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04. August 2011, 22:41 Uhr

Verluste für Dax und Dow

Börsen im Minus-Rausch

An den Aktienmärkten regiert die Angst: Der amerikanische Index Dow Jones stürzt so schnell wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008, der Dax verlor mehr als drei Prozent. Frankreichs Präsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel wollen in einer Telefonkonferenz über die Lage beraten.

New York/Frankfurt am Main - Der Absturz am Aktienmarkt scheint nicht zu bremsen. In New York verlor der wichtigste US-Index Dow Jones am Donnerstag 4,3 Prozent und fiel auf den niedrigsten Stand des Jahres. Er schloss bei 11.383 Punkten - 513 weniger als am Vortag. Es war der schlimmste Absturz seit dem Oktober 2008, dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise.

Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq sank sogar um 5,1 Prozent auf 2556 Punkte. Auch der Deutsche Aktienindex Dax hatte zuvor wieder kräftig verloren. Er stürzte um 3,4 Prozent auf 6414 Punkte. Zwischenzeitlich war auch er auf ein neues Jahrestief abgesackt.

Dabei hatte der Tag eigentlich gut begonnen. Nach sechs Verlusttagen in Folge war der Dax mit Kursgewinnen gestartet. Am Nachmittag rauschte er jedoch in kürzester Zeit nach unten. In den vergangenen Tagen wurden alleine bei den 30 Dax-Unternehmen Börsenwerte von insgesamt fast hundert Milliarden Euro vernichtet. Dies entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung von Neuseeland.

Angesichts der Verwerfungen auf den Finanzmärkten hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy für diesen Freitag eine Telefonkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt. Auch der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero werde teilnehmen, teilte Sarkozys Büro mit. Der Präsident hatte zuvor mit EZB-Chef Jean-Claude Trichet gesprochen.

Die Anleger sorgen sich um die US-Konjunktur

Der heftige Absturz der Aktienkurse kommt überraschend - vor allem beim Dax. Den deutschen Leitindex hatte die Schuldenkrise der Euro-Zone bis vor zwei Wochen kaum beeinflusst. Seit Ende August 2010 war er von 6000 Punkten auf zeitweise mehr als 7500 Punkte gestiegen. Nun aber drücken einfach zu viele Probleme gleichzeitig auf die Stimmung der Anleger: Zu den Schuldenkrisen in Europa und den USA ist nun auch noch die Sorge um die Konjunktur gekommen. Die größte Volkswirtschaft der Welt droht zurück in die Rezession zu rutschen.

Die USA hatten zuletzt enttäuschende Wachstumszahlen gemeldet. Analysten sprachen von Anzeichen, dass die amerikanische Wirtschaft zum Stillstand gekommen sei. An diesem Eindruck konnten am Donnerstag auch die überraschend starken Geschäftszahlen des Autokonzerns General Motors nichts ändern.

An diesem Freitag werden neue Daten vom US-Arbeitsmarkt erwartet. Doch auch die werden den Negativ-Trend an den Börsen kaum umkehren können. Insgesamt ergebe sich ein Bild der Stagnation, sagte Hugh Johnson von der Finanzfirma Hugh Johnson Advisors LLC. "Alles - die Arbeitslosendaten eingeschlossen - deutet auf dasselbe hin: Die Wirtschaft steht still", sagte er. Sein Kollege Peter Kenney von Knight Capital sprach von wahllosen Verkäufen. "Heute morgen ist der Damm gebrochen", erklärte er.

Auch in Europa trübt sich die wirtschaftliche Entwicklung immer stärker ein. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hatte die Unsicherheit für die Konjunktur am Donnerstag als "ungewöhnlich hoch" bezeichnet- zugleich aber weitere Leitzinserhöhungen angedeutet, um die Inflation zu bremsen.

Während die Aktien fallen, profitiert der Goldpreis von der Unsicherheit der Anleger: Er stieg am Donnerstag einmal mehr auf ein Allzeithoch bei 1681,90 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). Gold gilt vielen Investoren als sichere Anlage in Krisenzeiten.

stk/itz/Reuters/dpa-AFX/dapd/AFP

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