Vergütungsregelungen Commerzbank-Chef Blessing verteidigt Top-Gehälter

Die Union will die Gehälter bei der Commerzbank deckeln - doch das Geldhaus nimmt das nicht hin: Bankchef Martin Blessing verteidigt in einem Brief an Fraktionschef Kauder die Vergütungen. Nur so sei eine schnelle Rückkehr in die Gewinnzone möglich.

Commerzbank-Chef Blessing (l.): Ohne Top-Gehälter keine schnellen Gewinne
AP

Commerzbank-Chef Blessing (l.): Ohne Top-Gehälter keine schnellen Gewinne


Düsseldorf - Sie gelten als Verursacher der weltweiten Finanzkrise: hochbezahlte Bankmanager, die oft Millionen einstreichen. Die hohen Gehälter der Topbanker stehen erneut in der Kritik. Commerzbank-Vorstandsvorsitzender Martin Blessing wehrt sich gegen die Pläne der CDU, die Vergütungsregeln für Bankmanager staatlich gestützter Finanzinstitute deutlich zu verschärfen. "Die schnelle Rückkehr der Commerzbank Chart zeigen in die Gewinnzone zeigt, dass unsere Entscheidung, ausgewählten Mitarbeitern mehr als 500.000 Euro zu zahlen, richtig war", zitiert das "Handelsblatt" aus einem Brief von Blessing an Unions-Fraktionschef Volker Kauder.

Der Bankenchef steht derzeit zwischen den Stühlen. Seit einem Jahr ist seine Commerzbank teilverstaatlicht. Seitdem hat der Bund eine Sperrminorität, kann also wichtige strategische Entscheidungen der Banker, die eine Dreiviertelmehrheit erfordern, per Veto verhindern.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die 18 Milliarden Euro Staatshilfe schnellstmöglich zurück. Der Bund plant nun, Vergütungsobergrenzen für Bankenmanager durchzusetzen. Die Idee dahinter: Wer Staatshilfen in Anspruch nimmt, darf keine üppigen Gehälter zahlen. Wirklich große Gewinne machen die Banken allerdings im Investment-Bereich. Top-Leuten in dieser Sparte zahlen Banken deshalb oft Millionengehälter, um sie an das Unternehmen zu binden. Nach Informationen der Zeitung hat die Commerzbank 35 "ausgewählten Führungskräften und Spezialisten im Investmentbereich" mehr als 500.000 Euro ausgezahlt.

Stabilisierung der Bank hat oberste Priorität

Dem Vorstand der Commerzbank sei "die schwierige kommunikative Lage für Sie bewusst", heißt es in dem Brief weiter. So sei der breiten Bevölkerung nur schwer zu vermitteln, warum einzelne Bankmitarbeiter besser bezahlt werden sollen als der Vorstand, für den eine Gehaltsdeckelung gelte. Als Vorstand müsste er aber Entscheidungen treffen, die dem Wohl der Bank dienten und im Interesse aller Aktionäre seien. Die Stabilisierung der Bank und eine möglichst schnelle Rückführung der vom Steuerzahler gewährten Unterstützung hätten oberste Priorität, erklärte Blessing.

Der Bankchef bezeichnet die Zahl in dem Schreiben an Kauder als "vertretbar" und erklärte, das Vergütungssystem der Commerzbank sei mit dem Bankenrettungsfonds Soffin abgestimmt. Eine Stellungnahme zu dem Brief lehnte er ab.

dis/dapd/dpa



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