Lieferverzögerungen Deutsche Bahn droht mit Zug-Kauf in Asien

Die Deutsche Bahn erwägt neue Züge nicht mehr nur bei europäischen Firmen, sondern auch in Asien zu bestellen. Konzernchef Rüdiger Grube kritisierte die langen Lieferverzögerungen bei Bombardier und Siemens. Zugleich versprach er mehr Zuverlässigkeit im Winter.

Montage eines ICE 3 bei Siemens: Künftig mehr Konkurrenz aus Asien?
DPA

Montage eines ICE 3 bei Siemens: Künftig mehr Konkurrenz aus Asien?


Berlin - Es ist eine kleine Drohung an die eigenen Zulieferer, die Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" ausgesprochen hat. Die Industrie könne es sich nicht leisten, weiter so unzuverlässig zu arbeiten, sagte Grube der Zeitung. "Die Konkurrenz schläft schließlich nicht, insbesondere die aus Asien." Auf die Frage, ob sein Konzern dort Züge bestelle, sagte Grube: "Im Notfall wäre das eine Möglichkeit."

Gleichzeitig nahm der Bahn-Chef die deutschen Unternehmen jedoch auch in Schutz. Die Zulassung neuer Züge sei in Deutschland langwierig. Man brauche verbindliche und effektive Regeln, die in Europa einheitlich sein sollten, forderte Grube.

Hintergrund der Kritik sind die Wartezeiten bei bereits bestellten Zügen. So musste die Bahn lange auf Regionalzüge vom Typ Talent 2 von Bombardier warten. Verzögerungen gibt es auch bei Zügen vom Typ ICE 3 von Siemens. Grube sagte der Zeitung, die Bahn erhalte Ende des Jahres acht dieser Hochgeschwindigkeitszüge. "Da setze ich auf das Wort von Siemens-Chef Peter Löscher."

Die Deutsche Bahn hatte im September auf der Messe Innotrans bereits einen Rahmenvertrag mit dem polnischen Produzenten Pesa geschlossen. Das Unternehmen liefert bis zu 470 Regionalzüge im Wert von 1,2 Milliarden Euro.

Grube verspricht bessere Zuverlässigkeit im Winter

Mit Blick auf die Pannenserie in den vergangenen Wintern versprach Grube Besserung. Nachdem die Bahn im Vorjahr fast einen dreistelligen Millionenbetrag für zusätzliche Wintermaßnahmen investiert habe, werde nun noch einmal Geld im zweistelligen Millionenbereich ausgegeben - beispielsweise für Enteisungsanlagen, Weichenheizungen, Heizlüfter und beim Schneeräumdienst.

Schon im Sommer habe sich der Ausfall der Klimaanlagen im Gegensatz zu den Vorjahren dank Investitionen in Grenzen gehalten, sagte Grube. Der Konzern habe mehr als die Hälfte der 44 ICE-2 umgerüstet. "Das hat sich ausgezahlt und wird sich weiter auszahlen".

Eine nachhaltige Verbesserung im Zugverkehr werde es aber erst dann geben, wenn die Bahn wieder über eine Reserveflotte verfüge. "Das wird Ende 2014 der Fall sein", sagt Grube. Dafür müsse die Bahnindustrie aber pünktlich funktionstüchtige Züge liefern.

nck/Reuters/dpa



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Plasmabruzzler 08.10.2012
1.
Zitat von sysopDPADie Deutsche Bahn erwägt neue Züge nicht mehr nur bei europäischen Firmen, sondern auch in Asien zu bestellen. Konzernchef Rüdiger Grube kritisierte die langen Lieferverzögerungen bei Bombardier und Siemens. Zugleich versprach er mehr Zuverlässigkeit im Winter. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/verspaetete-lieferungen-deutsche-bahn-droht-mit-zugeinkauf-in-asien-a-860040.html
Na, hoffentlich dauert dann das sogenannte Zulassungsverfahren nicht so lange wie bei Herstellern, die nah an oder in Deutschland produzieren. Bombardier ist da ein schlechtes Beispiel. Hier für Stadtbahnfahrzeuge in Köln/Bonn: Bombardier Flexity Swift (http://de.wikipedia.org/wiki/Bombardier_Flexity_Swift#K5000_.2F_K5200) sowie für den Talent 2: Bombardier Talent 2 (http://de.wikipedia.org/wiki/Talent_2)
VandalenSandalen 08.10.2012
2. SIEMENS halt
der ganze Laden ist schrott, die liefern immer verspätet und dann auch nur halbgares Zeug
menne61 08.10.2012
3. China???
Dan DB gute Nacht. Der Personennahverkehr müßte zusammen brechen. Soll der Grube mit seiner Poletta alleine mit den Schrottlauben der Chinesen durch die Lande fahren.
Andalusier 08.10.2012
4. Siemens = Bank mit angeschlossener Produktion
Zitat von VandalenSandalender ganze Laden ist schrott, die liefern immer verspätet und dann auch nur halbgares Zeug
Vielleicht ist diese Meldung auch nur ein kleiner Appel von ein paar Bahnangestellten an Siemens. Vielleicht soll Siemens daran erinnert werden endlich einmal wieder ein paar Euros privat an sie auszubezahlen.
Andreas Rolfes 08.10.2012
5. Db-sek
Vielleicht sollte die (un)Deutsche Bahn auch mal in ein technisches Sondereinsatzkommando investieren, daß bei Bedarf gleich per Hubschrauber an den Einsatzort geflogen wird. Daß ein Oberleitungsschaden dazu führt, das vier Stunden(!) auf der Strecke zwischen Hamm und Bielefeld nichts mehr geht, sagt alles. Das nachfolgende Chaos zog sich bis in die Abendstunden. O-Ton des Schaffners: "Ein schwarzer Tag für die Bahn." Dem war nichts hinzuzufügen.
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