Insolvenzantrag Versandhändler Neckermann ist pleite

Der Großinvestor Sun Capital will kein Geld mehr geben. Nun muss der Versandhändler Neckermann Insolvenz anmelden. "Kurz vor der Zielgeraden sind wir gescheitert", sagt ein Arbeitnehmervertreter.

Protest vor Neckermann-Zentrale in Frankfurt: "Zahlungsfähigkeit nicht mehr gewährleistet"
dapd

Protest vor Neckermann-Zentrale in Frankfurt: "Zahlungsfähigkeit nicht mehr gewährleistet"


Frankfurt am Main - Der Versandhändler Neckermann hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der US-Investor Sun Capital Partners als Eigentümer halte das Ergebnis der Sanierungsverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern "nicht für tragfähig" und stelle dem Unternehmen deswegen "keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung".

"Kurz vor der Zielgeraden sind wir gescheitert", sagte Bernhard Schiederig, Sekretär der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. In den Gesprächen mit dem Management sei Einigkeit über einen Sozialplan, Abfindungsregelungen sowie eine Transfergesellschaft erzielt worden, sagte Schiedrig. "Kurz vor der Unterschrift hat Sun erklärt, dass sie kein Geld mehr zur Verfügung stellen, so dass die Zahlungsfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist."

Neckermann wollte den Eigenhandel mit Textilien sowie das Frankfurter Zentrallager aufgeben und dafür 1380 Stellen abbauen. Sun Capital hatte im April signalisiert, weitere 25 Millionen Euro in das Unternehmen zu investieren, wenn alle Beteiligten bei der Sanierung an einem Strang zögen.

Neckermann.de gehört zu den größten Online-Versandhändlern in Deutschland. Das 1950 in Frankfurt als Neckermann Versand KG gegründete Unternehmen startete 1995 einen eigenen Online-Shop. Zuletzt erwirtschaftete Neckermann mit bundesweit rund 2400 Beschäftigten nach eigenen Angaben fast 80 Prozent seines Umsatzes über das Internet.

Das Unternehmen wurde 2007 mehrheitlich an Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgte. Nach der Pleite der Muttergesellschaft Arcandor übernahm Sun 2010 auch die übrigen Anteile. Ein von Arbeitnehmervertretern vorgeschlagenes Sanierungskonzept hatte der Aufsichtsrat bereits im Mai mehrheitlich abgelehnt.

dab/dpa/AFP



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