pläne für eine eigene südliche Pipeline . Gazprom-Vizechef Alexander Medwedjew soll sich nun mit einem Angebot an RWE gewandt haben. Würde es Gazprom gelingen, den deutschen Konzern aus dem Nabucco-Konsortium herauszubrechen, wäre das Projekt kaum mehr zu halten, schreibt das "Handelsblatt". RWE wollte das Angebot auf Anfrage der Zeitung weder bestätigen noch dementieren. Der zuständige Chef der Tochtergesellschaft Supply & Trading, Stefan Judisch, sagte nur: "Wir stehen zu Nabucco und sehen derzeit kein ähnliches Projekt, was ähnlich sinnvoll ist."

Gazprom nutzt die aktuelle Schwäche des Konsortiums, dessen Verhandlungen mit den potentiellen Lieferländern Turkmenistan und Aserbaidschan sich schwierig gestalten. Trotz jahrelanger Bemühungen kann das Nabucco-Konsortium keine belastbaren Lieferzusagen für die Pipeline vorweisen. Solange dies nicht der Fall ist, kann der Bau der 3300 Kilometer langen Pipeline, die von der türkischen Ostgrenze bis nach Österreich führen soll, nicht beginnen.

Nabucco soll nach der derzeit noch gültigen Planung spätestens 2015 das erste Gas nach Westeuropa liefern. Gazprom dagegen zielt mit dem South-Stream-Projekt darauf ab, den Einfluss der Pipeline-Transitländer Weißrussland und Ukraine zu reduzieren. Mit beiden Ländern hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Streitigkeiten gegeben, die zu empfindlichen Störungen der Gaslieferungen führten. South Stream umgeht die beiden Länder.

cte/Reuters
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