Einigung bei Honorarverhandlungen Kassenärzte erhalten 800 Millionen Euro mehr

Die Vergütung der niedergelassenen Ärzte in Deutschland wird im kommenden Jahr um rund 800 Millionen Euro steigen. Auf diese moderate Summe einigten sich Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenversicherungen überraschend schnell.

Behandlung von Kassenpatienten: Ärzte erhalten 2015 höhere Honorare
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Behandlung von Kassenpatienten: Ärzte erhalten 2015 höhere Honorare


Berlin - Die Einigung stand bereits nach einer halben Stunde: Die Vertreter der Kassenärzte und der Krankenkassen haben sich in der zweiten Verhandlungsrunde auf eine Erhöhung der Honorare für 2015 verständigt. Insgesamt steigt die Vergütung der niedergelassenen Ärzte um 800 Millionen Euro, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gemeinsam mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mitteilte. Die ausgehandelten Erhöhungen gelten für rund 150.000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Sie sind ungefähr so groß wie für dieses Jahr.

Die Gesamtsumme verteilt sich auf mehrere Posten: Bei den Fachärzten steigen die Pauschalen in der Grundversorgung um insgesamt 132 Millionen Euro. Um die gleiche Summe erhöht sich auch die Vergütung der Hausärzte, wobei insbesondere Hausbesuche besser bezahlt werden sollen. Das meiste Geld fließt in eine Erhöhung des sogenannten Orientierungspunktwertes um 1,4 Prozent auf 10,27 Cent. Jede ärztliche Leistung hat einen solchen Punktwert und wird danach abgerechnet.

Die Einigung beinhalte auch, dass einige Leistungen der Fach- und Hausärzte nun nicht mehr mit Pauschalen abgegolten würden, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl auf Anfrage von SPIEGEL Online. Stattdessen würden die Behandlungen entsprechend der Nachfrage und des Aufwands bezahlt. Um welche Leistungen es sich dabei genau handelt, soll noch geklärt werden.

Die Honorarverhandlungen hatten vor einer Woche begonnen. Die KBV war mit zwei Zielen in die Gespräche mit dem GKV gegangen: höhere Vergütungen und eine Aufhebung der Budgetbegrenzung. Bei der Forderung nach höheren Honoraren hatte die KBV nach eigenen Angaben das Gehalt eines Oberarztes ein Richtwert angesetzt. Dieses liege derzeit bei 133.000 Euro im Jahr. Damit Kassenärzte ebenfalls ein vergleichbares Einkommen erzielten, müssten insgesamt rund drei Milliarden Euro zusätzlich ins System gegeben werden. Für die Aufhebung der Budgetbegrenzung waren weitere zwei Milliarden Euro veranschlagt worden.

Die nun ausgehandelte Erhöhung um lediglich 800 Millionen Euro wertet die KBV jedoch nicht als Niederlage. Die ausgegebenen fünf Milliarden Euro seien ein langfristiges Ziel, sagte Sprecher Stahl. Die jetzt erfolgte Einigung sei ein erster Schritt dorthin.

jbe/dpa

insgesamt 21 Beiträge
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aufmerksamer Leser 27.08.2014
1. Ärzte auf dem Land?
Gibt es dadurch einen einzigen Arzt mehr auf dem Land? Wird dadurch der Ärztemangel im ländlichen Raum behoben?
CommonSense2006 27.08.2014
2. Das kommt dabei raus
wenn zwei Seiten sich einigen müssen, wie das Geld von Dritten (uns) ausgegeben werden soll: Erstmal mehr ausgeben... Mit welchem Recht fordert die KBV eigentlich, dass niedergelassene Ärzte das gleiche Geld verdienen sollen wie ein Oberarzt? Wie dreist!
genesys 27.08.2014
3. Denkanstoss
Denjenigen, die hierzu gerne eine Neiddebatte führen möchten sei folgender Denkanstoss gegeben: Ärzte gehören zu den wenigen Berufsgruppen, von deren Wirken jeder Mensch in unserem Land profitiert. Alleine dieser Gedanke sollte schon ausreichend gegen eine Neiddebatte wirken.
d.u.s 27.08.2014
4. @ CommonSense2006
Naja, was sollen sie denn fordern, dass ein erfahrener, evtl. langjährig niedergelassener Arzt, inklusive gewissem unternehmerischem Risiko, soviel verdient wie ein junger Assistenzarzt ohne Zuschläge? Abgesehen davon will natürlich jeder für sich was rausholen..
kdshp 27.08.2014
5.
WOW gehaltsteigerungen von 3-12% sind ja recht üppig in so schweren zeiten wo es an allen ecken und kanten fehlt.
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