Vertragsunterzeichnung VW und Ford schließen Elektro-Allianz

Volkswagen und Ford haben eine enge Zusammenarbeit besiegelt. Die Kooperation beschränkt sich zunächst auf Elektroautos und Nutzfahrzeuge - und soll beiden Seiten helfen, Kosten in Milliardenhöhe zu sparen.
Produktion des Volkswagen ID.3: "Chancen zur Lösung globaler Mobilitätsfragen"

Produktion des Volkswagen ID.3: "Chancen zur Lösung globaler Mobilitätsfragen"

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Volkswagen und Ford haben ihre milliardenschwere Allianz für Elektroautos und autonomes Fahren besiegelt. Der weltgrößte Autokonzern aus Niedersachsen und der zweitgrößte US-Autobauer wollen die Kosten für Neuentwicklungen untereinander aufteilen und sich in Krisenzeiten gegenseitig stärken. "Angesichts der Covid-19-Pandemie und ihrer Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ist es von entscheidender Bedeutung, belastbare Allianzen zwischen starken Unternehmen zu bilden", teilte Volkswagen-Chef Herbert Diess anlässlich der Vertragsunterzeichnung mit. Die Zusammenarbeit werde die Entwicklungskosten senken und stärke zudem die weltweite Verbreitung von Elektrofahrzeugen.

Ford-Chef Jim Hackett ergänzte: "Hier entstehen Chancen zur Lösung globaler Mobilitätsfragen - gleichzeitig müssen Unternehmen sorgfältig entscheiden, wie sie ihr Geld investieren." Eine Kapitalverflechtung sei nicht geplant, bekräftigten beide Konzerne.

Die beiden Partner hatten bereits im Juli eine Erweiterung ihrer Allianz angekündigt. Die Wolfsburger wollen ihrem US-Partner in großem Stil Elektroauto-Komponenten liefern und haben sich außerdem an dessen Tochter Argo AI für selbstfahrende Autos beteiligt.

Ford will den Modularen Elektrobaukasten (MEB) nutzen, um ab 2023 mindestens ein emissionsfreies Fahrzeug in Europa in Großserie zu bauen. In den kommenden Jahren sollen mehr als 600.000 Einheiten vom Band rollen. Den erwarteten zusätzlichen Umsatz dadurch bezifferte Volkswagen auf zehn bis 20 Milliarden Dollar. Darüber hinaus liefen damals bereits Gespräche über einen neuen Liefervertrag für ein zweites Fahrzeug.

Neben ihrer E-Auto-Kooperation nannten die beiden Konzerne auch Details ihrer Allianz bei Nutzfahrzeugen. VW entwickelt und fertigt einen Stadtlieferwagen, Ford einen Transporter im Ein-Tonnen-Ladesegement. Zudem vermarktet Volkswagen ab 2022 mit dem Amarok einen Pickup auf Basis des Ford Ranger. Insgesamt sollen rund acht Millionen Fahrzeuge in den drei Nutzfahrzeug-Projekten der Allianz gefertigt werden.

VW kündigte darüber hinaus an, dass der neue ID.3 Anfang September auf den Markt kommen soll. Im Laufe der 37. Kalenderwoche (7. bis 13.9.) ist der Start des Elektromodells in den meisten Ländern Europas geplant. Wegen Verzögerungen in der Softwareausstattung werden die ersten Wagen aber noch nicht den vollen Funktionsumfang besitzen. Das Auto soll eine Serie vollelektrischer Fahrzeuge begründen, in die Volkswagen in den kommenden Jahren Milliarden steckt. Der ID.3 gilt 2020 als das zentrale Zukunftsprojekt des weltgrößten Autokonzerns - aufgrund der Komplexität der IT wird es allerdings nachträgliche Updates geben.

mik/Reuters