Vergleich der Arbeitskosten Wie Deutschland die EU-Konkurrenz abhängt

Die Exportmacht Deutschland verärgert EU-Partner wie Frankreich. Warum sind die hiesigen Unternehmen eigentlich so erfolgreich? Ein EU-Vergleich zeigt: Die Bundesrepublik konnte ihre Wettbewerbsposition radikal verbessern - weil die Arbeitskosten langsamer steigen als bei den Nachbarn.

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Hamburg - Die deutsche Wirtschaft freut es, Kritiker aus dem Ausland beklagen es: Deutschland erobert sich im EU-Vergleich immer bessere Wettbewerbsbedingungen - und festigt damit seine Stellung als europäische Exportmacht Nummer eins.

Grund sind die langsam steigenden Arbeitskosten. Im vierten Quartal 2009 haben sie sich lediglich um 1,2 Prozent erhöht. Europaweit lag der Anstieg bei 2,4 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Auch in der Euro-Zone ging es mit 2,2 Prozent schneller aufwärts als in Deutschland.

Das heißt: Die Produktion in Deutschland wird relativ gesehen immer günstiger, Waren aus anderen europäischen Ländern dagegen immer teurer. Für die deutsche Wirtschaft ist das gut, für die EU-Partner ärgerlich: Aus ihrer Sicht überschwemmen die deutschen Firmen die Märkte mit ihren Produkten, die immer wettbewerbsfähiger werden.

Anfang der Woche eskalierte der Streit: Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde empörte sich öffentlich über die hohe Exportquote der Deutschen - und empfahl ihnen, mehr französische Produkte zu kaufen.

Aber was ist dran an der Kritik? Gibt es nicht realwirtschaftliche Gründe, die den Exporterfolg der Deutschen erklären?

Der EU-Vergleich zeigt: In anderen Ländern sind die Arbeitskosten massiv gestiegen. Die größten Zuwächse wurden in Bulgarien (plus 11,3 Prozent), Österreich (plus 6,5 Prozent) und Polen (plus 5,7 Prozent) festgestellt. Nur in den krisengeplagten baltischen Ländern Litauen, Lettland und Estland gab es deutliche Rückgänge.

SPIEGEL ONLINE zeigt die Entwicklung der Arbeitskosten in ausgewählten europäischen Ländern:

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EU-Ranking: Billige Arbeit, teure Arbeit

manager magazin mit Material von ddp

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ergoprox 02.03.2010
1.
Zitat von sysopChina hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Ist das ein Nachteil für die heimische Wirtschaft? Oder ist die Bundesrepublik ohnehin zu abhängig von ihren Ausfuhren - sollte stattdessen die Binnennachfrage gestärkt werden?
Na und? Nein. Ja.
kryptiker51, 02.03.2010
2.
Zitat von sysopChina hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Ist das ein Nachteil für die heimische Wirtschaft? Oder ist die Bundesrepublik ohnehin zu abhängig von ihren Ausfuhren - sollte stattdessen die Binnennachfrage gestärkt werden?
Genau so wichtig wie Pils, Kölsch, Alt oder Köstritzer Schwarzbier.
Bernd_Br. 02.03.2010
3. neuer Trend
Was haben die Leute bloß gegen Export. Ob die Gewinne in Euro oder Dollar erzielt werden, ist doch egal.
lieven, 02.03.2010
4.
Zitat von kryptiker51Genau so wichtig wie Pils, Kölsch, Alt oder Köstritzer Schwarzbier.
Prima. Dann eröffnen wir demnächst neben dem örtlichen Getränkehandel den ersten Markt für Erz-Förderanlagen. Das wird der Renner und ich freue mich schon, Sie als ersten Kunden begrüßen zu dürfen. Ich hoffe dabei, dass Ihr Grundstück eine entsprechende Größe hat, wird sonst eng. Ich werde nun gleich ein paar Verbands-Kollegen kontaktieren, die werden sicher ganz verzückt jubilieren. Da eröffnen sich ja ganz neue Perspektiven.
ergoprox 02.03.2010
5.
Zitat von Bernd_Br.Was haben die Leute bloß gegen Export. Ob die Gewinne in Euro oder Dollar erzielt werden, ist doch egal.
Erzählen Sie das mal denen, die gerade mit hängen und würgen den Griechen "helfen" wollen, ähm sollen, ähm müssen.
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