Konflikt mit Gewerkschaft Einzelhandel fordert einfachere Ladenöffnung am Sonntag

Der Einzelhandel ist enttäuscht von der zweiten Adventswoche - und nutzt die mauen Zahlen zur Kritik am Widerstand gegen verkaufsoffene Sonntage. Dabei erwartet er insgesamt ein gutes Weihnachtsgeschäft.
Einkaufsstraße in Berlin

Einkaufsstraße in Berlin

Foto: Bernd Von Jutrczenka/ picture alliance / dpa

Weniger Umsatz als in der Vorwoche und als im Vorjahr: Die zweite Woche des Weihnachtsgeschäfts ist für den deutschen Einzelhandel enttäuschend verlaufen. Der Fachhandel in den Innenstädten, besonders Händler für Bekleidung, Uhren und Schmuck, leide unter "schwachen Besucherfrequenzen", teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) mit.

Der Branchenverband verbindet die Statistik mit einer Warnung vor verödeten Innenstädten - vor allem wegen des starken Wachstums des Onlinehandels. Politik, Kommunen und Gewerkschaften seien gefordert, Innenstädte attraktiv zu erhalten und dem Handel dort die gleichen Chancen einzuräumen wie dem Onlinehandel, fordert der HDE.

Konkret erhofft sich die Branche von mehr verkaufsoffenen Sonntagen einen Schub. Allerdings genehmigen einige Kommunen wie etwa München nur wenige Sonntagsöffnungen im Jahr, auch die Gewerkschaft Ver.di ist gegen regelmäßige Sonntagsarbeit der Beschäftigten in der Branche. Die Arbeitnehmervertreter können auf die Erfahrung mit der Liberalisierung der Öffnungszeiten am Samstag ab den Neunzigerjahren verweisen: In der Folge stieg der Anteil der Arbeitnehmer mit Wochenendarbeit in Deutschland deutlich.

In den vergangenen Monaten waren Gegner der Sonntagsöffnung immer wieder vor Gerichten erfolgreich und konnten so bereits erteilte Genehmigungen wieder kippen.

Diesen Widerstand kritisiert HDE-Chef Josef Sanktjohanser nun gegenüber der "Passauer Neuen Presse" als "aus der Zeit gefallen". Der Gewerkschaft Ver.di warf Sanktjohanser eine Verweigerung vor, "konstruktiv über Sonntagsöffnungen zu sprechen". Die kurzfristig von den Gerichten gekippten Genehmigungen seien schädlich. "Davon müssen wir wegkommen, die Händler brauchen hier mehr Planungssicherheit."

Sanktjohansers Argument: Das Einkaufserlebnis sei "das stärkste Pfund" der stationären Händler - sie sollten daher die Chance bekommen, an einigen wenigen Sonntagen im Jahr ihre Kunden mit Events und Sonderaktionen zu begeistern. "Ansonsten kaufen die Kunden eben noch mehr online ein."

Allerdings bietet das Weihnachtsgeschäft dem Handelsverband weniger Argumente, als die maue zweite Adventswoche vermuten lässt. Denn für die beiden Monate November und Dezember insgesamt erwartet der HDE eine Steigerung des Umsatzes um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr - auf 94,5 Milliarden Euro. Und von diesem Umsatzplus würde der größere Teil auf den stationären Handel entfallen, der kleinere auf den Onlinehandel.

fdi/AFP
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