Nach Forderung der Grünen Umweltministerium will Vernichtung neuwertiger Retouren erschweren

Nach einem Vorstoß der Grünen will das Umweltministerium für Versandhändler bei der Vernichtung von Rücksendungen regulieren. Die Branche protestiert: Die Idee sei "Unfug", der Anteil der entsorgten Produkte nur gering.

Logistikzentrum des Versandhändlers Amazon in Dortmund
Ina Fassbender/ dpa

Logistikzentrum des Versandhändlers Amazon in Dortmund


Das Bundesumweltministerium will Versandhändlern die Vernichtung neuwertiger Waren nach deren Rücksendung erschweren. Durch eine "Obhutspflicht" wolle man künftig rechtlich gegen die "unmittelbare Vernichtung von Retouren oder sonstiger Neuwaren" vorgehen können, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Für zurückgesandte Neuwaren, die als Sachspenden weitergegeben werden, werde eine Umsatzsteuerbefreiung geprüft. Der Entwurf zur Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes werde "zeitnah" veröffentlicht.

Ein entsprechendes Verbot hatte die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardteingebracht. Sie hatte vorgeschlagen, dass neuwertige Waren nach der Rücksendung nicht mehr vernichtet werden dürften. Dass Versandhändler diesen Weg wählen, statt die Produkte erneut anzubieten, bezeichnete Göring-Eckardt als "Perversion der Wegwerfgesellschaft".

Verbot verkenne die Praxis und die rechtliche Lage der Händler

Die Versandhändler hatten sich zuvor gegen den Vorschlag der Grünen gewehrt. Die Idee sei "Unfug", erklärte der Präsident des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (BEVH), Gero Furchheim.

"Kein Unternehmen meiner Branche hat ein Interesse, wirtschaftlich sinnvoll verwertbare Ware wegzuwerfen oder zu vernichten", sagte Furchheim. Ein Verbot verkenne die Praxis und die rechtliche Lage der Händler.

Laut Göring-Eckardt sollen Produkte, die nicht mehr in den Verkauf können, verschenkt werden. Dafür solle die Mehrwertsteuer erlassen werden. Ziel sei es, die Rohstoffe zurück in den Wertstoffkreislauf zu bringen.

BEVH-Präsident Furchheim sagte, es gebe viele Konzepte, die Auswirkungen des staatlich verordneten Widerrufsrechts sinnvoll in "Einklang mit der Ökologie" zu bringen. Dazu zählten Aufarbeitung, Sonderverkäufe sowie sozial motivierte Schenkungen. Die Versandhändler würden dies bereits freiwillig tun.

Der Verband verwies, ebenso wie zuvor die Grünen, auf eine Studie der Universität Bamberg. Demnach schicken Onlineshopper zwar jedes sechste Paket wieder an den Händler zurück - 92 Prozent dieser Rücksendungen werden aber tatsächlich weiterverkauft.

Vier Prozent werden laut der Untersuchung entsorgt. Der Rest wird industriell wiederverwertet oder gespendet. Unter den entsorgten Artikeln sind dem Verband zufolge auch Produkte, die aufgrund von hygienischen, rechtlichen oder funktionalen Einschränkungen nicht weiter verwertbar sind. Sie müssten auch bei einem Verbot weiterhin entsorgt werden.

Der BEVH wies zudem darauf hin, dass Unternehmen wie Amazon oft an Verfügungen von kleinen Händlern oder Markenherstellern gebunden seien. Diese würden vorschreiben, was mit Retouren passieren soll.

fek/AFP/dpa



insgesamt 33 Beiträge
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susie.soho 11.06.2019
1. Nicht einfach spenden....
...sondern an Sozialkaufhäuser unentgeltlich weiterleiten, wo die beschädigte Ware zu geringem Preis von Sozialhilfeempfängern erworben werden kann.
Fuxx2000 11.06.2019
2. Ich bin Onlinehändler
Und die Realität sieht getrieben von Amazon, EBay und Co genauso aus: es wird weggeschmissen, was sich nicht mehr lohnt anzufassen. Und durch die Vorgaben von Amazon, Ebay und Co wird eine: ich bestelle was, benutze es, schicke es zurück und lasse mir das Geld zurück geben Mentalität gefördert. Die Ware ist dann so stark gebraucht, dass sie nicht mehr verkauft werden kann. Ich habe ohne Ende Beispiele, wo wir stark gebrauchte (oder verbrauchte) Ware von Amazon zurück bekommen (weil wir sie nicht vernichten lassen). A) die Artikel werden monatelang benutzt, dann einfach zurück geschickt, obwohl sie keinen Defekt vorweisen. B) VPEs werden bestellt, einige Teile werden rausgenommen, die halbvolle Packung zurück geschickt. C) minderwertiger defekter Artikel wird statt des neuen teuren zurückgeschickt. D) artikel werden durch den "Test" unbrauchbar, da sie nur individuell genutzt (bei uns geschnitten und verklebt) werden können. Die benutzen Brocken werden dann zurücgeschickt. - das wird irgendwann so kommen, dass man das Bad neu fließt und wenn einem die Fliesen Nicht gefallen, haut man sie wieder aber und schickt sie zu amazon. Und da amazon die Einnahmen des Händlers kontrolliert, belastet man ihm automatisch die gesamten Kosten plus Gebühren. Das Zurücksenden von Müll ist für Amazon ein Geschäftsmodell. Egal ob direkt entsorgt oder nicht... Das Problem liegt also beim System Amazon UND in den völlig überzogenen Verbraucherschutz"rechten" die einen komplett missbraucht werden.
sozialismusfürreiche 11.06.2019
3. aber nur mit besserer Qualitätssicherung!!!
Ich bin schon 3x Opfer von schlechter Abwicklung von Rücksendeartikeln geworden. Einmal habe ich eine Kinder-Wanduhr erhalten, die ein Amazonkunde kaputt gemacht hatte und der Kunde als Reklamationen tarnte und ein Fehlerbeschreibungs-Brief beilegte. Amazon hat die Retoure nicht geprüft und sofort wieder in Umlauf gebracht und das mindstens 2x, den ein anderer Kunde hatte sich in den Bewertungen genau über die gleiche schadhaft zugesendete Uhr beschwert. Das andere Mal habe ich einen Sicheeheitsprodukt der Kategorie IV mit beschädigten Siegel erhalten, das schon in Gebrauch war. Hätte ich es benutzt wäre vielleicht jetzt mein Konto schon leer. Radtouren dürfen niemals in den Kreislauf von Neuware eingeführt werden! Bei beiden Produkten hatte ich mindestens jeweils 2 Stunden Aufwand. Unverschämt!
telarien 11.06.2019
4. @#2 fuxx
Ich glaube Ihnen das in jeder Hinsicht. Aber dieser Fehler liegt doch bei Amazon. Hier kann und sollte nicht jede alberne Rücksendung akzeptiert werden. Der Ansatz der Grünen ist hier in sofern völlig in Ordnung. Die Regierung ist in der Pflicht gerade die internationalen Multis in Schranken zu weisen. Wenn sie dann noch Steuern zahlen...
h.hass 11.06.2019
5.
Dass funktionsfähige Waren vernichtet werden, ist in der Tat eine Perversion der Konsumgesellschaft. Es ist egal, ob das nur 4 % der waren sind. Bei den entsprechenden Mengen, die versandet werden, ist das ein geradezu monströser Berg.
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