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16. Januar 2012, 19:38 Uhr

Verlust der Bestnote

Standard & Poor's stuft Euro-Rettungsfonds herab

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat dem Euro-Rettungsschirm EFSF die Bestnote entzogen. Der Schritt ist eine Folge der Herabstufung von Frankreichs Kreditwürdigkeit. Der Kampf gegen die Schuldenkrise könnte sich nun verteuern.

Luxemburg - Nun hat es auch den Euro-Rettungsschirm erwischt: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat der EFSF die Bonitäts-Bestnote entzogen. Statt AAA wird der Fonds jetzt nur noch mit AA+ bewertet, teilte S&P mit.

Die Herabstufung ist eine Folge der Entscheidung vom Freitag, als die Agentur die Bewertung von neun Euro-Länder gesenkt hatte. Darunter waren auch Frankreich und Österreich, die mit ihrer Spitzennote gemeinsam mit Deutschland und drei weiteren Ländern das AAA des Rettungsfonds garantierten.

Nun bewertet S&P nur noch Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg mit der Bestnote. Die Ausleihsumme, die durch AAA-Länder garantiert wurde, schrumpfte von 440 auf 270 Milliarden Euro. Daher war erwartet worden, dass die EFSF ihr "AAA"-Top-Rating verliert. Dies könnte nun zu höheren Kosten bei der Euro-Rettung führen.

Der Fonds selbst hat kein eigenes Kapital. Alles, was er an die Krisenländer überweist, muss er sich vorher selbst am Finanzmarkt leihen. Wie hoch die Zinsen dabei ausfallen, hängt auch vom Rating ab. Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, geht davon aus, dass die Finanzierungskosten für den EFSF steigen. Es sei mit einer "um etwa 0,25 Prozentpunkte höheren Rendite" zu rechnen, sagt Mayer. Er leitet dies aus dem bisherigen Renditeabstand französischer Anleihen zu EFSF-Papieren ab.

In absoluten Zahlen ausgedrückt wäre das keine riesige Belastung. Der EFSF hat bisher bereits 19 Milliarden Euro durch Anleiheauktionen eingesammelt. In diesem Jahr sind weitere 13 Milliarden Euro angepeilt. Wenn die Zinsen dabei durch eine mögliche Rating-Abwertung um 0,25 Prozentpunkte steigen würden, wären dies rund 32 Millionen Euro pro Jahr - ein verkraftbarer Betrag.

Regierung spielt Bedeutung herunter

Doch ob es dabei bliebe, ist fraglich. Denn ein Verlust des AAA-Status würde auch die geplante Hebelung des EFSF torpedieren, mit der die Euro-Staaten die Schlagkraft des Fonds eigentlich vervielfachen wollten. Das Kapital des Fonds sollte dazu genutzt werden, privaten Investoren aus aller Welt den Kauf europäischer Staatsanleihen schmackhaft zu machen. Der Fonds sollte als Versicherer für die Anleihen agieren.

Die Bundesrepublik hatte die Bedeutung einer anstehenden Herabstufung am Montag heruntergespielt. Am Volumen des Hilfsfonds müsse sich nichts ändern. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zweifelte das S&P-Urteil an. "Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben", sagte er. Sein französischer Amtskollege François Baroin sagte am Montagabend, dass er keinen Anlass sehe, aufgrund des S&P-Urteils etwas am Fonds zu ändern.

EFSF-Chef Klaus Regling und der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, unterstrichen die Handlungsfähigkeit des Fonds. Dieser verfüge über ausreichende Mittel, um den Verpflichtungen nachzukommen. Regling wies zudem darauf hin, dass die beiden anderen Rating-Agenturen, Moody'sund Fitch, den Fonds weiterhin mit dem Spitzenrating bewerteten. Keine der beiden Firmen habe irgendeine Entscheidung über den EFSF angekündigt.

Entsprechend optimistisch schätzten Regling und Juncker die Zukunft ein: "Die EFSF hat genug Mittel, um seine Verpflichtungen unter den laufenden und potenziellen künftigen Anpassungsprogrammen zu erfüllen, bis der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM seine Arbeit im Juli 2012 aufnimmt." Die Entscheidung von S&P werde das Ausleihvolumen des EFSF nicht schmälern, sagte Juncker am Montagabend.

Dazu kommt: Die Note AA+ steht auch noch für eine sichere Anlage. Außerdem machte sogar Standard & Poor's den Europäern am Montag Hoffnung, dass der Fonds seine Bestnote zurückbekommen kann. Dafür müssten die Anleihen allerdings besser abgesichert werden.

Mario Draghi, Chef der europäischen Zentralbank (EZB), sagte am Abend, Politik und Investoren müssten sich unabhängiger von den Ratingagenturen machen. "Wir sollten lernen, entweder ohne sie auszukommen - oder aber mit ihnen, dann aber mit einer weit geringeren Bedeutung als heute."

cte/stk/aar/Reuters/dpa/dapd

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